Marteria-©-Paul-Ripke

Marteria – Zum Glück in die Zukunft II

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Hip Hop

Marteria, eigentlich Marten Laciny und auch unter dem Namen Marsimoto bekannt, startet mit seinem neuen Album Zum Glück in die Zukunft II und eine anschließende Tour krachend durch.

Der Rostocker Rapper kam über seinen acht Jahre älteren Bruder zum Rap – da waren noch Run DMC, Public Enemy & Co auf dem Programm. Vor guten zehn Jahren beschließt Marten jedoch, selbst das Handwerk auszuüben und macht sich an die Arbeit: mit Freunden wird gemeinsam gefreestylt, bis er sich schließlich anno 1997 den Beinamen „Marteria“ als Fortsatz seines Vornamens bastelt. Dieser Weg in Richtung Musik und Bühne wird interessanterweise unterbrochen, als er sich nach New York begibt: Ein Modelscout wird fündig und Marteria neues Objekt der Begierde für Hugo Boss & Co. Aber es zieht ihn immer wieder zurück – zurück nach Deutschland und vor allem zurück zur Musik. Es wird weiterhin aufgenommen, gemeinsam gearbeitet (mit Dead Rabbit, mit Warn Direct). Scheinbar hat man es hier wirklich mit mehreren Persönlichkeiten zu tun, das erste Album wird unter dem Namen Marsimoto aufgenommen, nebenbei aber an Marteria-Projekten gearbeitet sowie geschauspielert (nach Schauspiel-Ausbildung). Und endlich ist es aber soweit: mit dem neuen Jahr 2014 präsentiert Marteria sein fein ausgefeiltes Album.

Schnuppert man einmal hinein in diese Platte, muss man von Vorneherein festhalten, dass die Themen festgelegt sind und sich so eigentlich von Cro & Co nicht sehr weit entfernen. Da gibt es das „Marteria-Girl“ (sollte man dieses Wortspiel anschmunzeln oder doch eher kritisch beäugeln?), das natürlich vom Superstar nicht genug kriegt, da gibt es die durchzechten Nächte, die tollsten Nike-Boots der Welt (denn sich zu einer Marke zu outen ist todschick, sais pas!) und noch viele, viele Sujets, die eigentlich nicht weltbewegend sind, aber doch zur Unterhaltung beitragen. Aber so über Marterias Album zu sprechen, wäre eigentlich verkehrt. Was ihn von Cro, wenn man den Vergleich hier schon gebracht hat, unterscheidet, ist, dass jener im Vergleich zu Marteria wohl noch sehr grün hinter den Ohren daherkommt. Marteria hat die Welt schon gesehen – sagt er zumindest. Nagut, man glaubt es ihm auch. Herumgereist ist er, seine raue, zwar wenig veränderbare, aber durchaus für HipHop geeignete Stimme unterstreicht dieses Weltmanns-Image.


Und um noch eins draufzulegen: Die Wortspielereien (mögen sie teilweise auch in Frauenfeindlichkeiten enden) sind gespickt gewählt und wirklich durchdacht. Der Grat zwischen abgeschmackt und intelligent ist in solch doch manchmal dick auftragenden Texten, die ihren Hang zum Macho dann doch oft nicht verhehlen, sehr schmal: im Endeffekt muss man sich schon für diese Art von HipHop begeistern können, bzw. für HipHop im Großen und Ganzen, um das Album in vollen Zügen genießen zu können. Er macht keine Mädchenmusik, das sagt er ja auch ganz offen. Nun denn – jeden Tag braucht nicht mal ein Mädchen Mädchenmusik. Deshalb: Geht in Ordnung.

Dazuzusagen bleibt nur noch, dass dieser Platte große Namen Pate gestanden haben: Peter Fox, Jan Delay und auch Casper hat es sich nicht nehmen lassen, einen Gastauftritt hinzulegen. Hätte man sonst gar keinen Zugang, würde es sich wohl allein deshalb lohnen, mal hineinzuhören. Oder aber anders gesagt: Hätte Marten für seine echten Fans auch nicht einmal nötig gehabt, die nehmen ihm die Hits auch so ab.

Marteria – Zum Glück in die Zukunft II, Four Music, www.marteria.com