Placebo-©–Kevin-Westenberg

Placebo – Loud Like Love

Eine eingängige Gitarre zupft verzerrt eine Melodie, die schnell ins Ohr geht, bevor sich dann das Schlagzeug dazugesellt. Und schon kommt auch Brian Molkos Stimme dazu – eine Mischung, die uns nun schon seit 20 Jahren gut bekannt und jetzt auch schon altbewährt präsentiert wird…

Loud like love heißt das neue, im September dieses Jahres auf den Markt gelangte Album der großen Band Placebo. Groß sind sie in vielerlei Hinsicht: Eine Bandgeschichte, die sich sehen lassen kann, Höhen und Tiefen hat’s gegeben und nichtsdestotrotz ist kein Ende in Sicht. Auch wenn mit dem letzten Werk Battle for the sun eine vermeintlich rastlose, daherbretternde Stimmung vermittelt wurde und die einzelnen Singles – zur Missgunst vieler Fans – auch kommerziell größeren Anklang gefunden haben, ist Placebo doch nach wie vor eine Band geblieben, die trotz ihres breiten Erfolges den extravaganten Touch nicht ablegen muss.

Dass Brian Molko jetzt Vater ist und das womöglich Auswirkung auf sein Musikschaffen genommen hat, ist vielleicht ein banaler Schluss: Und doch scheint er zu stimmen. Wie gesagt erhält schon das Album einen Titel, der eigentlich schöner nicht formuliert sein kann. Am Kitsch vorbei trifft diese einfache, drei Wörter beinhaltende Beschreibung seiner selbst mitten ins Schwarze. We are just loud like love.

So richtig laut wird es dann am Album nicht wirklich, es plätschert eher ein bisschen dahin, in teilweise gewohnter Placebo-Manier mit raunzig-melodischer Stimme Molkos und dem schon erwähnten, schlicht und trotzdem in seiner Einfachheit immer wieder überzeugenden Mischung aus einfach nur Gesang, Gitarre und Schlagzeug. Hat man wie Placebo schon eine jahrelange Karriere hinter sich, ist es nicht verwunderlich, wenn so manch neuer Track dann an etwas Altes anknüpft – teilweise lösen nur einzelne Wörter oder Töne im Kopf schon im Sekundenbruchteil eine Verbindung zu einem älteren Stück aus. Wahrscheinlich ist das der Grund, wieso diese neue CD Anklang findet oder sich zumindest daran erinnern lässt, wieso Placebo eine der größten Bands unserer Zeit ist. Sich ein eigenes musikalisches Repertoire zu schaffen, das wirklich einzigartig in seiner Art ist, ist an sich eigentlich das größte Verdienst.


Dass man sich in Angesicht der heutigen gesellschaftlichen Probleme vor seiner Aufgabe als Vorbild bzw. Meinungsbildner nicht entziehen darf, ist auch klar: Also wird in Too many friends das allzu bekannte Problem der virtuellen Freundschaften (na kommt schon, liked das mal auf Facebook) thematisiert, sowie in Rob the Bank die finanziellen Machenschaften korrupter Unternehmen angeklagt. Rein das Gefühl sagt einem aber beim Zuhören, dass das nicht der wirkliche Kern dieses Albums ist. Vielmehr findet man Placebo dann in Bosco, wo von zwischenmenschlichen Beziehungen die Rede ist, das Spezialgebiet also. Das Album scheint, auch wenn es in vielerlei in die alten Fußstapfen tritt – und so auch von Brian Molko bestätigt – doch eine kleine Abwendung vom Nihilismus der letzten Werke hin zu einer immerhin angedeuteten Sinnsuche zu sein.

Man hält hier nicht das Meisterwerk des großbritannischen Trios in Händen, nichtsdestotrotz ist es eine anschauliche Platte geworden. Vielleicht wird man aber auch nur schon ein bisschen vorsichtig, ein bisschen nachgiebig in Zusammenhang mit solchen einst großartigen Bands, die nur allzu oft in späteren Schaffensjahren entweder zu erfolgsverwöhnt auf die I don’t care- Schiene abrutschen oder von einem Wolf namens Kommerz gefressen werden: Man freut sich einfach, wenn es nicht völlig daneben geht. 

Placebo – Loud Like Love, Vertigo/Universal Music, www.placeboworld.co.uk