Wilde Jagd (c) 2025 Laird Barron Jojomedia Verlag(2)

Wilde Jagd

In Wilde Jagd erzählt Laird Barron in lose miteinander verknüpften Geschichten von Aussteigern und Außenseitern in Alaska und dem Schrecken, der dort auf sie lauert.

Archaische Geschichten

Die Geschichten in Wilde Jagd spielen mehr oder weniger in der gleichen Gegend in Alaska. Jessica Mace ist die Protagonistin in gleich mehreren davon. Sie ist eine hartgesottene Anti-Heldin, die nicht nur mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat, sondern mit der man sich auch nicht anlegen sollte. Eines steht fest: Jessica hat es ordentlich drauf und legt sich sogar mit dem Übernatürlichen an, wenn es ihr in die Quere kommt. Aber obwohl die Geschichten zumindest über die Figuren miteinander lose verbunden sind, steht jede Story für sich und ist in sich geschlossen. Was nicht unbedingt bedeutet, dass am Ende stets alles geklärt wird.

Laird Barron scheint gefallen daran zu haben, seine Leser manchmal am Schluss in der Luft hängen zu lassen. Allerdings wirkt es richtig, weil sich seine Figuren und deren Schicksale so lebendig anfühlen, dass man sich gut vorstellen kann, wie sie auch nach dem Ende einer Geschichte weiter existieren. Die Welt, die Barron entwirft, ist eine durchwegs archaische. Es geht ums nackte Überleben, doch das nicht immer in der Wildnis, sondern oftmals auch in der vermeintlich zivilisierten Welt. Nicht selten sind die Mitmenschen die wahren Feinde und Monster. Barron versteht es, die reale Welt mit dem Phantastischen zu mischen. Ganz nahtlos und subtil gleitet das eine in das andere hinüber.

Flammen lodern aus den Fenstern der oberen Stockwerke, ausgepeitscht vom Wind. Schreiben bersten. Feuer, Rauch und herumwehender Schnee wabern in der Dunkelheit. Das entfernte Heulen ist entweder das Schreien der Verdammten, die im Penthouse geröstet werden, oder das Geräusch des Metalls, das wie Styropor zusammenschmelzen, wenn das Inferno es zu Asche verbrennt. Oder beides.

Es liegt viel daran, dass Barron seine Geschichten mit viel Authentizität anreichert, damit selbst das Leben eines Zombies, der an seinem Mörder und seiner Frau Rache nehmen will, nicht lächerlich wirkt, sondern vollkommen glaubwürdig. Wilde Jagd glänzt zudem durch Barrons gekonnten Stil. Seine Mischung aus Pulp-, Noir- und Horror-Elementen, manchmal mit Sci-Fi und kosmischen Schrecken, macht die hier versammelten Kurzgeschichten einzigartig. Gleichzeitig beherrscht er es, literarisch anspruchsvoll zu schreiben und steht damit in einer Tradition mit Autoren wie Stephen Graham Jones oder Paul Tremblay (der hier auch das Vorwort  verfasst hat). Wilde Jagd lohnt sich auf jeden Fall und wird aufgeschlossene Leser mitreißen und in ihren Bann ziehen.

Wilde Jagd von Laird Barron, 400 Seiten, erschienen im Jojomedia Verlag.

Wilde Jagd

Wilde Jagd (c) 2025 Laird Barron Jojomedia Verlag




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