Xenogenesis
Mit Xenogenesis ist die große Sci-Fi Trilogie bestehend aus Dämmerung, Rituale und Imago von Octavia E. Butler in einem Band erhältlich.
Eine Größe der Sci-Fi
In ferner Zukunft hat ein Atomkrieg die Erde beinahe komplett zerstört. Einige wenige Menschen wurden von einer mysteriösen außerirdischen Spezies gerettet. Den Oankali. Jetzt sollen die Menschen wieder auf ihren Heimatplaneten zurückkehren, doch die Hilfe der Oankali hat ihren Preis. Und es beginnt mit Lilith. Sie erwacht in einem unbekannten Raum und weiß, sie wird nicht nur beobachtet, sie ist eine Gefangene. Doch Schritt für Schritt entkommt sie ihrem eintönigen Dasein und findet mehr heraus. Wo sie sich befindet und wessen Gefangene sie offensichtlich ist. Denn Lilith ist einer der Bausteine zur erneuten Besiedlung der Erde durch die Oankali.
Xenogenesis von Octavia E. Butler liest sich heute noch so aktuell wie zum Erscheinen Ende der 80er-Jahre. Es geht um die Themen Gender, die Übergriffigkeit der Menschen und um Selbstbestimmung. Butler darf man ruhig in einem Atemzug mit den weiblichen Sci-Fi Größen Ursula K. Le Guin, Margaret Atwood und James Tiptree Jr. (bürgerlich: Alice B. Sheldon) nennen. Sie alle sind nicht nur zeitlose Größen des Genres, sondern haben maßgeblich dazu beigetragen, die Sci-Fi in Literatur zu verwandeln (wem das wichtig ist, zu wissen). Butler mag zwar in erster Linie für ihre Werke Die Parabel vom Sämann und Verbunden bekannt sein, doch die Xenogenesis-Trilogie braucht sich dahinter eigentlich nicht zu verstecken.
Lilith starrte ihn an, entsetzt, dass er sie so klar durchschaut hatte. Und er musste von Menschen gewusst haben, die trotz der Aussicht auf ein langes Leben, auf Gesundheit und bleibende Jugend hatten sterben wollen. Warum? Vielleicht hatten sie den Teil gehört, den man ihr noch nicht gesagt hatte: den Grund für all das. Den Preis.
Als einfacher Einstieg in das Schaffen von Octavia E. Butler eignet sich die knapp 1000-seitige Trilogie vielleicht nur bedingt. Andererseits hat man dafür gleich drei Bücher in einem in der Hand. Ändert nichts daran, dass Xenogenesis ein ungemein nahe gehendes, komplexes, immer noch aktuelles und spannendes Sci-Fi Epos ist. Es erhellt und fordert den Leser gleichzeitig heraus. Beeindruckend ist auch der Umstand, dass die Trilogie nahezu bis zum Ende sich fast wie eigenständige Werke lesen. Erst am Schluss ergibt alles einen Sinn und die Räder greifen ineinander. Octavia E. Butler ist mit ihrer Xenogenesis-Trilogie jedenfalls ein großes (und oft noch zu unbeachtetes) Werk der Sci-Fi Literatur gelungen. Unbedingt lesen.
Xenogenesis von Octavia E. Butler, 976 Seiten, erschienen im Heyne Verlag.
