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Bombay Bicycle Club – So long, see you tomorrow

9
Indie-Rock

It’s alright now, I don’t wanna wait: Obwohl Bombay Bicycle Club mit ihrem nun schon vierten Studioalbum (vier Alben in fünf Jahren!) in England sofort auf Platz eins der Charts eingestiegen sind, scheinen sie hierzulande doch noch etwas unterschätzt zu werden.

Musik für Kenner und Genießer also, die ihren ganz eigenen Charme versprüht und sich in der Sonne des Nicht-Kommerz wähnt. So long, see you tomorrow ist ja schon einmal ein interessanter, wenn auch nicht gleich für jedermann schlüssiger Albumtitel, aber Sänger Jack Steadman verrät, was es damit auf sich hat: Die ersten zwei Wörter beschreiben einen Zustand, eine Beziehung oder einfach eine Begebenheit im Leben, die schon lange anhält, mit der man sich schon ewig herumschlägt. Der zweite Teil impliziert, dass er auch morgen noch da sein soll. Sprich: Man will eigentlich etwas loswerden, alte Situationen abschließen, weiß jedoch am Abend, vor dem zu Bett gehen, dass man eben diese alte Situation erneut begrüßen werden muss. Eine stuck-in-the-moment situation also.

Wie lässt sich das jetzt aber aufs Album umlegen? Ganz einfach. Bombay Bicycle Club haben nach der absolut großartigen letzten Platte auch nun wieder ein Glanzstück hervorgebracht. Diese Sammlung an ungewöhnlichen und doch wieder für die Band typischen Liedern, Chansons, wie immer man sie nennen möchte, zeigt einfach nur erneut das herausragende Talent der Londoner Band. Der schon erwähnte Sänger Jack Steadman hat eine Weltreise unternommen, während der auch ein Großteil der Songs entstanden ist.

Im Rahmen seiner großräumig angelegten Grand Tour, wie sie in England ja historische Wurzeln hat, hat er Songs unter anderem in der Türkei, in Indien oder Japan geschrieben. Aufgenommen wurde natürlich in London, aber Inspiration sozusagen rund um den Globus gesammelt (verwiesen sei hier auf Feel, das ja eindeutig indische Inspiration zeigt). Noch dazu hat sich die Studiosituation für die Band verändert – anstatt sich in einen gedrängten Plan eines Mietstudios zwängen zu lassen, hat man kurzerhand ein eigenes kleines Studio eingerichtet, in dem fortan zu jeder Tag – und Nachtzeit aufgenommen wird.


Interessante und ungewöhnliche Tonexperimente konnte man von Bombay Bicycle Club eigentlich schon immer erwarten, aber auf diesem neuen Album wurde das Repertoire noch einmal erweitert: da tummeln sich exotische Rhythmen, verrückte Keyboards und nicht zu vergessen ein paar technoide Einschläge. Aber das ist noch nicht alles: einen schönen Popsong und das vielleicht beste Stück des Albums ist Whenever, wherever. Und das ist jetzt keine platte Neuauflage eines klischeeverhafteten Popsternchen-Hüftgewackels, sondern wirklich ein Stück, das einem das Herz aufgehen lässt. Ein verzogenes Piano macht den Einstieg und wandelt sich dann schnell zum angenehmen Ohrwurm, der dieses Album in nur noch eine weitere Richtung treibt – bis man das Gefühl hat, hier ist wirklich alles vereint. Denn noch eins wird draufgelegt: Auch weibliche Gastsängerinnen wurden an Board geholt, so singt im lieblichen Luna Rae Morris, eine aufstrebende englische Musikerin, gemeinsam das Duett. Bei So Long, See You Tomorrow hat Lucy Rose, eine schon alte Bekannte der Band, ihre Stimme verborgt.

Die abschließende Bezeichnung für dieses Album wie für das musikalische Schaffen dieser Band überhaupt muss an dieser Stelle lauten: Fabulös.

Bombay Bicycle Club – So long, see you tomorrow, Caroline / Universal