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Wonne aus der Tonne: Spring

Liebe Liebenden dieser Welt, die ihr alle auf den Frühling wartet – hier ist der richtige Film für Euch! In dieser Kolumne versuche ich nicht nur, weitgehend übersehene Filmperlen auszugraben, sondern auch eine gewisse Genre-Vielfalt zu präsentieren. Allerdings habe ich, ich gebe es offen zu, gerade in letzter Zeit einen verstärkten Hang zum Horrorfilm. Aber auch hier gibt es Vielfalt! Horror-Komödie, Horror-Thriller, selbst Horror-Western. Und nun eben ein ganz besonderes Sub-Genre: Der Horror-Liebesfilm!

Spring

OT: Spring, USA, 2014, Regie: Justin Benson, Aaron Moorhead, Drehbuch: Justin Benson, Darsteller: Lou Taylor Pucci, Nadia Hilker, Francesco Carnelutti, u.a.

Nach dem Begräbnis seiner Mutter gerät der junge Amerikaner Evan (Lou Taylor Pucci) in eine Barschlägerei. Um den Verlust zu verarbeiten, aber auch um weiteren Auseinandersetzungen zu entgehen, setzt sich Evan in einen Flieger Richtung Europa. Er landet in Italien, wo er zuerst mit zwei versoffenen und bekifften Briten durch die Lande zieht. In einem kleinen Fischerdorf trifft er auf die Studentin Louise (Nadia Hilker), in die er sich sofort verschaut. Es geht eine Anziehungskraft von der mysteriösen Frau aus, und Evan beschließt in dem Ort zu bleiben und heuert auf der Farm des alten Angelo (Francesco Carnelutti) an. Was Evan noch nicht weiß: Louise ist ein uraltes Wesen, ein Monster, das sich demnächst verwandeln wird.

Mit Spring gelingt den beiden Amerikanern Benson & Moorhead (es ist ihr zweiter gemeinsamer Film) ein überaus gelungener und überraschender Genre-Hybrid. Wobei die Horroranleihen eher spärlich gesetzt sind. Hier liegt der Fokus eindeutig auf der ungewöhnlichen Liebesgeschichte. Diese ist in wunderschöne Bilder und Landschaftsaufnahmen getaucht. Ein weiterer Beweis dafür, dass ein guter Film nicht immer ein großes Budget braucht. Nicht, wenn vor und hinter der Kamera alles so wunderbar klappt wie bei Spring.

Besonders hervorzuheben sind dabei die beiden Hauptdarsteller, der Amerikaner Lou Taylor Pucci und die deutsche Schauspielerin Nadia Hilker. Die Beiden spielen leidenschaftlich, überzeugend und sind interessanterweise immer noch keine Stars. Pucci hat vorher schon in ein paar sehenswerten Genre-Filmen mitgespielt, wie in dem Seuchen-Thriller Carriers oder dem ultrabrutalen Remake von Evil Dead. Nadia Hilkers Filmografie „besticht“ hingegen durch bescheidene Einträge wie Alarm für Cobra 11 oder SOKO Stuttgart. Auch eine Rosamunde-Pilcher-Verfilmung ist dabei. Naja, macht nichts. Immerhin hat sie Spring gemacht.

Und was für ein schöner, verstörender Film das geworden ist. Ich gebe zu, nach erster Ansicht war ich nicht restlos überzeugt von der Sache. Er hat mir zwar gefallen, aber ich fand ihn nicht wirklich rund. Irgendwie ließen mich Bilder und Geschichte dennoch nicht los. Und als ich meine Frau dann erfreute, mit dem Angebot zur Abwechslung mal einen Liebesfilm zu schauen, war sie vollauf begeistert. Und für mich war die zweite Ansicht dann ebenfalls die Zementierung des Gefühls: Ja, das hier ist was ganz besonderes. Es ist zwar nicht alles schlüssig oder konsequent. Dennoch ist dies ein wunderschöner Indie-Film, wie er nicht alle Tage vorbei kommt. Mit einer ganz eigenen Stimmung, tollen Bildern und einen ebensolchen Cast!

Benson und Moorheads dritter Film The Endless läuft übrigens demnächst in den US-Kinos an. Erste Kritiken loben den Film über den Klee. Man darf gespannt sein.

Insofern hoffen wir nun auf den Frühling und dass er endlich kommt! Ich wünsch euch viele Schmetterlinge im Bauch und bleibt seltsam!