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Wonne aus der Tonne: Hardcover

Willkommen, liebe Leserschaft mit Neigung zum abwegigen Filmgeschmack! Wir stecken hier mitten in einer Top 10 mit dem Namen Unterschätzte Genre-Filme der 80er Jahre. Nach zwei äußerst actionlastigen Beiträgen betreten wir heute wieder dunkle und angenehm gruselige Pfade, gewürzt mit ein wenig Ironie. Vorhang auf für Platz 4:

Hardcover

OT: I, Madman, USA 1989, Regie: Tibor Takács, Drehbuch: David Chaskin, Darsteller: Jenny Wright, Clayton Rohner, Randall William Cook u.a.

Die Schauspielschülerin Virgina (Jenny Wright) arbeitet nebenher in einem Antiquariat. Dort stößt sie auf einen Pulp-Horrorroman des Schriftstellers Malcolm Brand, der sie völlig in den Bann zieht. Bei der Recherche nach mehr Lesestoff des Autoren findet Virgina heraus, dass Brand nur ein einziges weiteres Buch verfasst haben soll: das schwer aufzutreibende I, Madman. Umso erstaunlicher, dass sie kurz darauf ein Exemplar eben jenes Buchs in einem Umschlag vor ihrer Tür findet. Sie stürzt sich in die Lektüre, in der ein wahnsinniger Dr. Kessler (Randall William Cook) sein Unwesen treibt, welcher seinen Opfern Teile aus dem Gesicht schneidet, damit er sich selbst ein neues gestalten kann, um seiner Liebsten zu gefallen. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen, als eine Mordserie nach den Motiven des Buchs rund um Virginas Umfeld ansetzt. Nicht einmal ihr Freund, der Polizist Richard (Clayton Rohner), möchte dabei anfänglich an mehr als einen Zufall glauben.

Der Film Hardcover des ungarischen Filmemachers Tibor Takács ist zu gleichen Teilen gruseliger Horrorfilm, wie liebevoll umgesetzte Hommage an die Pulp-Romane, Comics und Filme der 50er Jahre. Mit einer beeindruckend eigenständigen und fantasievollen Bildkomposition gelingt dem Filmemacher ein toller Wohlfühl-Gruselfilm. Der außerdem wie nebenbei eine Menge Ideen aus dem Ärmel schüttelt, die John Carpenter ein paar Jahre später in seinem Meisterwerk Die Mächte des Wahnsinns (In the Mouth of Madness, USA 1994) aufgegriffen und weitergeführt hat. Drehbuchautor David Chaskin hatte zuvor die Vorlage zum etwas zu Unrecht geschmähten A Nightmare on Elm Street 2 abgeliefert, der der Franchise ebenfalls einen interessanten Twist in Richtung Fantasy gegeben hat. Dass die Handlung von Hardcover dann alles in allem doch recht straight abläuft, sei genauso wenig verschwiegen, wie es dem Filmgenuss auch keinen Abbruch tut.

Darstellerisch gibt es nichts zu bemängeln. Vor allem Randall William Cook, der auch für die Effekte zuständig war, macht in seiner Rolle als Malcolm Brand/Dr. Kessler eine gute Figur. Hauptdarstellerin Jenny Wright (Near Dark) gibt eine gelungene Performance ab, und man darf sich ruhig fragen, warum es bei der aparten Schönheit zu keinem größeren Bekanntheitsgrad kam. Auch Regisseur Takács, der zwei Jahre zuvor mit The Gate schon einmal am Pfad der Horrorfantasy wanderte, realisierte danach vor allem Fernsehfilme und Serienepisoden. Was bei der originellen grafischen Gestaltung von Hardcover dann doch etwas wie Verschwendung wirkt. Aber der Film wurde kaum bekannt und dürfte wirklich nur dem hintere-Ecken-der-Videothek-durchforstenden Publikum ein Begriff sein.

Dabei richtet er sich gar nicht ausschließlich an Horrorfilmfans. Im Gegenteil, würden jene wahrscheinlich von der Anzahl überschaubarer Morde, die auch nicht besonders detailliert ausfallen, eher enttäuscht sein. Der Film wird wohl bei jenen Gefallen finden, die mehr auf träumerische Farb- und Bildkompositionen abfahren, als auf grafische Brutalität. Und die im Prater lieber die olle Geisterbahn aufsuchen, als das neue, ekelhaft wirkende Zombie-Labor.

Kleiner Spoiler-Alert fürs nächste Mal: Wir bleiben dem Gruselgenre treu – aber dafür mit einer noch eindeutigeren Note in Richtung Humor. Also seid gespannt, wenn wir nächstes Mal nun schon die Top 3 dieser Liste starten. Und vor allem: Bleibt seltsam!

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