Max-Payne-3-©-2012-Rockstar-Games

Max Payne 3

Seit dem Release von „Max Payne 2: The Fall of Max Payne“ im Jahr 2003 warten Fans gespannt auf eine Fortsetzung der renommierten Serie rund um den ramponierten, ewig depressiven, titelgebenden Anti-Helden…

Als das Entwicklerstudio Remedy im Jahr 2001 den Third-Person-Shooter namens Max Payne veröffentlichte, waren sowohl Spieler als auch Kritiker gleichermaßen von der überraschend düsteren Noir-Handlung und der integrierten „Bullet Time“-Spielmechanik begeistert. Nach jahrelanger Absenz (und einem grauenhaften filmischen Ableger) erschient nun endlich der dritte Teil, erstmals unter der Feder der „Grand Theft Auto“-Macher Rockstar GamesWer angesichts diese Entwickler-Wechsel und der doch beachtlichen Wartezeit schon Bedenken hinsichtlich des fertigen Endproduktes hatte, darf beruhigt sein: Am Grundgerüst der Serie wurde nicht viel verändert. Erneut schlüpft der Spieler in die Rolle des von Schuldgefühlen geplagten, Drogen- sowie Alkoholabhängigen Max Payne, erneut darf wagemutig mit beherzten Zeitlupen-Sprungeinlagen allerlei bösartiges Gesindel unschädlich gemacht werden.

Doch die renommierten Rockstar-Entwickler würden ihrem Ruf nicht gerecht werden, wenn sie einfach nur eine Neuauflage geplant hätten. In “Max Payne 3” verabschiedet sich der Protagonist mehr oder weniger freiwillig aus seiner verregneten Heimat New York in Richtung Brasilien, was schon in ersten Screenshots und Ankündigung für Verwunderung sorgte. Ein neues Kapitel im Leben von Max soll hier aufgeschlagen werden, die Megametropole São Paulo, in der sich der Großteil der 14 Kapitel umfassenden Story abspielt, scheint dabei wie die Faust aufs sprichwörtliche Auge zu passen. 

Doch Mr. Payne würde seinem Name wohl kaum gerecht werden, wenn lediglich Sonne, Partys und Cocktails (auch nicht zu vergessen: das Hawaii-Hemd!) auf der Tagesagenda stehen sollten: In ausgiebigen Voice-Over-Erzählungen sowie einigen spielbaren Rückblenden (“Max Payne 3” startet quasi als eben solche) wird dem Spieler das leidvolle Schicksal der Hauptfigur erneut und mit Nachdruck vermittelt. Nach seinem Rückzug aus dem aktiven Dienst der New Yorker Polizei arbeitet Max neuerdings als Bodyguard für den reichen, in São Paulo ansässigen Branco-Familienclan. Nach einem missglückten Versuch, die Geiselnahme von Fabiana Branco, der jungen Frau des Familienoberhauptes, zu verhindert, schlittert Max zusammen mit seinem neuen Partner Raul Passos in eine turbulente Konspiration, die weitere Kreise zieht, als sich beide wohl zu träumen gewagt hatten…


 

Zynischer, bissiger, älter, aber kein bisschen besonnener zeigt sich der neue Max Payne in seiner dritten Auflage: Rockstar hat das ganze Spektrum der Figur gekonnt eingefangen, auf das Wesentliche reduziert und in ein neues, interessanteres Setting verfrachtet. Auch wenn im Verlauf der Handlung keine allzu großen Änderungen innerhalb der Charakterdarstellung zu bemerken sind und der exzessive Lebenstil des Protagonisten samt immer gleicher Gedankengänge etwas zu nerven beginnt, so können die teils grandiosen Level von jenen Schwächen perfekt ablenken. Rockstar hat es erneut geschafft, eine besonders glaubwürdige, organische Spielwelt zu modellieren, in der jedes noch so kleines Detail begeistern kann: Seien es nun Kleinigkeiten wie die Nachlade-Animationen von Max, herumfliegende Glassplitter und zerbröckelnde Büroutensilien bei einer wilden Schießerei in Geschäftsräumlichkeiten oder auch mit einem Fußball spielende Kinder in einer unüberschaubaren Favela (Armensiedlung am Stadtrand) – Immer und überall ist der Feinschliff und die Liebe zum Detail spürbar.

