Men in Love
In Men in Love bringt Irvine Welsh die Jungs aus Trainspotting zurück und schickt sie in eine neue Phase ihres Lebens. Heroin ist weitgehend Geschichte, dafür locken Liebe, Sex, Rave und die nächste Runde mehr oder weniger fragwürdiger Lebensentscheidungen.
Ihr müsst euch entscheiden. Was seid ihr? Ficker oder Liebhaber?
Sequel to the Prequel
Nach dem verhängnisvollen Drogendeal aus Trainspotting gehen die vier Freunde getrennte Wege. Renton hat sich nach Amsterdam abgesetzt und versucht, dort ein neues Leben zu beginnen. Sick Boy lernt Amanda kennen, eine junge Frau aus gut situierten Verhältnissen, und sieht in ihr bald nicht nur die große Liebe, sondern auch die Chance, gesellschaftlich aufzusteigen. Währenddessen kämpfen Spud und Begbie auf ihre jeweils eigene Art mit ihrer Vergangenheit.
Schön, euch wiederzusehen
Irvine Welsh kehrt immer wieder zu dem Stoff zurück, der ihn einst auf die literarische Bühne gehievt hat. Insgesamt sechs Romane umfasst die Reihe inzwischen, plus weiteren Auftritten der Figuren in Kurzgeschichten sowie etliche Querverweise in anderen Romanen. Eigentlich schien die Geschichte mit Die Hosen der Toten erst mal auserzählt. Hier ließ Welsh die gealterten Versionen seiner Helden noch einmal schicksalshaft aufeinandertreffen. Ein äußerst gelungener Roman und auch ein würdiger Abschluss.
Sick Boy und ich dagegen … Bei uns ging es nur um Drogen, Diebstahl und Betrug. Bei Spud genauso. Und Begbie ist Begbie.
Mit Men in Love bleibt Welsh jetzt nur noch die Flucht in die Vergangenheit. Der Roman ist zeitlich direkt nach Trainspotting angesiedelt und schließt somit eine Lücke zwischen jenem Roman und der ersten Fortsetzung Porno. Und auch wenn sich bei der Lektüre irgendwann die Frage aufdrängt, ob es für dieses Wiedersehen tatsächlich einen Anlass für 567 Seiten gibt, macht es zunächst durchaus Freude, wieder in diese Welt einzutauchen.
Das größte Problem von Men in Love ist, dass sich nicht so ganz erschließen möchte, wo bei Irvine Welsh eigentlich der Drang lag, diese Geschichte erzählen zu wollen. Nicht, weil sie schlecht erzählt wäre. Im Gegenteil. Welsh ist ein hervorragender Schriftsteller. Sein Stil ist nach wie vor unverwechselbar, zugleich wirkt er souveräner und stilistisch präzisier als in früheren Werken. Auch die Übersetzung von Stephan Glietsch und Markus Naegele funktioniert ausgesprochen gut. Die deutsche Ausgabe von Kunstmann ist nicht nur ein wuchtiges Exemplar, sondern sieht auch ausgesprochen hübsch aus.
Die Überlänge des Romans trägt sich aber nur bedingt. Am interessantesten ist Sick Boys Geschichte mit Amanda. Sie nimmt erfreulicherweise auch den Großteil des Romans ein. Rentons Story hingegen tritt vollkommen auf der Stelle und hätte wohl auch ersatzlos gestrichen werden können. Begbie und Spud liefern daneben das ab, was Begbie und Spud eben so machen: Ärger und Chaos.
Men in Love ist ein schönes Wiedersehen mit alten Bekannten. Wer einfach mal wieder mit der Truppe abhängen will und sich an Welshs Bösartigkeit erfreut, wird ziemlich sicher großen Spaß haben. Vielleicht ist es jetzt aber auch an der Zeit, von diesen Figuren Abschied zu nehmen und neue Pfade zu betreten.
Men in Love von Irvine Welsh, 567 Seiten, erschienen bei Kunstmann.
