Oscar Wilde – Die Comic-Biografie
Der berühmteste Dandy der Literaturgeschichte, Oscar Wilde, bekommt seine erste Comic-Biografie spendiert. Das ist nur folgerichtig – passt doch Wildes Leben wie Werk immer noch hervorragend in unsere Zeit. Besser jedenfalls als im viktorianischen England.
Genie und Größenwahn
Der Ire Oscar Wilde war Ende des 19. Jahrhunderts das Enfant Terrible der britischen High Society. Er gab sich nie mit Mittelmäßigkeit zufrieden. Nachdem er als scharfzüngiger Kritiker die Salons unsicher gemacht hatte, begann er selbst zu schreiben. In Constanze fand er eine loyale Partnerin und Ehefrau.
Seine wahre Leidenschaft galt jedoch – das weiß man heute – dem eigenen Geschlecht. Insbesondere eine Affäre mit dem jungen Alfred Douglas wurde ihm zum Verhängnis und brachte ihn ins Gefängnis. Nachdem er seine Zeit abgesessen hatte, brannte Wilde mit Douglas durch und starb verarmt kurz darauf in Paris. Sein Werk wurde unsterblich.
Oscar treibt’s bunt
Das italienische Duo Tommaso Vitiello (Text) und Licia Cascione (Zeichnungen) widmen sich der schillernden Figur in Oscar Wilde – Die Comic-Biografie. Wobei Biografie vielleicht ein etwas großer Begriff ist, denn es dreht sich hier vor allem um die letzten 20 Jahre des großen Schriftstellers.
Auf knapp 130 Seiten werden die wichtigsten und skandalträchtigsten Stationen von Wildes Leben nachgezeichnet. So entsteht ein Einblick in Kosmos und Grenzen der feinen britischen Gesellschaft zur Zeit des Fin de Siècle. Das ist eine flotte, unterhaltsame Lektüre, die auf die große Geste verzichtet – was in einem seltsamen Kontrast zum Leben der schillernden Figur Wildes steht.
Das macht Oscar Wilde – Die Comic-Biografie zu einer etwas biederen Angelegenheit. Aber gerade für junge Leser:innen, die bisher wenig Berührungen mit ihm hatten, bietet das Buch einen interessanten Einblick in Leben und Wirken des Dandys Wilde.
Oscar Wilde – Die Comic-Biografie von Tommaso Vitiello, Licia Cascione, 129 Seiten, erschienen im Knesebeck Verlag.
