Leib
Leib ist Lias Sinram erste Graphic Novel Veröffentlichung. Die autobiografisch gefärbte Coming-of-Age Geschichte ist ein hervorragendes Beispiel für eine hochkonzentrierte, tiefschichtige Erzählung, die lange nachwirkt und gleichzeitig bestens unterhält.
Seele
Lisa ist zwölf Jahre alt und lebt in Berlin. Seit Jahren besucht sie, zusammen mit ihrer besten Freundin Lena, einen Turnverein. Doch plötzlich verändern sich Dinge, manche innerlich, manche äußerlich. Und Lisa stellt die verheißungsvolle Frage: Warum sind wir eigentlich befreundet? Nicht als Vorwurf, nicht als Provokation. Einfach nur als Interessensfrage: Wodurch entsteht unsere Gemeinschaft.
Die Antwort ist nicht leicht und das Band der Freundschaft scheint auch zunehmend weniger strapazierfähig als es zunächst den Anschein hatte. Es kommt zum Bruch zwischen den beiden. Letztlich kommt es dazu, dass Lena und Lisa bei einem Wettkampf gegeneinander antreten müssen.
Leise Töne, langes Echo
Lias Sinram begibt sich in diesem Debüt auf die Suche nach dem Kitt im Zwischenmenschlichen. Leib beschreibt exakt, wie es sich anfühlt, wenn – kindliche, aber nicht nur – Freundschaften auseinanderfallen. Der Schmerz, die stille Wut, das Unverständnis, das Kämpfen, das Aufgeben – von all dem erzählt Leib. Coming-of-Age Graphic Novels gibt’s inzwischen zu Hauf. So eine feingeistige wie Leib bekommt man jedoch selten kredenzt.
Lias Sinram Bilder, in schwarzweiß gehalten, erinnern in ihren besten Momenten ein wenig an Bastian Vives. Die graue Welt hätte vielleicht hier und da noch ein paar Schattierungen vertragen. Doch die Ausdrücke, in Gesichtern wie Körpern, tragen die Geschichte gut in die Ziellinie. Leib ist eine unaufdringliche und dennoch tiefgehende Geschichte. Die Bilder und Themen werden uns noch lange hinter den Buchdeckeln weiterbegleiten.
Leib von Lias Sinram, 224 Seiten, erschienen im Avant Verlag.
