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Sergeant Pluck Himself – Yesterday Will Not Come Again

6
Alternative-Rock

Ein Musikkonzept mit dem Ziel alle zufrieden stellen zu wollen, zu entwickeln, ist in den meistens Fällen gefährlich. Weder Fisch noch Fleisch.

Nicht nur Fisch, um die Fleischessenden nicht zu vergraulen und nicht nur Fleisch, um auch leidenschaftliche Fischesser an den Tisch locken zu können! So fühlt es sich bei Sergeant Pluck Himself an. Unterwegs zwischen Pop und Rock stecken sie einen Bereich ab, der schon so offen und weitläufig wirkt, dass man es kaum schaffen kann den Kreis zu schließen, um letztendlich doch noch etwas Rundes heraus zu bekommen. Seargeant Pluck Himself setzt sich aber genau das zum Ziel.

Eingängige Gesangsstellen mit braven Rhythmus- oder Gitarrenabläufen wechseln sich hier mit zerfahrenen Passagen ab. Hier wird bewusst zwischen diesen beiden Formen polarisiert. Aber sobald es in eine härtere Richtung geht, fehlt das schmutzige, räudige Element. Eine Spur zu brav befördert sich ihr Album in die Ohren der Zuhörer. Nicht desto trotz ist es vom Aufbau und vom Arrangement her ein interessanter Longplayer. Mit Yesterday Will Not Come Again wagen die drei Musiker aus Österreich den Versuch und bringen das Kunststück, alle Fronten zufrieden zu stellen beinahe fertig. Portionierter Rock und Crossover oder sogar verhaltene NuMetal Passagen hieven das Album aus dem Pop-Bereich und werfen es irgendwo in der Welt des Alternative-Rocks ab. Mit dem Alternative-Rock ist es aber so eine Sache. Denn nur zu oft schwingt in diesem Genre entweder etwas Unfertiges oder aber dann auch wieder etwas Überladenes mit. Die goldene Mitte treffen nur wenige Künstler. Das Problem liegt schlichtweg darin, dass es für die Popwelt oft zu progressive und für die Alternative-Welt zu simple Momente offeriert. Der Versuch alle zufrieden zu stellen könnte deshalb in einer Sackgasse enden in der keiner der beiden Fronten so richtig warm damit wird.


Hörerinnen und Hörer die Bands wie Biffy Clyro, Dredg oder The International Noise Conspiracy auf ihren Playlists haben, werden Yesterday Will Not Come Again mit Sicherheit etwas Abgewinnen können. Das Album rutscht an manchen Stellen dann aber auch wieder in die Crossover Genres der 90er ab, was dem Ganzen einen verbrauchten oder abgehörten Stempel aufdrückt. Auch dieses Element kann man mögen und Sergeant Pluck Himself steht damit nicht alleine da. Sämtliche Bandformationen, die sich heute in diesen Bereichen bewegen, haben damit zu kämpfen. Denn in den 90ern ist Crossover derartig ausgeschlachtet und banalisiert worden, dass es heute sehr schwer ist, nicht automatisch schon im Vorfeld in die Gruppe der abgehörten Alternative-Rock Bands abzurutschen. Doch Sergeant Pluck Himself retten sich auf dem Album über betreffende Passagen durch interessantere Variationen und fügen dem Crossover-Aufguss ihre eigene bestimmte Note hinzu.

Sergeant Pluck Himself – Yesterday Will Not Come Again, LiMuPic Records, www.sergeantpluck.com