Rain/Fall – Bd. 2: Aufbruch
Mit Aufbruch geht die Comic-Reihe Rain/Fall in die zweite Runde. Daniel Andrew Wunderer spinnt seine Geschichte konsequent und spannend weiter. Herausragend dabei auch diesmal: Das Artwork von Arnulf Rödler. Absoluter Ausnahme-Comic made in Austria.
Eis-Steppe
Der Regen ist gekommen und hat die Welt verändert. In der verschneiten Tundra kämpfen Rana und Vater Atja weiterhin ums Überleben. Die beiden mussten ihre Farm verlassen und brechen auf die lange beschwerliche Reise in die Stadt auf. Doch auf dem Ritt durch die unwirtliche frostige Landschaft sind sie nicht allein – der Reverend ist dicht auf ihren Fersen.
Frostiger Neo-Horror-Western
Daniel Andrew Wunderer erzählt seine Geschichte in gemächlichem Tempo – was allerdings nicht mit Langeweile zu verwechseln ist. Im Gegenteil: Rain/Fall kommt mit einer deutlich angezogenen Spannungskurve im zweiten Teil angeritten. Immer wieder kommen neue Puzzleteile hinzu, ohne dass die großen Geheimnisse vorschnell gelüftet werden.
Wunderer selbst bezeichnet Rain/Fall als „frostigen Neo-Horror-Western“ – treffender kann man die ungewöhnliche Mischung kaum zusammenfassen. Western-Motive treffen auf Endzeit, Horror und eine ordentliche Portion Mystery. Dass eine derart eigenwillige Genre-Mischung am heimischen Comicmarkt entsteht, ist ohnehin bemerkenswert. Die Veröffentlichung im großen Albumformat macht die Sache zusätzlich erfreulich.
Denn Arnulf Rödler bleibt der große Trumpf der Reihe. Seine Zeichnungen sind atmosphärisch dicht, detailreich und ausgesprochen filmisch. Gerade im Albumformat können die großen Landschaften und verschneiten Weiten ihre volle Wirkung entfalten. Rödlers Stil ist dabei ungebrochen stark und verleiht Rain/Fall seine ganz eigene visuelle Identität.
Knapp zwei Jahre nach dem Auftakt liegt nun der zweite von insgesamt vier geplanten Bänden vor. Bis zum Finale wird also wohl oder übel noch einige Zeit ins Land gehen. Bei einer Geschichte, die ihre Spannung so konsequent über offene Fragen und langsam aufgebaute Geheimnisse bezieht, ist das natürlich eine gewisse Folter.
Eine Folter, die man sich dennoch keinesfalls entgehen lassen sollte. Rain/Fall ist packend geschrieben und hervorragend inszeniert. Man bleibt gerne am Ball und möchte wissen, was hinter dem Regen, den Veränderungen und den Gefahren steckt. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass uns die Macher nicht allzu lange auf die Folterbank spannen.
Rain/Fall – Bd. 2: Aufbruch von Daniel Andrew Wunderer und Arnulf Rödler, 72 Seiten, erschienen bei Catyarn Comics.
