The-Dark-Knight-Rises-©-2012-Warner-Bros

The Dark Knight Rises oder die Faulheit der Filmemacher einen guten Film zu machen

Der Hype um The Dark Knight Rises (zur Kritik) war so groß, dass sich die Filmemacher nicht die Mühe machen mussten, einen wirklich guten Film zu drehen. Es war absehbar, dass ihn sich ohnehin alle Fans des ersten und zweiten Teils im Kino anschauen werden, unabhängig davon, welcher Blödsinn hier verzapft wird.

Immer öfter kommt es vor, dass ein Film mehr von seinem Hype und seiner geschickten Vermarktung lebt, als vielmehr von seiner eigentlichen Qualität. Denn bei genauer Betrachtung muss einem einfach die dreiste Faulheit der Macher auffallen, mit dem sie versuchen die Zuschauer über den Tisch zu ziehen. Aber wir sind viel zu oft geblendet von Werbung, Trailer, Teasern und Teaser zu Trailern, die uns viel versprechen und uns den Mund wässrig machen. Spielt es da noch eine Rolle, wenn das fertige Produkt nicht nur hinter den Erwartungen zurück bleibt, sondern ein so offensichtlicher Verrat an der Intelligenz und Aufnahmefähigkeit des Publikums ist, dass man sogar das Vakuum am Ticketschalter akzeptiert, mit dem sie uns direkt das Geld aus den Taschen saugen? Ach ja, wer geht bei nichtgefallen eines Streifens wirklich aus dem Kino? Und wer ist überhaupt so unverschämt und würde dann sein Geld zurück verlangen?

Es ist frustrierend, wenn man sich auf einen Film freut und er dann enttäuschend ist. Aber noch schlimmer ist es, wenn die Faulheit der Filmemacher, sich auch nur einen Funken Mühe zu geben, einen guten Film zu machen, so offensichtlich zu Tage tritt, dass man sich fühlt, als hätte man sich vor versammeltem Publikum in die Hose gemacht. Man schämt sich so sehr dafür, diesen Film gesehen zu haben, dass man sich selbst und im Falle der Filmkritiker seine Leserschaft lieber belügt, anstatt zuzugeben, dass der Film schlichtweg eine Beleidigung jedes Fans und Kinozuschauers darstellt und man eigentlich als Zuschauer Geld bekommen müsste, um so ein Werk zu sehen, behauptet man lieber, dass der Film grandios ist.


Aber ist nicht genau das, eine der Aufgaben eines Filmkritikers (oder jeden Kritikers)? Nicht nur das Publikum auf das Werk vorzubereiten (egal ob im positiven oder negativen Sinn), sondern auch die Macher hinter den Kulissen zu kritisieren, herauszufordern und nach mehr Sorgfalt und Qualität verlangen. Es ist zu verzeihen, wenn unbekanntere oder weniger erfolgreiche Filmemacher unter dem Joch der Geldgeber leiden, die ihre Filme finanzieren und dann zu Kompromissen gezwungen werden. Aber wenn Christopher Nolan, der dank seines Erfolges, jede nur erdenkliche Freiheit besitzt einen Film auf seine Art und Weise zu machen, sein Publikum dann mit einem derart unlogischen und schlecht durchdachten Werk konfrontiert, muss man (vor allem als Kritiker) darauf hinweisen.

Es gibt im speziellen drei grobe, nachlässige Fehler, die The Dark Knight Rises zum scheitern verurteilen und gleichzeitig die Faulheit Christopher Nolans etwas besseres zu machen entlarven:

1. Die Heilung einer Querschnittslähmung indem man den Wirbel einfach mit einem festen Fausthieb wieder in die richtige Position bringt. Vielleicht sollte man sich dieses Rezept patentieren lassen und in Zukunft als Heilpraktiker auftreten.

2. Ein Gefängnis mit einem offensichtlichen Fluchtweg zu konstruieren, aus dem, sobald es einer einmal geschafft hat zu entkommen, jeder entkommen kann, indem man einfach ein Seil runter schmeißt, an dem alle gemütlich nach oben klettern können.

3. Bane ist als Bösewicht viel zu mächtig und stark konzipiert, als dass es Batman am Ende gelingen würde, ihn nach einer lächerlichen Rocky-Trainingssequenz zu besiegen. Ja, er beschädigt zwar seine Maske, aber auch im ersten Kampf hat er mehrmals mit voller Wucht auf die Maske geschlagen und es ist nichts passiert. Hat Bane vergessen sie zur Wartung zu bringen?

