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Oktober November

Fünf Jahre nach dem Oscar nominierten Drama Revanche legt Götz Spielmann mit Oktober November wieder einen Film vor, der in der österreichischen Provinz spielt.

Die Handlung des neuen Films von Götz Spielmann dreht sich um die Schwestern Verena und Sonja, die in einem kleinen österreichischen Dorf aufgewachsen sind. Sonja (Nora von Waldstätten) lebt in Berlin und ist Schauspielerin, Verena (Ursula Strauss) übernahm die Pension der Eltern, ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn. Die Mutter ist tot, dem Vater (Peter Simonischek) geht es nach einem Herzinfarkt gar nicht gut und es gibt noch einen Landarzt … Was anfänglich wie der Plot eines kitschigen Heimatfilmes klingen mag, entwickelt sich zu einem stillen Film über festgefahrene Familienmodelle, Liebe, Tod, Identität und Träume.


Ursula Strauss in der Rolle der Verena ist ohne Zweifel unzufrieden, versucht aber die Maske nicht zu verlieren. Sie hat ein Leben hingenommen, das durchschnittlich ist und unternimmt nun einen kleinen Versuch auszubrechen, indem sie eine Affäre mit dem belesenen Arzt des Dorfes beginnt. Ob sie sich entschließt ihre Familie zu verlassen lässt der Regisseur offen, doch es ist auch nicht wichtig. Verena ist eifersüchtig auf die kleine Schwester, die frei ist und unbedarft tun und lassen kann was sie will. Sie trägt scheinbar keine Verantwortung und erlebt oberflächlich ein erfolgreiches Leben.

Anfangs wirkt die Familie wie eine normale Dorffamilie, eine der Töchter nimmt sich dem Betrieb der Eltern an, die andere, eine Rebellin, zieht los um sich selbst zu verwirklichen. Langsam bröckelt die Fassade und man kann ein wenig hinter die unehrliche und unglückliche Familienkulisse blicken, in der zwei Frauen, in der Blüte ihres lebens sich fragen wer sie sind und wo sie stehen. Der Tod des Vaters wird erwartet, währenddessen wird nach und nach reiner Tisch gemacht.

Ein wichtiges Thema ist dabei der Tod, der den Vater bedroht. Dieser begegnet ihm scheinbar furchtlos, er möchte loslassen, sein letztes Geheimnis loswerden und gehen. Die Töchter leiden darunter ihn leiden zu sehen, versuchen ihm Mut zuzusprechen. Auf der anderen Seite spürt man auch eine Erleichterung, als der Kampf beendet ist und vieles gesagt wurde, was gesagt werden musste.

Oktober November lebt vor allem von der schauspielerischen Leistung der Hauptdarsteller und von den bildgewaltigen Aufnahmen vom Dorf in den Alpen. Durch die herbstliche Landschaft erhält der Film von allein die geeignete Stimmung für den Plot. Die Geschichte ist melancholisch, still und unaufgeregt, Götz Spielmann selbst bezeichnet sie als „episches Kino, als Kammerspiel.“

Regie und Drehbuch: Götz Spielmann
Darsteller: Nora von Waldstätten, Ursula Strauss, Peter Simonischek, Sebastian Koch, Johannes Zeiler
Laufzeit: 114 Minuten, Kinostart: 08.11.2013,
www.oktober-november.at
gezeigt im Rahmen der Viennale V’13