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Rewind: Monster Hunter

Wer hätte 2004 mit dem Release des ersten Teils von Monster Hunter gedacht, dass daraus einmal eines der großen Zugpferde Capcoms wird? 21 Millionen verkaufte Exemplare später lässt die Serie aber keinen Zweifel mehr daran, dass sie auf dem Videospiel-Markt ein Wörtchen mitzureden hat. Doch Moment, Monster Hunter? Ist das überhaupt ein Begriff?

Falls nicht, mag das daran liegen, dass der Erfolg der Serie beinahe ausschließlich in Japan zu finden ist – denn bei uns ist die online-basierte Action-Reihe bestenfalls eine Randerscheinung. Das macht aus den Spielen ein interessantes Phänomen, das wir uns vor dem Release von Monster Hunter 3 Ultimate Ende März näher ansehen wollen. Ursprünglich erschienen auf der Playstation 2, war das Ziel von Monster Hunter, den Spielern die Jagd auf furchteinflößende Bestien zu ermöglichen – und zwar online, zusammen mit Freunden. 2004 war ein Jahr, in dem ein heimischer PC-Spieler noch über das Online-Angebot der diversen Konsolen müde lächeln konnte, aber besonders in Japan, wo dieser Markt sich völlig anders entwickelt hat als bei uns, war das eine sehr innovative Angelegenheit. Denn immerhin: Das Spiel ist kein einfaches RPG, sondern ein ausgereifter Action-Titel. Nachdem man sich in Japan aber einfacher und öfters zum Spielen im kleinen Kreis zusammensetzt, hatten Online-Spiele nicht die selbe Vormachtstellung wie im Westen – so lässt sich erklären, weshalb der richtige Durchbruch primär durch die Portierungen auf Sonys Playstation Portable (PSP) erfolgte: Spieler konnten sich treffen und gemeinsam per lokaler AdHoc-Verbindung auf Monsterjagd gehen.


Nach zwei Spielen auf der PS2 und diversen PSP-Ablegern warteten die Fans gebannt auf eine neue PS3-Version in prächtigem HD. Es war also eine große Überraschung, als MH Tri, der dritte Ableger der Reihe, offiziell für Nintendos Wii angekündigt wurde. Vermutlich gelang Nintendo dieser Fang mit einem Köder, der auch bei der Dragon Quest Reihe bereits Wirkung gezeigt hat: Nintendo sicherte Capcom zu dafür zu sorgen, dass aus Monster Hunter auch im Westen, wo die Verkaufszahlen recht überschaubar blieben, ein Erfolg wird. Ein weiterer Faktor ist zudem das die Entwicklung für eine „einfachere“ Konsole wie die Wii schlichtweg um ein vielfaches günstiger und damit auch in Hinblick auf einen westlichen Release das finanzielle Risiko nicht so groß war. Und so kommt es, dass Nintendo Monster Hunter 3 Ultimate sowohl für den 3DS und die Wii U vertreibt und darüber hinaus Monster Hunter 4 auch noch als exklusiver 3DS Titel angekündigt ist.

Doch was ist überhaupt an dieser Serie dran? Tatsächlich reicht ein kurzer Blick auf einen Monster Hunter Titel nicht aus, um den großen Erfolg zu verstehen. Begrüßt wird ein Spieler von einem furchtbaren Interface: Jahrelang angesammelte  Massen an Features und Erweiterungen brechen praktisch ohne Erklärung über den Spieler herein. Die Spielwelt wirkt uninspiriert, trocken und völlig leblos – denn die Handlung der Spiele beschränkt sich auf „Gehe zu Punkt B und erledige Quest X“. Darüber hinaus steuert sich die Figur hölzern und unintuitiv, der erste Eindruck ist unumgänglich – eine Katastrophe.

Es ist also gar nicht einfach den Reiz der Serie zu beschreiben. Das Besondere an Monster Hunter ist die Art und Weise, mit der der Spieler mit dem Thema Jagd konfrontiert wird. Ein Monster ist hier ein ernst zunehmender Gegner. Einfach auf eine der mächtigen Bestien zuzulaufen und drauf los zu hacken ist praktisch wirkungslos. Stattdessen ist es notwendig, sich intensiv mit seiner Beute auseinanderzusetzen. Der Spieler muss das facettenreiche Verhalten der Dinosaurier-artigen Tiere verstehen – das inkludiert mitunter auch weitere Arten, die das selbe Habitat bewohnen. Nicht nur die Bewegungsabläufe der Kreaturen müssen studiert werden: Ein aufmerksamer Jäger hat bald herausgefunden, wo das Tier Nahrung konsumiert, wohin es sich zurückzieht wenn es flieht, oder schläft und wie es sich in Kombination mit anderen Monstern verhält. Man muss es verstehen, diese Informationen gezielt zu verwenden, um die klare Überlegenheit der teilweise gigantischen Gegner wieder umzudrehen.


Doch damit ist das „Studium“ noch nicht vorbei, denn ein effizienter Jäger muss sich auch mit den Werkzeugen auseinandersetzen, die ihm zur Verfügung stehen. Zahlreiche Waffenarten – eine in der Handhabung unterschiedlicher als die andere – wollen auf ihre Wirkung erprobt werden. Fallen, Köder, Markierungen, Status-Items, alle Hilfsmittel müssen erlernt werden, um sie dann genau im richtigen Moment einsetzen zu können. Man sieht bereits: Sich in Monster Hunter einzuarbeiten braucht Geduld. Wenn ein Spieler aber erst einmal seine Möglichkeiten erlernt hat, erwartet ihn ein recht einzigartiges Erlebnis. Der Kampf mit einem Monster kann bis zu einer Stunde dauern, sich über mehrere Spielfelder erstrecken, die Oberhand kann sich im Laufe dieser Zeit mehrmals umkehren. Und so besteht der Spielablauf für den eingelernten Spieler aus einer schier endlosen Reihe an aufregenden Bosskämpfen. Dazu gesellt sich dann noch der Online-Faktor, denn das ausgeklügelte System verhilft einem koordinierten Team zu einem klaren Vorteil. Das Ziel dabei sind die seltenen Items, die beim Ausnehmen des erlegten Biester entdeckt werden. Wer davon genug ansammelt, kann neue Ausrüstung schmieden und so noch mächtigere Monster, die in der Wildnis warten, in Angriff nehmen.

Ein großer Schandfleck in der Geschichte ist jedenfalls die Handhabung der Online-Komponente: Nach zwei Jahren ist hier meist Schluss. Die Server werden abgedreht und es ist nicht mehr möglich zu spielen, denn für Einzelspieler ist das Erlebnis sehr abgespeckt und unnötig frustrierend. Und so ist auch bereits bekannt dass am 30. April die Online-Server der aktuellen Wii-Version bereits wieder offline gehen und das Spiel in der Versenkung verschwindet (unsere Meinung zu der Thematik ist hier zu finden). Mit dem Release von Monster Hunter 3 Ultimate startet aber bereits ein erneuter Versuch, die Reihe einem westlichen Publikum näher zu bringen. Es wird sich zeigen, ob das diesmal funktioniert!