Das sind nicht die einzigen unglaubwürdigen Aspekte in The Dark Knight Rises, es gibt noch mehr. Bis zu einem gewissen Grad ist es nicht schlimm, ein gewisses Maß kann man verkraften und akzeptieren, doch manches sprengt einfach den Rahmen. Vor allem mit der finalen Konfrontation zwischen Batman und Bane hätte sich Nolan mehr Mühe geben müssen, das funktioniert so einfach nicht und beweißt, dass wenn der Hype und das Marketingkapital groß genug sind, es ohnehin keine Rolle spielt, welchen Blödsinn ein Filmemacher verzapft, ein finanzieller Erfolg ist vorprogrammiert. Zum Glück sind wir nicht zu faul, um für ihre Filme Geld auszugeben.




  • Martina Z

    Ich finde ja, Christopher Nolan ist ein Fall für sich. Er wird halt gehypt. Obwohl er kein aufmerksamer Filmemacher ist, keiner, der Wert auf Details oder Stimmigkeit legt. Seine Filme haben immer so einen seltsamen Beigeschmack, dieses „so tun, als ob“ oder „ein bisschen da, ein bisschen dort“. Immer so gute Ausgangspunkte und dann endet es in einer Mischung aus Psychotherapie und Esoterik vom Stammtisch, oder so.
    Ich denke, solche Filme sagen vor allem etwas über die Filmemacher aus. Ich meine, was ist denn das für ein Filmemacher, der so oberflächlich arbeitet bzw. sich damit begnügt. Welche Ambitionen hat so jemand? Welchen Anspruch an die eigene Arbeit? Was will er vom Publikum? Auch wenn manche Hollywood-Richtlinien es so auslegen, es gibt an sich kein dummes Publikum, denn zuerst kommt der Film: Dumme Filme produzieren ein dummes Publikum. Die Leute geben sich nur leider lieber mit etwas Schlechtem zufrieden, als Hobbit, Batman & Co. gar nicht zu sehen, auch wenn es eine miese oder auch die gefühlte hunderttausendste Verfilmung ist. Im Endeffekt nehmen sie es eh nicht so wahr, sind ja nicht umsonst Fans, das hat Einfluss auf die Wahrnehmung (ich meine das nicht abwertend).

    Übrigens hätte ich zu deinen Kritikpunkten in Sachen „The Dark Knight Rises“ noch viele zu ergänzen, so viele, dass ich mich 1. geärgert und 2. gelangweilt habe, und 3. war es schmerzvoll Christian Bale so zu sehen.

    • Marco

      Ja, also im Grunde kann ich dir da nur recht geben.

      Vor allem was die interessanten Ausgangspunkte betrifft, finde ich es dann besonders schade. Denn eigentlich sind die Ideen seiner Filme und seine Ansatzpunkte meist sehr vielversprechend, nur bei der Umsetzung haperts dann immer. Gerade deswegen finde ich es dann umso ärgerlicher, weil ich mir denke, wenn er die Idee gestaltet und als Produzent fungiert, das Projekt dann aber von talentierteren Autoren & Regisseuren umsetzen lässt, hätte man als Zuschauer mehr davon.

      Die Frage, die sich mir da immer stellt: Sind die Filme, die wir zu sehen bekommen, wirklich das Beste an Material, Ideen und Drehbüchern, die den Machern zur Verfügung stehen?

      Wenn seine Ambition einfach nur wäre Filme zu machen, die viel Geld einspielen (Emmerich, Bay, etc.), dann ist das ja auch legitim und wäre gar kein Problem, aber warum will er mehr sein, wenn er das offensichtlich nicht ist? Und vor allem, warum sehen dann auch alle mehr in seinen Filmen, als da ist. Liegt das wirklich nur am Hype?
      Und was die Liste der Kritikpunkte betrifft: die ist natürlich nicht komplett 😉

    • Martina Z

      Was mich an seinen Filmen stört, ist, dass man nicht mitdenken darf, nicht darüber nachdenken, was man da gerade sieht, was vorher war, wie alles zusammenhängt, sonst ist man verloren, dann gerät alles aus den Fugen, zerbricht alles in Einzelteile. Vielleicht ist das für manche auch beeindruckend, eine Art Thrill über die Bodenlosigkeit seines assoziativen Schwadronierens an der Oberfläche. Doch dafür müssten sie es zuerst wahrnehmen.

      Das Erzählen und Konstruieren ist nie tiefgründig. Aber Nolan hat immer einen Gedanken, auf dem er alles aufhängt, drumherumbaut, reinbiegt oder -quetscht, wenn es sein muss. Und den mögen die Leute. Dass eigentlich der Rest seines Films dieser herausragenden Idee absolut nicht gerecht wird, stört anscheinend niemanden, nicht mal ihn selbst. Andere würden das als Scheitern bezeichnen. Aber seine Ambition scheint es dann aber doch zu sein, viel Geld zu machen, nur eben mit seiner Art von Filmen. Wenn es ihm um die Filme oder das Handwerk gehen würde, hätte gerade The Dark Knight Rises anders ausfallen müssen. Aber seine Filme kommen beim Publikum auch so an… Dass so viele mitreden, dass das Ergebnis darunter leidet oder sein Handlungsspielraum von anderen so stark eingeschränkt wird, glaube ich nicht.

