Schläge
In Schläge erzählt Lidia Yuknavitch von Menschen, die sich gefangen fühlen, trauern und in Konflikt mit ihrem Körper stehen, und sie gibt gleichzeitig doch Grund zur Hoffnung.
Schläge des Schicksals
Eine talentierte, junge Schwimmerin muss flüchten und erblickt mit anderen Flüchtlingen in einem Rettungsboot treibend eine Küste. Ein Hausmeister sammelt Müll in einem Planetarium und baut sich daraus ein eigenes Refugium. Ein Mann muss lernen ohne Augen und Ehemann zu leben. Ein Boxer kämpft nach einem Schlaganfall um seine Genesung. Ehemalige Junkies versuchen andere zu retten. Trotz der Schicksalsschläge und Schmerzen, die den Figuren widerfahren sind, versuchen sie Sinn und Hoffnung in ihrem Dasein zu finden. Sie geben den Kampf nicht auf, egal welche Knüppel ihnen in den Weg gelegt werden.
In Schläge sammelt Lidia Yuknavitch eindringliche Erzählungen. Oft kurz und knapp und in ihrem präzisen Stil gehalten, der messerscharf ans Eingemachte geht. Manche der Erzählungen öffnen nur kurz ein Fenster in ein fremdes Leben. Plötzliche Anfänge und ein abruptes Ende kommen da schon vor. Dennoch hat man, dank dem Talent der Autorin, stets das Gefühl die Figuren intensiv und intim kennen gelernt zu haben. Und egal wie tiefgreifend und erschütternd manche der Geschichten sind, sie hinterlassen einen Hoffnungsschimmer. Bestimmt nicht zuletzt, weil man es als Leser den Protagonisten vergönnen würde.
Nachts wimmerten die anderen Kinder in dem staatlichen Krankenhaus wie kleine Tiere, weinten sich in den Schlaf, manche von ihnen waren von ihrer Familie mehr oder weniger im Stich gelassen worden. So ging es über viele Monate, während Anastasia genas.
Dennoch muss man sagen, dass die Kurzgeschichten in Schläge selten die Kraft und Originalität von Lidia Yuknavitchs Romane erreichen. Dafür lesen sich manche Geschichten zu willkürlich und wiederholend. Es erinnert immer wieder an etwas, das man in letzter Zeit viel zu oft als “starke Stimme” und “eindringlich” verkauft bekommt. Ändert nichts daran, dass Lidia Yuknavitch eine wirkliche großartige Autorin und Schläge durchaus lesenswert ist. Es heißt nur, dass ihre Romane sogar noch besser sind, als die hier versammelten Geschichten.
Schläge von Lidia Yuknavitch, 208 Seiten, erschienen bei btb.
