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Die Wahrheit, die uns zweifeln lässt

In Minneapolis wird eines Morgens eine unbekannte Frauenleiche auf der Straße entdeckt. Detective Max Rupert übernimmt die Ermittlungen. Es stellt sich schnell heraus, dass es sich bei der Toten um Jennavieve Pruitt handelt. Mit deren Ehemann Ben Pruitt musste Detective Rupert bereits vor Gericht unangenehme Erfahrungen machen. Sehr bald verdichten sich die Beweise gegen den Ehemann und es kommt zur Mordanklage. Pruitt wird vor Gericht von Boady Sanden, einem angesehenen Jura-Professor vertreten. Blöderweise verbindet den Anwalt seit Jahren eine enge Freundschaft mit Detevtive Max Rupert. Der Gerichtsprozess wird zu einer Belastungsprobe ihrer Freundschaft.

Unterwegs überkam ihn wieder mal das Gefühl ein Monster zu sein: Seine Seele musste die Verdammung verdienen, die ihn zweifellos erwartete.

Mit Die Wahrheit, die uns zweifeln lässt legt der Festa Verlag bereits den vierten Roman aus dem erzählerischen Kosmos von Allen Eskens vor. Der Schriftsteller aus Minnesota schreibt zwar keine direkte Serie – doch sind seine Romane eng miteinander verknüpft. So tauchte die Figur des Detective Rupert bereits in kleinerer (aber wichtiger) Rolle in den vorangegangenen Romanen Das Leben, das wir begraben und In Gestalt eines Anderen auf. Ebenso tauchte die Figur Boady Sanden in Eskens Debütroman Das Leben, das wir begraben auf, und wird in einer der kommenden Veröffentlichungen Eskens der Hauptprotagonist sein.

Eskens verwebt seine vielschichtigen Figuren kunstvoll. Seinen Romanen kann man eine gewisse Überfrachtung zwar nicht absprechen – dennoch sind es höchst intelligente Spannungsromane, die mit einer emotionalen Wucht und Dramatik daherkommen, die seinesgleichen sucht. In Die Wahrheit, die uns zweifeln lässt ist das Grundthema das, des unter der Oberfläche schwelenden Konflikts, den jede einzelne Figur mit sich bringt. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Gut und Böse ist immer schwerer auseinander zu halten. In einem geschickt aufgebauten 3-Akter erzählt der Roman abwechselnd aus der Perspektive des Ermittlers und des Verteidigers. Es ist dem Autor sichtlich ein Anliegen jede seiner Figuren gerecht zu behandeln – und damit auch die Schwierigkeit, die es mit sich bringt, ein Urteil über jemanden zu fällen. Über die mögliche Schuld oder Unschuld des Täters wird der Leser geschickt bis zum Ende im Unklaren gehalten. Angemerkt sei noch, dass das Ende dieses Buchs zwar den „Hauptfall“ abschließt, eine etablierte Nebenhandlung allerdings unaufgelöst bleibt. Diese wird das Kernthema eines weiteren Romans bilden.

„Ich glaube nicht, dass ich dich je ins Kreuzverhör nehmen könnte. Nicht nach allem was passiert ist. Das wäre so, als würde ich meinem Hund einen Tritt verpassen.“
„Ich bin also der Hund in diesem Szenario?“
„Ja, aber ich liebe meinen Hund wirklich sehr.“

Die Wahrheit, die uns zweifeln lässt ist halb Polizei-Prozedere und halb Gerichtsroman. Ein wenig lassen Eskens‘ Romane immer wieder mal an John Grisham denken. Doch ist Allen Eskens wesentlich düsterer und weniger schwarzweiß, als sein berühmter Kollege. Warum die Werke Eskens‘ noch nicht von Hollywood entdeckt wurden, ist ein Rätsel. Allerdings gut für lesende Menschen, denn hier bekommt man Kopfkino par excellence geliefert. Die sehr guten Übersetzungen von Claudia Rapp runden das niveauvolle Leseerlebnis wunderbar ab. Wir freuen uns auf die nächsten Veröffentlichungen.

Die Wahrheit, die uns zweifeln lässt von Allen Eskens, 448 Seiten, erschienen im Festa Verlag.