Die Morde im Dekagon-Haus
Die Morde im Dekagon-Haus ist ein japanischer Kriminalroman von Yukito Ayatsuji. Dieser Roman machte den Autor in seinem Heimatland auf Anhieb berühmt. 30 weitere hat Yukito Ayatsuji seitdem geschrieben. Die Morde im Dekagon-Haus erschien in Japan bereits 1987. Beinahe 40 Jahre später hat das Buch nun auch eine deutsche Übersetzung bekommen.
Klassisches Setting, jede Menge Mord
Ein Jahr vor Einsetzen der Handlung gab es auf einer kleinen abgelegenen Insel bereits einen Mehrfachmord. Nun verbringen ein paar Studenten, die sich als Hobby-Detektive verstehen, ein paar Tage auf der Insel, im sogenannten Dekagon-Haus. Dekagon, weil es zehn Ecken hat. Die Studenten geben sich alle Spitznamen nach berühmten Autoren der Kriminal- und Schauerliteratur: Ellery, Agatha, Carr, Poe, Leroux, …
Ihr Ziel ist es, die mysteriösen Umstände des Mehrfachmordes aufzuklären. Doch bald stecken sie selbst in einem Strudel aus Mord. Denn ein Unbekannter hat sie zur Beute erklärt und legt einen nach dem anderen um. Die Frage ist nur: Kommt der Feind von außen? Oder ist es jemand aus der Gruppe?
Vor ihm lag das nächtliche Meer. Es herrschte Totenstille.
Leichen über Leichen
Die Morde im Dekagon-Haus ist ein hochangesehener Kriminalroman. Er wurde kürzlich als Top 8 der 100 wichtigsten japanischen Romane dieser Gattung gewählt. Das ist nicht nichts. Der Roman wirkt auch heute noch ziemlich frisch und rasant, dafür, dass er schon so viele Jahre am Buckel hat. Aber vielleicht hat es auch genau diese Zeit gebraucht, dass auch der heimische Markt für diese Art Kriminalliteratur bereit ist.
Denn Die Morde im Dekagon-Haus ist schon sehr japanisch. Es gibt wenig Exposition, dafür recht viele Figuren, deren tiefere psychologische Einführung bei Seite geschoben wird. Auch egal, weil, sehr lange leben die meisten sowieso nicht. Dann gibt es aber zusätzlich zur Insel-Handlung, auch noch eine Parallel-Handlung am Festland, und spätestens hier werden die meisten Leser wohl den Überblick über die handelnden Personen verloren haben. Ein Personenregister wäre definitiv von Vorteil gewesen.
Yukito Ayatsuji nimmt sich dafür hintenraus umso mehr Zeit um die Motive und Handlungsweise des Täters zu erörtern. Diese Erklär-Lust verkommt dann beinahe schon wieder zum Exzess. Exzessiv ist auch die Mordlust. Hier werden wirklich viele Menschen getötet, teils sehr grausam. Bisweilen haben Die Morde im Dekagon-Haus fast ein wenig Horror-Charakter.
Über dem Zimmer prangte das rot beschriftete Schild, als würde es sie auslachen. Opfer Nr. 3
Am Schluss bleibt eine gemischte Tüte. Das Setting und der Handlungsverlauf können eigentlich durchaus überzeugen, während stilistisch und charakterlich Luft nach oben bleibt. Der Roman ist nicht so elegant wie die Kriminalromane von Seishi Yokomizo (Die rätselhaften Honjin-Morde) und nicht so schrill und unheimlich wie die von Uketsu (Die seltsamen Bilder). Aber wer nicht genug von dieser Art der Unterhaltung kriegen kann, darf locker einen Blick auf Die Morde im Dekagon-Haus werfen.
Die Morde im Dekagon-Haus von Yukito Ayatsuji, 416 Seiten, erschienen im Limes Verlag.
