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Wer ist Lambert?

Die spannendsten Geschichten sind die, bei denen auch am Schluss nicht wirklich feststeht, was eigentlich passiert ist. Das Mysteriöse scheint noch jeden Skeptiker in seinen Bann gezogen zu haben, irgendetwas ist es, das einen am Unkenntlichen, am Unnahbaren und Unerklärlichen immer wieder fasziniert.

Genau dieses Spezifikum des Unfassbaren greift Lambert auf. Wer ist Lambert? Schon vorweg: Das wissen wir nicht. Natürlich, wir wissen, er veröffentlicht am 16. 5. sein erstes Studioalbum, er ließ es in Deutschland produzieren, er ist Pianist und das Album ist schlichtweg eingenommen von seinem Klavierspiel. Ein instrumentales Album also. Die Klassik in die Postmoderne zu retten wurde schon oft versucht, auch Lambert wagt es aufs Neue. Minimalistisch-fein arrangiert er seine 21 kurzen Kompositionen für dieses Album, das nach ihm benannt wurde. Schlicht, aber ohne die Phantasie zu vernachlässigen errichtet Lambert mit seinen Stücken eine Welt, die einem – trotz mehrmaligem Versuch – nicht vollständig erschließbar scheint. Stundenlang läuft dieses Album auf und ab und immer klingt es neu, es ist nie fertig, es regt mehr an, als es abschließt.

Zurück zur Person Lambert. Es ist anzunehmen, dass er sein Klavierspiel schon jahrelang perfektioniert hat, ohne sein Solodebut bis zu diesem Zeitpunkt einzuspielen. Unter anderem hat er mit Ja, Panik gearbeitet – was so scheinbar gar nicht zu diesem verträumt-entrückten Künstler zu passen scheint. Überhaupt wirkt er wie aus einer anderen Welt in die unsrige geworfen, es ist beinahe uninteressant, danach zu fragen, mit was dieser Künstler sein Geld verdient hat oder ähnliches. Das scheint alles zu trivial im Angesicht dessen, wie er sich jetzt inszeniert.


Er trägt eine Maske. Nicht nur bei seinen Auftritten, scheinbar immer, auch bei Interviews. Die Maskentradition wurde im Popsegment in den letzten Jahren immer beliebter und trotzdem bekommt sie im Zusammenhang mit Lambert eine noch ganz andere Mystik: Sein Kopf, der hinter besagtem Kopfschmuck nur noch seine hellbraunen Haare freilässt, ist von einem Konstrukt geziert, das aussieht wie die Mischung aus Rindskopf und Antilope. Mit Leder bezogen, zwei Hörner weit aufragend. Man weiß eigentlich nicht, ob man angezogen oder abgestoßen sein soll – so geht es einem auch mit dem Video zum Stück Chamber. Düster, geheimnisvoll und doch so ganz im Gegensatz zur Musik, die eine solche Lebendigkeit und schlichte Schönheit prägt, wie sie selten zu finden ist.

Eigentlich ist das keine Rezension, keine Kritik einer CD. Man fühlt sich fast nicht imstande, ein analytisches Urteil abzugeben – es gibt kein Wertesystem, dem dieses neuartige, verwirrende und gleichzeitig so spannende Konstrukt, wie es Lambert um sich, seine Person, seine Musik errichtet hat, einzuordnen wäre. Deshalb soll an dieser Stelle eine einfache Aufforderung die Kritik ersetzen: Anhören, hineinfallen.

Lambert – Lambert
Erscheint am 16. 5. 2014
Bei: Staatsakt
listentolambert.com