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Resident Evil Requiem

8
Survival-Horror

Die Zielsicherheit, mit der Capcom Resident Evil-Titel veröffentlicht, ist wirklich beispiellos. Neue Ableger und Remakes wechseln sich gegenseitig in einem gnadenlosen Takt ab, der eigentlich die Erwartung befeuert, dass da langsam mal was schiefgehen muss, aber mitnichten. Jeder Teil spielt selbstbewusst seine eigene Identität aus und die Reihe ist somit auch nach gefühlten 20 Ablegern ein Garant für gute Unterhaltung.

Resident Evil 9 – oder Requiem, wie es offiziell bezeichnet wird – ist der neueste Ableger. Die Stars der Stunde: FBI-Analystin und junges Greenhorn Grace sowie  Serien-Veteran Leon S. Kennedy. Dual-Protagonisten sind schon seit dem Erstlingswerk ein Markenzeichen der Reihe, doch dient das Feature zumeist dazu, die Spiellänge auszustopfen, ist es diesmal der zentrale dramaturgische Kern. Jeder Charakter hat praktisch seine eigene Kampagne, mit sehr unterschiedlichen Akzenten, aber beide überschneiden sich immer wieder und es entsteht ein sehr dynamischer Rhythmus, der das Geschehen vorantreibt.

Resident Evil Requiem mit zwei Charakteren, zwei Spielweisen

Das Geschehen von Resident Evil Requiem eröffnet Grace, eine junge FBI-Analystin, die eigentlich auf dem Feld nichts verloren hat. Durch ihre mysteriöse Verknüpfung zu der viralen Katastrophe von Raccoon City (die Kulisse der ersten Resident Evil-Teile, die nach einem Zombieausbruch mit einer nuklearen Explosion in Schutt und Asche gelegt wurde) landet Grace in einem gewohnt verwinkelten Sanatorium. Unbedarft und wehrlos kämpft sie um jedes einzelne Geschoss, während sie durch dunkle Winkel kriecht und grotesk mutierten Monstrositäten aus dem Weg geht. Das Gameplay von Grace wird für die Ego-Perspektive empfohlen und setzt somit zu 100 Prozent auf Atmosphäre. Jedes kleinste Detail ist verschwenderisch ausgearbeitet, wodurch sich Auge und Verstand voll und ganz auf die beklemmende Atmosphäre konzentrieren können.

Der Fokus liegt also, wie bei vielen Resident Evil-Szenarien, auf dem schrittweisen Erkunden eines verwinkelten Labyrinths, das langsam in Form von Schlüsseln und Puzzles wie eine Puzzle-Box geöffnet wird, bis man am Ende fliehen kann. Grace ist schwach, unerfahren und Flucht ist fast immer die beste Option, sodass eine sehr erdrückende Atmosphäre entsteht. Doch gerade wenn eine Ermüdung der Sinne einsetzt und alles zu berechenbar wird, spielt Resident Evil Requiem mit gekonnter Dramaturgie seine stärkste Karte aus.

Wenn Leon auf der Bühne erscheint, fetzt es. Zum Zeitpunkt von Requiem ist Leon nicht mehr der Rookie-Offizier, den man aus seinem Debüt kennt, er ist ein 50 Jahre alter Veteran, der alles gesehen hat und den nichts mehr erschüttert. Er verfügt über Kombo-Attacken, Ausweichmanöver, ein beachtliches Waffenarsenal, praktisch endlos Munition und vor allem die hard-boiled Einstellung eines trockenen Action-Helden, den wirklich nichts mehr schrecken kann. Während in anderen Horror-Spielen die verwundbaren Charaktere ihre Glaubwürdigkeit verspielen, wenn sie gefährliche Endgegner ohne Probleme aus dem Weg räumen, wird bei Requiem meistens einfach die Fackel an Leon abgegeben, sodass Grace als Charakter stets erhalten bleibt.

Raccoon Citys dunkles Erbe kehrt zurück

Zum Einsatz kommt Leon später in der postapokalyptischen Umgebung des ausgebombten Raccoon City, welche eine großartige Atmosphäre entfaltet. Leon kann sich relativ frei in der ganzen Stadt-Sektion bewegen, doch Leben gibt es hier schon lange nicht mehr. Die erdrückende Atmosphäre einer völlig leeren, vernichteten Stadt wird gekonnt ausgespielt, sodass, wenn eine Kreatur erscheint, das Geschehen wirklich einen Eindruck hinterlässt. Leon der Veteran schwingt seine taktische Axt durch Zombie-Massen, ohne auch nur einen Moment zu zögern, und repräsentiert die Action-Kampagnen der Serie. Wo Grace noch vor einem furchteinflößenden Boss-Gegner weglaufen muss, wird bei Leon einfach losgeballert, bis sich nichts mehr rührt.

Die besten Momente von Requiem sind das Spiel mit diesen Gegensätzen – wie der Rhythmus von Ein- und Ausatmen. Gegen Ende setzt der Titel dann aber vor allem auf Nostalgie. Charaktere, Gegner und Story-Aspekte des kultigen Resident Evil 2 werden im Minuten-Takt ausgespielt und Requiem geht damit ein wenig die eigene Identität verloren. Die neu etablierten Charaktere und Gegner geraten beinahe in Vergessenheit und man hat den Eindruck, es fehlt etwas.

Atmosphäre und Performance auf der Switch 2

Grafisch ist Resident Evil Requiem hochwertig umgesetzt. Sowohl Monster als auch Charaktere sind aufwendig animiert, alle Figuren glänzen mit großartigen Darstellungen, die dem ganzen Geschehen um Biowaffen und Zombie-Apokalypsen eine menschliche Note verleihen. Vor allem auf der Switch 2 darf man sich über eine großartige Umsetzung freuen. Aber: Ein Spiel, das auf der PS5 läuft, muss hier und da ein paar kleine Abstriche machen. Haare wirken nicht ganz so gut beleuchtet und Wasser-Effekte leiden merklich, aber die Performance ist grundsolide und so darf man seit langer Zeit erstmals einen aktuellen Action-Kracher am Launch-Tag auch auf einem Nintendo-System erleben. Ein besonderes Highlight ist der Soundtrack, der vor allem in Leons Ausflug in die nukleare Wüste zu einem denkwürdigen Ereignis macht.

Resident Evil Requiem-Fazit: Solides mit Nostalgie-Überhang

Alles in allem ist Resident Evil Requiem ein grundsolides Sequel. Es erfindet nichts Neues und kann vergangene Highlights wie Resident Evil 4 nicht im Hinblick auf Pacing oder Umfang übertrumpfen, allerdings gibt es auch nicht viel zu bemängeln. Wer mal wieder einen atmosphärischen Action-Titel sucht, kann hier nicht viel falsch machen.

Plattform: Switch 2 (Version getestet), PS5, PC, Xbox Series X/S, Spieler: 1, Altersfreigabe (PEGI): 18, Release: 27.02.2026, Link zur offiziellen Webseite




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