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Prometheus – Dunkle Zeichen

6
Sci-Fi Thriller

Ganze 33 Jahre hat es gedauert, bis Regisseur Sir Ridley Scott mit “Prometheus” erneut einen Science-Fiction Film veröffentlicht, der zudem noch bleibenden Eindruck hinterlassen soll. Doch die eigene Messlatte liegt dank qualitativ unerreichter Genre-Klassiker wie “Blade Runner” und “Alien” bekanntlich ziemlich hoch…

Als visionärer Filmemacher und Perfektionist sondergleichen hat sich der heute 74jährige Brite mit den erwähnten futuristischen Meisterwerken einen Namen gemacht. Nach einigen mehr (“American Gangster”, “Gladiator”) oder weniger („Body of Lies“, „Robin Hood“) erfolgreichen Ausflügen in unterschiedlichsten Genres kehrt der Altmeister nun quasi zu seinen Wurzeln zurück: “Prometheus” nennt sich die lang erwartete Produktion und stellt eine dunkle und philosophisch beladene Suche nach Antworten in einer entfernten Zukunft dar.

Lange Zeite wurde der Film als Prequel zu den mittlerweile vier “Alien”-Teilen gehandelt, deren Beginn bekanntlich Scotts 1979 veröffentlichter, gleichnamiger Horror-Thriller mit Sigourney Weaver in der Hauptrolle etablierte. Trotz diverser Dementi seitens des Regisseures und der Produktionbeteiligten, das es sich hierbei dezidiert nicht um eine Vorgeschichte zu jenem stilbildenden Meisterwerk handeln soll, lassen sich problemlos Parallelen zum “Alien”-Universum herauszeichnen, deren bloße Existenz bzw. Integration in “Prometheus” nachdenklich stimmen.

Ein bis ins kleinste Details perfektioniertes Effektspektakel im Weltraum mit einer besonders prägnant in Szene gesetzten weiblichen Protagonistin; ein zwielichtiger, profit-orientierter und von dubiosen Interessen getriebener Megakonzern (der zudem noch “Weyland Industries” benannt wurde) und ein kühl kalkulierender, gnadenlos analytischer Androide mit ironischem Unterton lässt so manchen Skeptiker auf einen kreativen Durchhänger im Ideenfundus der Drehbuchautoren schließen.


Mit nicht minder weitreichenden Fragestellungen wie “Woher kommen wir” und “Wer oder Was hat uns zu welchem Zweck erschaffen” führt Ridley Scott den Zuseher in die Welt von “Prometheus” ein. Auf der Suche nach Anworten auf jene existenziellen (und hier vermeintlich komplexen) Fragen findet sich eine Bordbesatzung aus – wie könnte es auch anders sein – bunt zusammengewürfelten, illustren Charakteren zusammen, die dank der finanziellen Unterstützung der Weyland Corporation und mithilfe deren “Prometheus” getauften Raumschiffes einen Planeten in einer weit entfernten Sternenkonstellation ansteuern. Doch nicht nur die Anfänge des menschlichen Lebens erwartet die Crew auf der Oberfläche, sondern auch ein grauenhaftes Mysterium, dessen Aufdeckung das Schicksal der Menschheit bestimmen wird…

Es dürfte vermutlich sogar einen so erfahrenen Regisseur wie Ridley Scott schwer fallen, die Erwartungen seiner Fans und jener der Science-Fiction-Anhänger gleichermaßen zufrieden zustellen, denn auch heute noch wird “Alien” als Maßstab in jenem Genre herangezogen. Glücklicherweise hat Scott jedoch die Erfahrung und das Budget, um damit fertig zu werden: Schon in den einleitenden Minuten wird klar, das auch bei “Prometheus” viel Wert auf eindrucksvolles Setting, gekonnte Kameraarbeit und opulentes Production Design gelegt wurde.

Die Riege der teils hochkarätigen Besetzung unterstreicht obendrein das Gespür des Regisseurs: Noomi Rapace, die Lisbeth Salander der schwedischen Millenium-Trilogie, übernimmt den Part der intelligenten, schlagkräftigen Hauptrolle, Idris Elba als Weltraum-Jockey Janek würde auch auf der Nostromo gut aufgehoben sein, Charlize Theron als unterkühlte Weyland-Führungskraft erinnert frappant an die enigmatischen Replikanten aus “Blade Runner” und der zu recht gelobte Michael Fassbender hinterlässt mit seiner Darstellung als Androide David mehr als einen bleibenden Eindruck.

Trotz jener nahezu perfekten Besetzung, einer niemals überladenen, unglaubwürdig futuristisch wirkenden Ausstattung und durchgehend grandioser Spezial-Effekte (auch die 3D-Effekte blenden nicht) tritt recht bald spürbare Ernüchterung ein. Hinter all den virtuos Raumanzügen, in all den beklemmend düsteren Bauwerken oder eindringlich gestalteten Unterkünften der Prometheus befinden sich auffallend eindimensionale, Klischee-behaftete Charaktere, denen es sowohl an Tiefe als auch Innovation mangelt. Kein Mitglied der Besatzung entwickelt sich Story-bedingt weiter oder offenbart Überraschungen, auch das schon fast slapstickhafte, begriffstutzige, kaum nachvollziehbare Verhalten der erfahrenen Geo-, Archäo- und Biologen überzeugt kaum.

Ähnlich unbeholfen entwickelt sich die Story selbst: Scott etabliert im ersten Drittel des Films eine spannende Ausgangslage mit einigen interessanten, fast provokativen Ideen, die er jedoch mit fortlaufender Handlungsdauer geradezu fahrlässig über Bord wirft. Anders als in “Alien”, in dem Suspence zu großen Teilen über die Bedrohung aus der Finsternis und Totenstille in beengten Platzverhältnissen aufgebaut wurde, offenbart “Prometheus” gerade in den finalen Sequenzen einen Fokus auf Standard-Blockbuster-Action ohne sonderlichen Anspruch oder Ideenreichtum.

Trotz gravierender Mängel in den Bereichen Story und Charaktere bleibt “Prometheus” dennoch ein vor allem technisch sowie inszenatorisch eindrucksvoller Sci-Fi-Thriller, den vor allem Michael Fassbender-Fans sicherlich goutieren werden. Ridley Scott-Sympathisanten, die sich ein brillantes, nachhaltiges Kunstwerk von einem der Ikonen des Genres erhofft haben, dürften einigermaßen enttäuscht werden.

Regie: Ridley Scott, Drehbuch: Jon Spaihts, Damon Lindelof, Darsteller: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Guy Pearce, Idris Elba, Logan Marshall-Green, Charlize Theron, Laufzeit: 124 Minuten, Kinostart: 10.08.2012