Die Kluft
Die Kluft ist die erste größere Graphic Novel des kanadischen Illustrators Adam De Souza. Eine schöne Coming-of-Age-Geschichte, die von ihren unperfekten, dafür (oder gerade deswegen) umso liebenswerteren Charakteren handelt.
Ich muss gar nichts
Olivia steht kurz vor dem Highschool-Abschluss. Zeit also, sich zu entscheiden, wie es nun weitergehen soll. Aber Olivia will am liebsten gar nichts tun. Diese Gesellschaft, die gesamte westliche Lebensweise, das scheint einfach nicht für sie gemacht. Seit Jahren schon träumt sie davon, einer abgelegene Inselkommune vor der Küste von Vancouver beizutreten.
Sie überredet ihre Highschool-Freunde Milo und Alvin mitzukommen. Kurz vor ihrem letzten Schultag hauen die drei Jugendlichen einfach ab, ohne jemand Bescheid zu sagen. Sie schaffen es auf die Insel, aber der Weg zur Kommune ist weit. Zu Fuß schlagen sie sich durch, und müssen dabei innere wie äußere Widerstände überstehen.
Die Entdeckung des Müßiggangs
Die Kluft lebt von seinen verschroben-liebenswerten Figuren, die es schaffen einem genauso vertraut wie unbegreiflich in ihren Handlungen zu erscheinen. Adam De Souza malt mit einem angenehm konformen Strich die Erzählung von Olivia und ihren Freunden, auf dem Weg zur Selbstbestimmtheit.
De Souza lässt seinen Figuren (und uns Lesern) viel Raum ihre Umgebung wahrzunehmen und sich zu entfalten. Hintergründe zum Geschehen werden nur schrittweise geliefert. Die Stimmung oszilliert zwischen Camping-Abenteuer, Sinnkrise, und Katharsis. Eine kleine Portion stille Ironie darf dabei mitschwingen, ohne die Figuren dabei bloßzustellen.
Mit ihnen fiebern wir bis zum Schluss mit. Und wenn dieser dann etwas antiklimatisch ausfällt, dann wissen wir einmal mehr – der Weg war hier das Ziel. Schöne Graphic Novel für etwas größere Teens und deren nostalgische Eltern, sowie generelle Genre-Fans zu empfehlen.
Die Kluft von Adam De Souza, 240 Seiten, erschienen bei Reprodukt.
