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The unofficial Bill Murray’s Guide to Whisky without permission from Bill Murray

In Österreich ist bekanntlich unser heiliges Bier der Eckpfeil heimischer Gemütlichkeit. Doch „Amerikas natürliche Spirituose“ ist der Bourbon. Und damit das nicht nur eine leere Behauptung ist, hat das sogar der Kongress 1964 beschlossen. 

Nach der Käseniederlage und einem flüchtigen Augenkontakt mit Bill Murrays vertrauensvollem Gesicht wird eines schnell klar: das „charakteristische Produkt der Vereinigten Staaten“, ein Whisky, muss her. Ein flinker griff in die Tasche und schon ist der verdächtige Flachmann in der Hand. Ein kleiner Schluck und man wundert sich. Es ist zwar der gewohnte runde und vollmundige Whiskygeschmack, aber da ist auch noch die Süße natürlichen Honigs dabei. Selbst der Geruch gibt ein feines Honig-Aroma von sich. Irritiert macht man gleich noch einen Schluck (oder mehrere). Der Chefredakteur wird schon misstrauisch, ob der torkelnden Haltung selbst im Scheibtischsessel und des lallenden Geredes am Telefon obwohl niemand angerufen hat. Man faselt was von Hunter S. Thompson, Gonzo-Journalismus und Erfahrungen sammeln, dann stürmt man aus dem Büro.

Ein Zeitsprung, ein Aussetzer, der am nächsten Tag vermutlich mit einem verheerenden Kater belohnt wird, aber im derzeitigen Zustand denkt man nicht an Morgen. Plötzlich sitzt da Bill alias Bob gespielt von Bill (Anmerkung des wieder nüchternen Redakteurs: Bob Harris war Bill Murrays Charakter in Lost in Translation) am selben Tisch. Ein stilvoller Toast und schon geht die nächste Runde dahin. Ständig die nagende Frage: Wieso schmeckt mein Whisky nach Honig? Trotzdem trinkt man weiter, schließlich ist man Schriftsteller, da gehört sich das (und was gut genug für den Protagonisten des Debütromans ist, ist auch gut genug für den Autor), noch dazu wenn man in so feiner Gesellschaft sitzt. Bill-Bob kann man nichts abschlagen. Diese schelmischen Augen, das leichte Schmunzeln … 

Zu Hause dann die aufsteigenden Engel und weit und breit kein Bär, der sie vertreibt. Sie klauen einem den Whisky. Diese Halunken genehmigen sich einfach was von der verdunsteten Flüssigkeit (wieder der Nüchterne: als „Angel’s Share“ bezeichnet man den Teil der Flüssigkeit, der beim Reifeprozess verdunstet, die fehlende Menge, die sich die Engel behalten und genießen). Aber nicht von meinem Whisky, nicht in diesem Haus. Mit ein paar geübten Karateschlägen (so kommt es einem zumindest vor), sind sie vertrieben. Endlich greift man zur heimischen Flasche, um den Grund des Honiggeschmacks herauszufinden und wundert sich, warum da nur mehr so wenig drinnen ist. Ist auch schon egal, der nächste Tag wird ohnehin eine Katastrophe biblischen Ausmaßes, da kann man auch gleich noch den Rest dieses klar und strahlenden Jim Beam Honey trinken.

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