Lost-in-Translation-©-2010-Focus-Features

10 Komiker in ungewohnten (aber ausgezeichneten) Rollen

Es ist fast schon ein Muss, zumindest eine ernsthafte Rolle gespielt zu haben, wenn man als ehemaliger (Stand-Up)-Comedian im Filmbusiness wirklich Fuß fassen will. Wir haben ein Liste mit den zehn besten, markantesten und unerwartetsten Performances zusammengestellt, in denen namhafte Komiker ihr dramatisches Talent beweisen – und uns damit tatsächlich überzeugt haben.

10. Robin Williams in Insomnia

Insomnia-©-2003-Warner-Home-Video

Eigentlich kaum zu glauben, das ein Vollblut-Comedian wie Robin Williams, der mit Rollen wie etwa in Hook, Jumanji, Mrs. Doubtfire und Good Morning, Vietnam der breiten Öffentlichkeit wirklich namhaft geworden ist, für einen reinrassigen Thriller unter der Regie (gerade!) von Christopher Nolan überhaupt angedacht wurde. Klar, der Schauspieler konnte mit ausgezeichneten Leistungen in Dead Poets Society und Good Will Hunting sein Können in ernsthafteren Rollen eindrucksvoll unter Beweis stellen, auch schon in One Hour Photo war zu sehen, das sich hinter der sympathischen Fassade wohl auch gut das personifizierte Böse verstecken lässt. Als methodisch arbeitender und überaus hinterlistiger Mörder im 2002 erschienen Insomnia zeigt Williams aber, das er sich auch hinter der starken Performance einer schauspielerischen Größe der Marke Al Pacino keineswegs zu verstecken braucht.

9. Jim Carrey in Eternal Sunshine of the Spotless Mind

Eternal-Sunshine-of-the-Spotless-Mind-©-2004-Highlight

Das „Gummigesicht“ Hollywoods – schon dieser wenig schmeichelhafte Titel ist wohl ein Indikator dafür, das Ernsthaftigkeit und Tiefgang nicht unbedingt im Repertoire eines Schauspielers vorzufinden sein muss. Jim Carrey’s Durchbruch gelang – passenderweise – mit seinem absurd-humorvollen Auftritt in The Mask, und, ebenfalls nicht zu vergessen, den daraufhin prägenden Rollen in Dumb & Dumber sowie Ace Ventura. Wohl für jeden überraschend kamen im Anschluss an diese Hits tatsächlich ernsthaftere Rollen, die das Spektrum Carreys erweitern sollten: Gefangen in der TV-Kunstwelt The Truman Show oder mit der Öffentlichkeit spielend als Andy Kaufman im unterschätzten Man on the Moon etablierte sich der Schauspieler tatsächlich als ein solcher. Im 2004 erschienen und wohl schon aufgrund seines fantastischen Titels sehenswerten Sci-Fi-Drama Eternal Sunshine of the Spotless Mind des französischen Regisseurs Michel Gondry induziert Carreys Performance weniger Lachen, als vielmehr Mitleid: Nach einer Trennung entschließt sich sein emotional gebrochener Charakter, die vorangegangene Beziehung zu vergessen – mittels Löschung aus seiner Erinnerung. Ein faszinierendes Werk durch und durch, das durch die mitreißende Performance von Jim Carrey in Sachen Emotionalität intensiviert wird und zurecht als zeitloser Klassiker gilt.

8. Adam Sandler in Punch-Drunk Love

Punch-Drunk-Love-©-2010-Senator-Home-Entertainment-(Vertrieb-Universum-Film)

Richtig: Adam Sandler, der Schauspieler, der erst kürzlich der Öffentlichkeit mitteilte, das die meisten der Filme, in denen er seit 2004 mitwirkte, wenig mehr als gut bezahlte Urlaube sind, hat tatsächlich auch eine ernstzunehmende Rolle in seiner Filmographie. Bedenkt man, das sich der Komiker zumeist als unbeherrschtes, unverantwortliches, infantiles, erwachsenes Kind in Hollywood einen Namen machen konnte – man denke an seine Auftritte in Airheads, Billy Madison, Big Daddy, The Waterboy, Little Nicky – ist es umso verblüffender, das ein Regie-Schwergewicht wie Paul Thomas Anderson (There will be Blood, The Master) mit diesem hauptberuflichem Kindskopf gearbeitet hat. Besser noch: GUT gearbeitet hat, den der 2002 veröffentlichte Punch-Drunk Love spielt mit den Stärken Sandlers, ohne jemals den Gedanken an dessen schauspielerische Vergangenheit aufkommen zu lassen. Sicher, in der Rolle des emotional eingeschränkten und psychologisch gestörten Hauptcharakters finden sich Element vorangegangener Rollen des Schauspielers – aber angesichts der von Regisseur Anderson mitgebrachten Qualitäten (neben Regie auch Drehbuch) zeigt sich hier eindrucksvoll, was in Theorie und Praxis aus Adam Sandler in Sachen darstellerischer Vielschichtigkeit rauszuholen ist.

7. Eddie Murphy in 48 Hrs.

Nur-48-Stunden-©-2014-Paramount-Home-Entertainment

Eine vergleichsweise umgekehrte Richtung bei der Rollenauswahl geht wohl der Schauspieler Eddie Murphy: Heutzutage kaum noch direkt vor der Kamera (er spricht den Esel im Shrek-Franchise)  oder ohne Fat-Suit (The Nutty Professor, Norbit) anzutreffen, feierte er seinen Hollywood-Einstand im knallharten Buddy-Movie Thriller 48 Hrs. von Regielegende Walter Hill. Zusammen mit Nick Nolte lieferte sich der Comedian auch einen teils wortwörtlichen Schlagabtausch, der zugleich das Subgenre der Buddy-Movies – in dem zwei ungleiche Charaktere aufeinanderprallen – begründete. Nach einigen legendären Auftritten, vor allem als überdrehter Beverly Hills Cop, legte sich Murphy aber schließlich eher auf seichtere Rollen im Comedy-Fach fest, einige Ausreißer wie etwa in Dreamgirls konnten allerdings nicht darüber hinweg täuschen, das seine interessantesten Performances schon fast wieder vergessen sind.

6. Will Ferrell in Stranger than Fiction

Stranger-Than-Fiction-©-2004-Sony-Pictures-Home-Entertainment

Als einer der wenigen Komiker dieser Auflistung kann Will Ferrell auch heute noch in seinem – vermutlich – favorisiertem Genre große Erfolge und vor allem Kultstatus genießen. Mit kleineren und größeren Rollen in AnchormanTalladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby, Step Brothers und The Other Guys zeigt Ferrell, das komödiantisches Talent durch seine Adern fließt. Ganz im Stile von „Do what you do best“ sind ernsthafte Performances in seiner Filmographie genauso spärlich gesät wie die absolute Ausnahme, weswegen der 2006 erschienen Stranger Than Fiction zusätzlich hervorzuheben ist. Nicht nur für Ferrell stellt seine Rolle als fiktive Romanfigur, die sich ihrer selbst in der realen Welt langsam bewusst wird, ein Novum dar, sondern auch für den deutsche Regisseur Marc Forster, der eigentlich für Filme der Marke Monster’s Ball und (später) Quantum of Solace Bekanntheit erlangen sollte. In Kombination konnten beide allerdings einen großartigen Erfolg mit dem surrealen, überaus unterhaltsamen Drama erzielen.