    • Marco

      nein, ich glaub auch nicht, dass beim Nolan so viele mitreden, dass das Ergebnis darunter leidet. Gerade das find ich ja so vielsagend bei ihm. Bei anderen Filmemachern kann das ja durchaus ein Grund sein, warum ein Film nicht so ganz funktioniert, zu viele, die sich eigentlich nicht damit auskennen, reden mit und haben die Macht Änderungen vorzunehmen. Bei Nolan ist das eben nicht der fall und trotzdem sind die Filme so wie sie sind. Das sagt viel über ihn als Regisseur & Drehbuchautor.

    • Martina Z

      tja, da hast du wohl recht. was plant nolan denn eigentlich als nächstes?

    • Marco

      noch nichts konkretes, aber hat das Gerücht gegeben, dass er einen Sci-Fi Film über Zeitreisen machen will. Sicher wieder eine komplizierte Handlung, mit banalen Figuren und Themen 😉

  • Chris

    Stimme zu – ABER beim genannten Beispiel finde die Kritikpunkte im Sinne der ganzen Erzählung vernachlässigbar. Das das Drehbuch geschludert und wenig hinterfragend umgesetzt wurde, steht außer Frage, den Film selbst hat es jetzt nicht so sehr geschadet – meiner Meinung zufolge. Ich hab mich zumindest nicht gelangweilt. Sieht man sich wirklich miese Produktionen wie Safe House, The Expendables 2, Wrath of the Titants oder Haywire an (nur um ein paar des vergangenen Jahres aufzuzählen) an, so steht The Dark Knight Rises auch in Sachen erzählerischer Komponente immer noch hervorragend da. Aber es stimmt schon: Blockbuster werden augenscheinlich immer dümmer (und spektakulärer), die restlichen Produktionen versuchen dann angesichts des Erfolges nachzuziehen (vermutlich). Eine handvoll Idealisten und Provokateure bleiben übrig. Man wird sehen wie das neue Jahr verlaufen wird.

    • Marco

      Ich würde nicht sagen zu vernachlässigen, denn wenn die Glaubwürdigkeit darunter leidet, dann stört das doch trotzdem den Film und die Erzählweise. Ich würde eher sagen, man aktzeptiert es, man sieht darüber hinweg.

      Schon richtig, dass es Punkte gibt, die man vernachlässigen kann, die man als Gegebenheit hinnimmt und so akzeptiert (z.B: wie Bruce wieder zurück nach Gotham gekommen ist?). Das sind zwar kleinere Lücken und Logikfehler, die kann man aber übersehen, wenn die Gesamterzählung passt (bei Citizen Kane und Chinatown gibt es sehr bekannte und gravierende Logikfehler, die bei genauer Betrachtung nicht funktionieren, aber da die Erzählung passt und gut gemacht ist, übersieht man es sogar). Aber manche Fehler (auch wenn ein Film ein Blockbuster ist und daher die Erwartung ohnehin geringer sein kann) kann man nicht verzeihen.

      Das Problem bzw. warum gerade The Dark Knight Rises in diesem Fall als Beispiel herhalten musste (und nicht The Expendables oder Wrath of the Titans oder unzählige andere Kandidaten) ist einfach deshalb, weil Nolans Batman Trilogie ja gerne vorgibt mehr zu sein und tiefsinniger zu sein, als sie im Endeffekt ist. The Dark Knight Rises will ja nicht „einfach nur“ Spektakelkino wie Iron Man, The Avengers, etc. sein, sondern mehr, Unterhaltungskino mit Anspruch, sehr lobenswert, sehr legitim, nur funktioniert es in diesem Fall nicht.

    • spinnwebwald

      Zu Satz 1. Vorausgesetzt man denkt… und denkt mit… Aber man kann es nicht akzeptieren, will es nicht akzeptieren, sieht nicht darüber hinweg.

      Außer man lässt sich vielleicht von einem Feuerspektakel, Gepänge und Handgreiflichkeiten ablenken. Das andere dann noch zu sehen fällt schwer. Hauptsache ein A. am Motorrad, der rasant durchs Bild flitzt und so etwas wie speed vermittelt.
      Entweder man schaut auf dies oder das. Vielleicht lässt sich das einfach nicht vereinbaren, welche Region im Hirn nun angesprochen wird oder nicht… Ein Subjektiv in der Zusammenstellung.
      Ich glaube, das Hauptproblem dieses Filmes ist das Marketing, sein Status und wie sehr man sich von so etwas beeinflussen lässt oder nicht. Denn eigentlich sollte es so sein: man darf und kann sagen, was man denkt!

