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le_mol – Aleph One

7
Post-Rock

Eines ist le_mol auf keinen Fall: aufdringlich! Das Duo wartet mit diversen elektronisch-instrumentalen Klangpassagen auf und konfrontiert den Zuhörer mit einer Entscheidung.

Ausschlaggebend dabei ist nämlich, dass sich der Zuhörer wirklich dafür entscheiden muss diese Platte hören zu wollen. Da ist nicht mehr viel Platz für anderweitige Tätigkeiten nebenbei. Man muss sich auf dieses ganze Projekt schon einlassen und sich dafür vor allem auch Zeit nehmen. Denn gerade durch eine mutige, aber auch für ihre Musik passend erscheinende, Unaufdringlichkeit läuft das Konzept Gefahr zu einer Nebensächlichkeit zu werden. Mit einem 0815 Lounge-Sampler der in Kaufhäusern zur sogenannten Fahrstuhlmusik mutiert, hat das betitelte Album Aleph One aber nichts gemeinsam. 

Le_mol gehört mit Sicherheit zu jenen Formationen, die nur in bestimmten Lebenslagen, Momenten und Stimmungen wirklich ausführlich rezipiert werden können. Das Konzept der Instrumentalisierung zieht sich durch das gesamte Album hindurch. Auf große Überraschungsmomente oder Stellen, in denen es a la Woodkid oder Get Well Soon ins Epische hinaufsteigen könnte, wartet man hier vergeblich. Denn das ist nicht der Ansatz der Band. Der Ansatz von Steigerungen und Senkungen um Abwechslung in die Musik zu bringen passiert hier vielmehr in kleinen detaillierten Variationen. An manchen Stellen wartet man deshalb auf etwas vollere Passagen, die aber schließlich doch ausbleiben. Denn le_mol bewegen sich in einer reduzierten, atmosphärischen Klangwelt.


Das instrumentale Duo, bestehend aus Herr_mol und mr_audiofeel nimmt Schlagwerk, Gitarre und diverse elektronische Klangerzeuger zur Hand. Auf ihrem ersten Langspieler präsentieren sie 7 Tracks, die sich überwiegend in einem Längenbereich von 4 bis 9 Minuten bewegen. Man könnte jetzt meinen: Wen interessiert denn schon die Länge eines Musiktitels. Hauptsache er ist gut! Richtig. Aber in diesem Fall verdeutlicht es schlichtweg die Essenz der Musiker. Denn jeder Track auf Aleph One braucht eine gewisse Zeit bis er sich entfalten kann und zu wirken beginnt. Durch einen leicht ansteigenden Aufbau, der besonders im Track Bertram ersichtlich wird, schraubt sich Musikstück für Musikstück langsam nach oben und wird von Minute zu Minute voller und vielschichtiger. Der knapp über eine Minute lange Track The Jackdaw sticht hier in seiner Kürze und Reduziertheit knapp nach der Hälfte zesurartig hervor.

Le_mol liefern mit ihrem Debüt Album eine Ansammlung an ruhigen aber keineswegs stillen Instrumentaltracks, die sich irgendwo zwischen Post Rock, Noise und Elektronik bewegen.

Aber insbesondere zwischen dem Album und dem Live-Erlebnis der Band scheiden sich die Geister. Denn druckvollere Passagen, die auf dem Album stellenweise sehr verhalten erklingen, können sich auf der Bühne vor Live Publikum erst so richtig entfalten und drücken dem Ganzen etwas Kraftvolles auf. Auf dem Album selbst schwingt dafür wiederum eine zerbrechliche Stimmung leise mit. Ein Element, das le_mol in ein zweites, ergänzendes Licht rückt. Vielleicht nicht unbedingt etwas für Neueinsteiger in diesen Bereichen, aber für aktiv hörende Fortgeschrittene ein durchaus hörenswertes und mutiges Klangwerk.

le_mol – Aleph One, Eigenverlag, lemol.bandcamp.com