Ghost Virus
Graham Masterton hat inzwischen über 80 Romane geschrieben, die überwiegend dem Horror-Genre zuzuordnen sind. 80 Jahre ist er übrigens auch inzwischen alt und wird dennoch nicht müde, neue Werke zu produzieren. Ghost Virus ist im Original 2018 erschienen und markiert den Neustart einer Reihe um die beiden Ermittler Patel und Pardoe.
Kleidung des Grauens
Im Süden Londons häuft sich eine Reihe bizarrer Bluttaten. Eine junge Frau übergießt sich mit Schwefelsäure. Ein Ehemann zerlegt seine Frau in kleine Happen, die er anschließend verspeist. Die Direktorin einer Schule wirft Kinder aus dem Fenster. Gemeinsam haben alle diese brutalen Vorfälle: Die Täter:innen sagen, sie tragen keine Schuld. Was sie hingegen tragen, sind Klamotten, die sie angeblich zu diesen Taten treiben. Jerry Pardoe und Jamilla Patel vom Polizeirevier Tooting beginnen zu ermitteln.
Inzwischen schrie und flennte die ganze Klasse. Laura baute sich vor Ihnen auf und rief: „Seid still! Hört ihr nicht? Wenn ihr nicht aufhört, so herumzublöken, fliegt ihr alle aus dem Fenster!“
Splatter-Shirt
Ghost Virus ist ein temporeicher Pulp-Thriller. Graham Masterton geht hier mit einer geradezu infantilen Lust an Zerstörung ans Werk. Er lässt Körper schmelzen, platzen, zerstückeln, aufspießen und vieles mehr – was ausgeschmückte Beschreibungen extensiver Gewalt betrifft, geht er hier in die Vollen. Der Stolperstein ist dabei ein wenig die Gaga-Prämisse der besessenen Kleidungsstücke.
„Keine Lust auf einen Quickie?“
„Wie bitte? Geh weg, bitte.“
Wobei die absurde Idee gerade zu Beginn des Romans noch viel Spaß macht. Überhaupt ist schwarzer Humor kein zu unterschätzender Faktor bei Ghost Virus. Je länger der Roman jedoch andauert, desto schwerer tut sich Masterton mit seiner eigenen herrlich bescheuerten Idee. Und je mehr Erklärungsversuche er ins letzte Viertel packt, desto mehr gerät das Gerüst ins Schwanken.
Man kann also durchaus Spaß haben mit Ghost Virus – vorausgesetzt, man geht mit dem richtigen Mindset an die Sache heran. Als pulpiger und brutaler No-Brainer funktioniert Ghost Virus erstaunlich gut. Ein richtiges Masterton-Meisterwerk sollte man sich jedoch nicht erwarten. Wer hingegen den Altmeister beim völligen Freidrehen beobachten möchte, kommt hier voll auf seine Kosten.
Ghost Virus von Graham Masterton, 416 Seiten, erschienen im Festa Verlag.