    • Marco

      Absolut richtig, man darf und kann sagen, was man denkt.

      Aber andererseits glaub ich auch, dass man, gerade im Kino von dem ganzen Feuerspektakel, Gepänge und Handgreiflichkeiten (und Ärschen am Motorrad) schnell und leichter abgelenkt wird, als zum Beispiel wenn man einen Film zu Hause schaut. Spektakel hat schon seinen festen Platz im Kino, natürlich sollte es nicht auf Kosten des Inhalts geschehen, was leider immer wieder der Fall ist.

    • spinnwebwald

      Nein, nein, lieber Marco. Das hat bestimmt nichts mit dem Ort gemein – nicht allzu viel. Hirn ist weg, egal wo…

    • Marco

      nein, nein, lieber/liebe spinnwebwald, den ort darf man nicht unterschätzen. Im Kino wirkt alles beeindruckender, als es oft tatsächlich ist. Gerade im Kino, denk doch nur mal an nervende Zuschauer, wo du neben wem sitzt der dauernd redet oder ein handy klingelt, etc. Gleiches gilt dann auch für den Film an sich, da können Effekte schon mal blenden.

    • Martina Z

      das stimmt. das erlebnis im kino und das schauen von einem film zuhause können sehr unterschiedlich sein. allein der dunkle raum, die bild- und tonqualität und lautstärke im kino verstärken dramaturgische oder technische effekte und damit die emotionale wirkung. dafür entlarven sie aber auch schlechte bilder oder miese erzählungen sehr schnell.

      aber ich glaube nicht, dass dark knight rises-fans ihre begeisterung nach dem anschauen zuhause ins gegenteil umgekehrt haben. und ich glaube, das hirn ist nicht ausgeschaltet, sondern ist vielleicht genau darauf getrimmt, sowas zu mögen.

    • Marco

      richtig. schlechte sachen werden auch entlarvt … vor allem wenn im kino langweile aufkommt, der verstand abdriftet und sich nicht mehr von den effekten blenden lässt, wird ein wackeliges gerüst schnell enttarnt.

      das glaub ich auch nicht. fans mögen den film sicher trotzdem

    • spinnwebwald

      Tja. Da stimme ich zu ihr beiden. Und trotzdem bin ich festens überzeugt davon, dass vor allem Personen „leichten, seichten“ Gemüts auf diesen Schwindel Schein und Trug und Effekte hereinfallen. Schnapp. Wieso sollte man (weiter-)denken, wenn doch alles so toll (wahrgenommen) ist…

    • Marco

      da hast du sicher recht. aber so lange der Film ihnen dann wirklich Spaß macht, ist da ja auch nichts verwerflich dran. Schade ist es doch nur dann, wenn sie behaupten der Film ist wirklich gut und mehr hineininterpretieren als tatsächlich vorhanden ist (beim verlassen des Kinos damals nach Inception habe ich vor mir zwei Leute drüber reden gehört und haben „philosophiert“ darüber, dass wir ja selbst jetzt nicht wissen, ob wir real sind oder in einem Traum leben … soviel dazu 😉

    • Martina Z

      Ja, haha, es scheint fast, als wär das Motorrad nur dafür gemacht. Einmal geht ja noch, aber dann war es einfach nur peinlich.

  • Aornis

    Richtig…Dark Knight Rises, Hobbit- so fähige Regisseure lassen sich da entweder von Gier oder ihren Presseabteilungen klein machen.

    • Marco

      Ich finde es halt irgendwie schade, weil man meinen sollte, dass Nolan und Jackson eigentlich Einfluss genug hätte, um ihre Filme, trotz großem Budget, so zu machen, wie sie wollen und sie es sich vorstellen.

    • Chris

      Die Frage ist halt, ob Einfluss mit finanziellen Mitteln gleichzusetzen ist. Eine Abhängigkeit wird da aber leider immer bestehen, zumindest bei Projekten dieser Größenordnung (wenn man sich die kolportieren Budgets ansieht)

    • Marco

      vielleicht nicht gleichsetzen, aber je mehr Gelder Produzenten in einen Film stecken, desto mehr Risiko eines Verlusts, desto weniger Risiken werden beim Film an sich eingegangen. Die Devise lautet dann auf keinen Fall auch nur einen Zuschauer vergraulen, auf Nummer sicher gehen, es allen recht machen.

      Ich bezweifle, dass jemand wie Nolan oder Jackson sich sehr stark von den Geldgebern drein reden lassen bzw. die Geldgeber haben es gar nicht notwendig, weil sie ohnehin keine mutigen oder kontroversen filme machen, sondern ihre filme (vollkommen legitim) auf den massengeschmack abzielen. Da besteht gar nicht die gefahr, dass Produzenten sich großartig einmischen müssen.