Der Freund
Die gute Freida McFadden hat aktuell nicht nur einen Lauf – die Verfilmung von ihrem Megabestseller The Housemaid startet – sie ist auch äußerst produktiv. Der Freund ist die neueste deutschsprachige Veröffentlichung. Wie Der Lehrer erschien dieser Roman 2024 in den USA und ist nun auch in Übersetzung bei uns gelandet.
Let’s Twist again
Bei Der Freund bekommen wir zwei Handlungsverläufe parallel erzählt. In der Gegenwart folgen wir Sydney, einer Mittdreißigerin, und ihrer Suche nach Mr. Right. Nach einigen Anläufen scheint sie mit dem Arzt Tom den richtigen Kandidaten gefunden zu haben. Blöderweise wird sie aber auch noch von einem unheimlichen Typen gestalkt, mit dem sie mal ein schlechtes Date hatte. Und dann wird auch noch eine ihrer besten Freundinnen ermordet.
In der Vergangenheit begegnen wir dem Teenager Tom, der schon immer für Daisy schwärmt. Aber dieser jungen unschuldigen Liebe stehen gleich mehrere Probleme im Weg: Eifersüchtige Freunde, Toms gewalttätiger Alkoholiker-Vater, und auch hier ein Mord im näheren Umkreis.
Wie kommen diese beiden Geschichten zusammen. Und ist Tom der wahre Täter in beiden Zeiten?
McFadden Autopilot
Freida McFadden, im Übrigen das Pseudonym einer 1980 geborenen New Yorkerin, schreibt spannende Unterhaltungskost mit den erwartbaren Twists in der Handlung. So sicher die sind, so überraschend ist die Auflösung ihrer Bücher dennoch. Selbst wenn man längst weiß und erwartet, dass da irgendwas ganz anders sein wird als ursprünglich angenommen, schafft es McFadden dennoch stets zu überraschen.
Ich habe vielleicht kein Glück in der Liebe, aber zumindest kann ich Toiletten reparieren.
Dass ihre Romane dabei nicht immer unbedingt psychologisch tiefgründige Kost sind, auch darüber haben wir schon des Öfteren berichtet. Aber bisher war noch jeder McFadden-Roman ein Pageturner. Der Freund ist da tatsächlich zum ersten Mal ein wenig anders. Oder sagen wir es mal ruhig direkt: Dieses Werk ist ein wenig schwächer als die meisten seiner Vorgänger.
Vielleicht kennt man ihre Masche nun einfach schon zu gut. Vielleicht ist die Story einfach nicht so mitreißend. Der Freund schleppt sich jedenfalls besonders in der ersten Hälfte ganz schön dahin. Man wähnt das Mystery auch schon längst aufgeklärt und fragt sich, wie lange sich das denn noch hinziehen soll. Doch dann … Dann pfeffert einem die Autorin wieder einen finalen Twist hin, den man einfach nicht kommen gesehen hat. Und der ist leider schon wieder richtig gut!
Insofern entwickelt sich Freida McFadden immer mehr zur Gimmick-Autorin. Sie erzählt einem einen Witz, den man längst zu kennen glaubt und schafft es trotzdem immer wieder, die Pointe so gut zu platzieren, dass man anerkennend lachen muss. Vielleicht sollte sich die Gute trotzdem mal eine kleine Auszeit gönnen. Niemand verlangt von ihr, dass sie 2-3 neue Romane pro Jahr raushaut. Lieber mal wieder ein bisschen mehr in den Plot investieren, und nicht nur ins Finale – auch wenn dieses bei Der Freund schon wieder furios war.
Der Freund von Freida McFadden, 398 Seiten, erschienen im Heyne Verlag.