Nach einer etwas länger andauernden Eingewöhnungsphase findet sich der Konsolenspieler (im Vergleich zum PC-Nutzer) mit der Steuerung auf dem vollbelegten Controller dann doch zurecht und erledigt, je nach Schwierigkeitsgrad und Zielmethodik (Hard- und Soft-Lock assistiert bei Anivisieren, Free-Aim verzichtet auf Hilfestellung), mit besonders viel Stil in selbst gewählten Zeitlupensequenzen seine Widersacher. Wie schon bei den Vorgängern findet man schnell Gefallen am Spielprinzip und jedes noch so kleine Feuergefecht entwickelt sich zu einer selbst auferlegten Suche nach der perfekten Auslotung von eingesetzen Waffen und optimaler Gefechtsfeldnutzung.

Als neue Gameplaymechanik wurde die “Last-Man-Standing”-Fähigkeit integriert, in der der Spieler bei einem für ihn tödliche Schusswechsel die Möglichkeit hat, den Schützen im letzten Moment in Zeitlupe auszuschalten, um einen Neustart zu vermeiden. Das Ende der turbulenten Reise im Storymodus stellt aber glücklicherweise nicht das Ende der Spielmöglichkeiten dar, denn mit dem Freischalten der “Score-Attack” und “A New York Minute”-Modi wird die Arcade-Funktion von “Max Payne 3” zugänglich, in der Kopfschüsse eine höhere Punktezahl respektive mehr Zeit auf einem Countdown-Timer bringen. Einziger Wehrmutstropfen ist hier die Tatsache, das ebenso wie im Storymodus Zwischensequenzen als Ladezeiten vorhanden und daher nicht überspringbar sind.

Der neu dazu gekommene Multiplayer liefert neben gewohnten zugänglichen “Deathmatch” und ”Team Deathmatch”-Varianten auch den sogenannten “Payne Killer”-Modus (eine “King of the Hill”-Version), in dem sich acht Spieler über den ersten und zweiten Kill der Partie ausmachen, wer die Rolle von Max Payne bzw. Raul Passos übernimmt. Während die beiden mit mehr Lebensenergie, Waffenbonus und voller “Bullet-Time”-Leiste ausgestattet sind, müssen die verbleibenden sechs als Team versuchen, die schwer bewaffneten Protagonisten zu erledigen und damit auch deren Rollen einzunehmen. Nicht minder interessant gestaltet sich der “Gang Wars”-Modus, in dem zwei Teams in fünf unterschiedlichen, zueinander abhängigen Story-Szenarien mit speziellen Zielsetzungen gegeneinander antreten. Der Clou: Jede Partie endet in einem Deathmatch, bei dem das zuvor überlegene Team mit eine Punktebonus startet. Das der eigens erstellte Multiplayer-Charakter aufzuleveln ist, neue Waffen und Kostüme freischaltbar sind und ein Clanmodus integriert wurde, versteht sich seit dem Erfolg von “Uncharted 2” natürlich von selbst.

Als Fremder in einem fremden Land fühlt man sich auch das Kenner der Vorgängerteile perfekt in die Rolle des Ex-Cops ein, so das “Max Payne 3” nicht die erwartbare Neuinterpretation darstellt, die im Vorhinein befürchtet wurde. In einem grandios verwirklichten Setting, vollgespickt mit fordernden und abwechslungsreichen Actionsequenzen kann also erneut die dank Rockstar perfekt abgestimmte Zeitlupen-Spielmechanik ausgekostet werden, für die die Serie bekannt ist. Mit zusätzlichen Spielmodi und einem überraschend funktionalen Multiplayer ist zudem auch der Langzeitspielspaß garantiert – kurzum: Payne is back.

Plattform: PC, PS3 (Version getestet), XBox 360, Altersfreigabe (Pegi): 18, Spieler: 1, 1-16 (online), Erscheinungsdatum: 18.05.2012 (PS3, Xbox 360), 01.06.2012 (PC)