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100 DVDs in 100 Wochen: Tiger & Dragon

Woche neun beim Feature 100 DVDs in 100 Wochen – Bahn frei für Ang Lee’s Tiger & DragonHeute habe ich die große Ehre gemeinsam mit meiner Mama einen Film zu schauen – jawohl, es ist Muttertags-Wochenende. Man muss betonen, dass meine Mama nicht unbedingt ein Film-Nerd ist und daher bin ich umso mehr auf ihre Reaktion gespannt.

Im Grunde geht es in Tiger & Dragon darum, dass der äußerst berühmte Martial-Arts-Krieger Li Mu Bai (Chow Yun Fat) ewige Rache geschworen hat und somit hinter der berüchtigten Mörderin Jade Fox her ist. Diese hat nämlich dummerweise seinen Lehrmeister aus dem Wutan-Kloster auf grausame Weise umgebracht. Da er eigentlich sein Leben ändern möchte, lässt er sein Schwert „Grünes Schicksal“ von seiner Kampfgefährtin Yu Shu Lien (Michelle Yeoh) in den Palast des Gouvernours bringen. Dort gerät es aber schon bald in falsche Hände – in jene der jungen talentierten Kriegerin Jen Yu (Ziyi Zhang). Und so beginnt der Rachefeldzug schließlich doch noch.

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Je länger ich dem Treiben des Films zuschaue umso mehr bin ich beeindruckt. Alles wirkt wahnsinnig edel und die Dialoge unglaublich bedacht (ja, ich muss den Film auf Deutsch sehen, mit Mandarin tue ich mir doch etwas schwer). Auch das gesamte Setting wirkt für uns Europäer wohl eher märchenhaft und wie aus einer längst vergessenen Zeit. Besonders die Kampfszenen sind absolut sehenswert – ständig bin ich an Ballett erinnert, alles wirkt schwerelos und leichtfüßig. Vor allem der Gegensatz zwischen der erfahrenen und der jungen, aber sehr talentierten Kriegerin trifft genau meinen Geschmack. Meine Mama lässt das alles aber eher, naja, sagen wir mal kalt. „Keine Ahnung was da für eine Symbolik dahinter sein soll, aber wenn die Leute im Film beim kämpfen zum Herumschweben anfangen, finde ich das schon komisch“ – so in etwa der O-Ton meiner Mama. Ich find’s super. Da gibt sich Ang Lee solche Mühe und arbeitet fünf Monate lang (nur drei Stunden Pause am Stück inklusive), schläft und isst nur noch im Auto, und dann findet meine Mama nichts besonders spannend – ich könnt liegen vor lauter Lachen. Aber ja, Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

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Was mich mehr stutzig macht als das „Herumschweben“ sind allerdings die Frisuren der meisten Männer. Ein „Vokuhila“ (Vorne-kurz-hinten-lang), wie ihn die westliche Welt noch nie gesehen hat – vorne komplette Glatze (in manchen Perspektiven scheint eine Vollglatze realistisch), hinten ein elendslanger geflochtener Pferdeschwanz. Ich frage mich inwiefern das praktisch sein kann und komme zu absolut keinem Ergebnis – schaut nicht gut aus, kann nix, ist nix. Egal – die Asiaten haben eben andere Frisuren als Favoriten als wir, und wir könnten uns genauso gut für einen Großteil schämen.

Da ich von dem Film nicht allzu viel im Vorhinein verraten möchte, hier meine Empfehlung: Für alle die ein sehr empfindsames, elegantes und edles Kino mal wieder vertragen könnten, ist Tiger & Dragon die absolut richtige Wahl. Die 115 Minuten Laufzeit zahlen sich also auf alle Fälle aus – vielleicht diese Woche gar keine schlechte Wahl, bei dem ständigen Regen und kalten Wetter. Nächstes Mal geht es weiter mit Catch 22.

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  • Martina Z

    Es wird hoffentlich nicht Absicht sein, aber manche Bemerkungen (nicht nur diesmal, generell) lassen Sinnhaftigkeit und Respekt vermissen. Nur soviel sei gesagt: Der Westen ist nicht der Nabel der Welt und sollte nicht als Norm aller Anschauung benutzt werden. Auch kann wohl nicht unsere unmittelbare Gegenwart der Maßstab aller Dinge sein, etwas Feingefühl für Historizität wäre vorteilhaft (das gilt so ziemlich für alle bisherigen Beiträge).
    Am Beispiel der „Frisurenproblematik“ heißt das, dass Frisuren in allen Kulturen (ob West oder Ost, Nord oder Süd) Status oder Gruppenzugehörigkeit ausdrückten und es z.T. noch tun. Abgesehen davon hat die Frisur der Samurai oder Krieger tatsächlich einen praktischen Nutzen: Sie kam dem Tragen von Helmen entgegen.
    Ich weiß, das spielt für die Kolumne eigentlich keine Rolle, was sie mir aber beliebig erscheinen lässt. Auch wenn das alles ohnehin nicht ernst gemeint ist, es ist leider auch nicht lustig.