Die Besucher
Die Besucher von Marcus Kliewer entwickelt sich von leisem Unbehagen zu surrealem Horror, doch an Spannung mangelt es komischerweise dennoch.
Diese Besucher wirst du nicht mehr los
Eve und ihre Lebensgefährtin Charlie renovieren alte Häuser und verkaufen sie für mehr Geld weiter. So auch der Plan bei dem alten Haus in 3709 Heritage Lane. Es steht in einer abgelegenen Gegend in Oregon und war ein echtes Schnäppchen. Als eines Abends eine Familie vor ihrer Haustür steht, ändert sich alles. Thomas möchte seiner Familie kurz das Haus zeigen, in dem er aufgewachsen ist. Eve lässt die Familie hinein. Bald darauf versteckt sich die kleine Tochter und das Haus scheint sich wie von selbst zu verändern. Der Beginn eines Albtraums, der die Grenzen der Realität verwischt.
In Die Besucher baut Marcus Kliewer den Horror sehr langsam, aber stetig auf. Es fängt mit einem leichten Unwohlsein und leisen Unbehagen an, fast subtil schleicht es sich in die Geschichte ein. Im Verlauf wird es immer intensiver. Es wächst sich zu einem wahren Albtraum aus, der die Realität und Perspektive der Protagonistin zunehmend in Frage stellt. Untermauert wird die Geschichte von eingestreuten Dokumenten als kurze Zwischenkapitel. Sie untermauern und vertiefen den Horror. Gelingt über weite Teile sehr gut.
Das Fenster ging zum Wald hinaus, ein klaustrophobischer Ausblick – die Kiefern standen so dicht, dass es sich anfühlte, als würden sie hineinspähen, dich ausspionieren.
Es fängt also alles ganz vielversprechend an. Und man muss sagen, Kliewer gelingt es eine beklemmende Atmosphäre und überaus unheimliche Momente zu kreieren. Am Horror mangelt es Die Besucher jedenfalls nicht. Das Problem ist vielmehr, dass sich trotz allem keine wirkliche Spannung aufbaut. Der Roman plätschert vor sich hin, alle Figuren bleiben relativ uninteressant und eindimensional, es gibt zahlreiche unnötige Längen und am Ende ist man in etwa so schlau wie am Anfang.
Die Besucher von Marcus Kliewer, 400 Seiten, erschienen im Goldmann Verlag.
