Trespass-(c)-1992,-2018-Turbine-Medien(4)

Wonne aus der Tonne: Trespass

Liebe seltsame Leserschaft! Immer auf der Suche nach Filmen der unbekannteren Art stoße ich mitunter auf Werke, deren Cast & Crew-Liste derart prominent ist, dass es einem durchaus mal den Atem verschlägt ob der Tatsache, dass hier der Erfolg ausblieb. Doch auch Meister fallen auf die Schnauze. Und er ist darin besonders geübt: Walter Hill. Also richten wir unseren Blick auf das ungeliebte Werk Trespass.

Trespass

OT: Trespass, USA, 1992, Regie: Walter Hill, Drehbuch: Bob Gale, Robert Zemeckis, Mit: Bill Paxton, Ice-T, William Sadler, Ice Cube, u.a.

Die beiden Feuerwehrmänner Vince (Bill Paxton) und Don (William Sadler) geraten bei einem Einsatz zufällig an eine Schatzkarte, die besagt wo vor längerem erbeutetes Diebesgut versteckt ist. Und zwar in einem verfallenen Fabrikgelände. Die beiden betreten das Gelände ohne zu ahnen, dass sie damit ins Territorium des ortsansässigen Obergangster King James (Ice-T) kommen. Ungewollt werden sie Zeugen eines Mordes – und bleiben selbst nicht unentdeckt. Kurzentschlossen nehmen sie King James‘ kleinen Bruder als Geisel und verstecken sich im Gebäude, welches von nun an von Gangstern umstellt ist und unter Beschuss genommen wird.

Trespass geht auf ein älteres Skript aus der Feder von Robert Zemeckis und Bob Gale zurück, den Schöpfern der legendären Zurück in die Zukunft-Trilogie. Es entstand in ihrer gemeinsamen Studentenzeit an der Filmhochschule in den 70ern. Die beiden wollten ihr Skript als moderne Version des Humphrey Bogart Klassikers Der Schatz der Sierra Madre verstanden wissen. Besonders auffällig ist wie humorbefreit, ja, bierernst die ganze Angelegenheit ist. Als Walter Hill auf der Suche nach einem neuen Stoff war, bot ihm Gale das Skript an – und Hill war begeistert. Das ganze Setting – wenige Schauplätze und ein höchstmaß an Action – kam Hills Inszenierungsstil wunderbar entgegen. Und da Gangster-Filme wie Boyz n the Hood oder New Jack City kürzlich große Erfolge eingebracht hatten, besetzte man mit Ice-T und Ice Cube auch gleich zwei Stars jener Streifen. Alle Zeichen standen also auf Erfolg. Doch dann …

Walter Hill ist ein äußerst leidgeprüfter Regisseur. Auf jeden gelandeten Hit folgte mindestens ein riesen Flop. Mit dem vorliegenden Trespass wurde sich sogar ein massiver Sargnagel in Richtung Karriereende eingetreten. Wirklich nennenswerte Filme gab es danach höchstens noch mit Last Man Standing. Obwohl Hill natürlich bis zum heutigen Tag aktiv ist. Doch was war geschehen? Der Afroamerikaner Rodney King wurde in den USA nach einer kleinen Verfolgungsjagd von weißen Polizisten überaus brutal niedergeschlagen. Videoaufzeichnungen dieser Tat sorgten weltweit für Schlagzeilen und für massig Unruhen zwischen den ethnischen Bevölkerungsgruppen in den USA. In Folge schrieb Ice-T mit seiner Band Body Count den Hit Cop Killer und sorgte damit für einen riesen Skandal. Und das eben genau zu jener Zeit, als sich Trespass in Post-Produktion befand. Eine Horde afroamerikanischer Gangster, die mit Maschinengewehren Jagd auf zwei weiße Männer macht war dem Studio dann doch eine Nummer zu heiß. Folglich zog man für alle Werbemaßnahmen den Stecker, verschob den Film um ein halbes Jahr und brachte ihn schließlich still und heimlich kurz vor Weihnachten 1992 in die Kinos – wo er dann nicht mal seine Produktionskosten einspielte.

Auch die Kritik nahm den Film ursprünglich zwiespältig auf. Unnötig brutal und handlungsarm fanden die einen, dicht und intensiv inszeniert die anderen. Wie viele Filme Hills war es dann aber erst viele Jahre später, dass man die wahren Qualitäten des Films erkannte und die allgemeine Rezeption eine Trendwende nach oben vollzog. Nach heutiger Ansicht darf man festhalten, dass es sich bei Trespass um ein ungemein spannendes und sorgfältig inszeniertes Action-Kammerspiel handelt, bei dem vor allem William Sadler und Ice-T darstellerisch auftrumpfen dürfen. Die Filmmusik von Ry Cooder unterstützt das Geschehen hervorragend und sowohl Stunts als auch Kameraführung lassen sich auch heute noch sehen. Somit ein weiterer Hill-Klassiker, der unverdient zum Flop geriet. Wenn auch qualitativ trotzdem weit entfernt von seinem großen Flop-Meisterwerk Straßen in Flammen.

Völlig ungenießbar ist übrigens die deutsche Synchronisation, die nicht nur mit komplett unpassender Stimm-Besetzung „glänzt“, sondern auch noch einen unangenehmen, rassistischen Ton auffährt, der so in der Originalfassung gar nicht auszumachen ist. Auch verpasste man dem Film im deutschen Fernsehen den völlig unpassenden Alternativ-Titel Die Rap-Gang. Aua!

Also: Bei der Schatzsuche nicht vergessen sich vorher bis auf die Zähne zu bewaffnen. Und bleibt seltsam.