Cyberpunk 2077: Ultimate Edition
Cyberpunk. Ein Spiel, ein Genre, eine Vision … es ist an sich ein Themengebiet, das seit Anbeginn der PC-Ära die Spieler in ihren Bann zieht. Von System Shock, zu Blade Runner, zu Deus Ex oder Detroit: Was alle diese Spiele eint, ist vor allem die Ambition, die ihren Rahmen sprengt. Der Traum von einer transhumanistischen Zukunft, in der Technologie das Leben bis zur Unkenntlichkeit erweitert, sprengt einfach jeden Rahmen und ist zu facettenreich, als dass man ihn wirklich in einem ultimativen Werk unterbringen kann.
Auch bei CD Project RED hatte man ein gutes Jahrzehnt das Gefühl, dass es sich einfach übernommen hat, als Cyberpunk 2077 in der Entwicklung war. Nach außen hin kaum mehr als ein Trailer, Vaporware in Reinform. Und selbst als überraschenderweise ein fertiges Produkt erschien, war der Wirbelwind gewaltig: Das Spiel war so groß, so ambitioniert, dass es neben zahlreicher Bugs und Probleme auch technologisch zu sehr auf Morgen ausgerichtet war und auf vielen Standard-Systemen nur schwer zu genießen war.
RPG-Mechaniken und Spezialisierungsmöglichkeiten
Doch wie es sich für ein Qualitäts-Studio wie CD Project RED gehört, sind diese Gewitterwolken längst abgezogen und das Studio hat sein Werk mittlerweile mit jahrelanger Arbeit in einen respektablen Zustand gebracht. Und zu guter Letzt ist dann etwas gelungen, das die Augenbrauen nach oben zieht: Das ultimative PC-Spiel landet zuletzt auf der Switch 2. Ausgerechnet einem Nintendo-System, wo ja bekanntlich Nintendo technologisch gesehen den Blick immer nach hinten richtet.
Aber gehen wir nochmal zum Anfang zurück: Cyberpunk 2077 basiert auf der Tabletop-Vorlage „Cyberpunk“, geschaffen von Mike Pondsmith. Wo also die meisten Studios erstmal den leeren Raum mit altbackenen Schein-Ideen unterbezahlter Schreiber-Azubis ausfüllen müssen, existiert bei Cyberpunk 2077 ein solides Fundament, auf welchem dann die Spieleentwickler ihre eigenen Erzählungen aufsetzen können. Die Haupt-Geschichte mit Keanu Reeves in der Hauptrolle ist dabei als Triple-A Kernstück zu verstehen und deckt mit seinem Mammut-Budget eine gewaltige Menge an Cyberpunk-Konzepten ab. Da kann Hollywood tatsächlich einpacken.
Night City als dystopischer Spielplatz
Dabei ist das Punk in Cyberpunk großgeschrieben. Die Spiele-Welt, die direkt dem Fiebertraum eines Elon Musk entspringen könnte, ist in gleichem Maße atemberaubend und ekelhaft. Cyberimplanatate, selbstfahrende Fahrzeuge, Corpos und VR-Träumereien sind atemberaubend prollig. Der Porno-Neonstyle der „Night City“ setzt das menschliche Elend, das sich von jedem Cubicle in die Nachtclubs der Stadt bis auf den Gehsteig zieht, in ein wirklich eindrucksvolles Licht.
Nachdem der Spieler seinen Charakter frei erschaffen hat, geht es los sich in der lauten, grellen Welt von Night City einen Namen zu machen. High-Stakes Raubüberfälle gehören dabei zum Alltag und man darf sich Cyberpunk 2077 vorstellen wie ein futuristisches GTA. Zusammen mit allen erdenklichen Gangster-Kollegen heckt man einen explosiven Plan nach dem anderen aus. Im Zentrum steht dabei ein Hirnimplantat, das die eigene Wahrnehmung mit Johny Silverhand ausfüllt, dem virtuellen Engram eines längst verstorbenen Rockerboy, der den neuen Körper dankend übernehmen würde.
Das Spiel an sich ist ein Shooter mit vielen RPG-Elementen, die es dem Spieler erlauben sich auf gewissen Spiel-Stile zu spezialisieren. Vom agilen Cyber-Shinobi zur unverwüstbaren Militär-Panzereinheit steht dem Spieler viel Freiraum bereit, um sich über viele Stunden für eine Richtung zu bewegen. In dieser Zeit geht man unzähligen Nebengeschichten nach, die eine waghalsige Anzahl an Ideen und Sci-Fi—Konzepten abdecken. Man findet hierbei nicht bei jeder Geschichte die Tiefe, die man bei CD Project RED von Witcher 3 gewohnt ist. Aber die Qualität der Erzählungen ist trotzdem noch immer weit über dem, was man bei den meisten westlichen RPG-Studios gewohnt ist.
Transhumanistische Zukunft als Spielerfahrung
Einziger Wermutstropfen ist die Besessenheit, mit der das Spiel vom Spieler erwartet, sich in einen pubertären Terroristen zu entwickeln. Es gibt zwar Skills, um Genre-typisch zu hacken, aber wer deshalb erwartet, dass er Szenarios lösen kann, ohne in jedem Gebäude ein Blutbad anzurichten, der hat weit gefehlt. Bei Cyberpunk ist die Welt gefüllt mit Menschen, die allesamt schuldig sind: Jeder verdient zu sterben und das nimmt dem Spiel dann doch ein gewisses Potenzial.
Zuletzt werfen wir aber noch einen Blick auf die Switch 2-Portierung, die wirklich respektabel gelungen ist. Man hat hier keine merkbaren Abstriche in der visuellen Qualität gemacht und nur in späteren Segmenten, die beim Original erst nachher als DLC dazu kamen, gibt es jemals Performance-Probleme. Auf einem Nintendo System ein derartig komplexes Triple-A Spiel ohne Abstriche zu erleben ist schon etwas Besonderes. Das mag auch daran liegen, dass CD Project RED eben auch nach Release den Titel noch aufmerksam hegt und pflegt. Wo andere Studios schon längst in ihrer Profit-Ohnmacht zahlreiche Sequels herausgepumpt haben, ist Project Red eben ein Studio, das einem besonderen Titel eine besondere Menge an Aufmerksamkeit gibt.
Fazit zu Cyberpunk 2077: Ein Meisterwerk findet auf Switch 2 seine perfekte Form
Nicht zuletzt deshalb ist Cyberpunk 2077 ein einzigartiges Meisterwerk. Auch wenn es irgendwann Sequels geben wird, ist das Spiel alleine so umfangreich und vollständig, dass das Selbstbewusstsein sich den Genre-Namen in den Titel zu schreiben, tatsächlich gerechtfertigt war. Wer mal Lust hat sich in einer dystopischen Cyberpunk-Zukunft zu verlieren, der kommt hier voll auf seine Kosten.
Plattform: Switch 2 (Version getestet), PC, Series X/S, PS4, PS5, Spieler: 1, Altersfreigabe (PEGI): 18, Release: 05.06.2025 (Ultimate Edition), 10.12.2020, Link zur offiziellen Webseite