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Exit Marrakech

In Exit Marrakech schickt Oscar Preisträgerin Caroline Link ihre Protagonisten wieder einmal nach Afrika. Hier sollen Vater und Sohn, die bisher wenig miteinander zu tun hatten, den Sommer miteinander verbringen. Damit die Geschichte so vorhersehbar wird wie sie ist, hätte sie allerdings nicht unbedingt in Marokko spielen müssen.

„Schau, das du was erlebst“, mit diesen Worten schickt der Lehrer Dr. Breuer (Josef Bierbichler) das 17-jährige talentierte Sorgenkind Ben (Samuel Schneider) in die Schulferien. Kurz darauf bricht Ben nach Marokko auf, um dort seinen Vater Heinrich (Ulrich Tukur) zu treffen. Heinrich ist ein erfolgreicher Theaterregisseur und inszeniert gerade ein Stück bei einem Theaterfestival in Marrakech. Doch so fremd, wie das Land für Ben ist, ist ihm auch sein Vater.


Heinrich ist mit Ben überfordert und erwartet, dass sich dieser seinem Leben und seinen Gewohnheiten hier in Marrakech anpasst. Er hat kein Interesse das Land außerhalb seiner Hotelanlage zu erkunden und überhaupt sei „die Phantasie viel besser als die Wirklichkeit“. So verbringt er seine Freizeit cocktailschlürfend am Pool und vertieft sein Wissen über Marokko ausschließlich mit Lektüre. Ben steht mit seinem jugendlichen Entdeckungsdrang, sowie einer sich aus einer gewissen Gleichgültigkeit ergebenden Offenheit für jedes Abenteuer dieser Ansicht konträr gegenüber. So streift er durch enge Gassen und Bazare, fotografiert neue Eindrücke und raucht fleißig Joints.

Der Film schlägt sich immer mehr auf die Seite Bens, also den sinnlichen Zugang zur Umwelt und verwehrt eine intellektuelle Auseinandersetzung weitestgehend. In diesem Sinne werden auch gesellschaftskritische Themen – von der Stellung der Frau bis zur Tabuisierung von Homosexualität und Prostitution – wahrgenommen aber nicht kritisch behandelt. Dieser eigentlich interessante Ansatz, nicht zu allem eine Meinung haben zu müssen, verkommt allerdings zur Oberflächlichkeit, vor allem da die Themen für die Handlung irrelevant bleiben und beliebig wirken. Manche Ereignisse dagegen scheinen konstruiert und sind wahnsinnig vorhersehbar. Oder wozu ist Ben sonst zuckerkrank, wenn nicht dazu, im unpassendsten Moment kein Insulin mehr bei sich zu haben.

In einem Club lernt Ben schließlich die Prostituierte Karima (Hafsia Herzi) kennen und begleitet sie spontan auf ihrer Fahrt zu ihrer Familie in ein kleines Bergdorf. Nachdem der besorgte Heinrich seinen Filius wieder aufgeklaubt hat, sind Vater und Sohn auf der gemeinsamen Rückfahrt im Auto das erste Mal richtig gezwungen, sich miteinander auseinanderzusetzen. Wie in den meisten Filmen Caroline Links, steht auch in Exit Marrakech die Auseinandersetzung mit der eigenen Familie bzw. den familiären Wurzeln im Zentrum. Aber auch hier wird nicht tief genug gegraben, und die Figuren und ihre Probleme bleiben schal.

Am Ende des Film erreichen Heinrich und Ben über Umwege schließlich das Meer, wo Ben das erste mal seine kleine Halbschwester kennenlernt. Rührend, aber ohne den zu befürchtenden Kitsch endet die Reise von Vater und Sohn. Irgendwie gewachsen und gereift, glücklich aber verändert lächeln sich die Beiden zu. Wie es zu diesem Reifungsprozess gekommen ist, bleibt dem Zuseher aber rätselhaft.

Exit Marrakech nimmt den Kinobesucher auf eine Entdeckungsreise in die arabische Welt mit, allerdings auf jene für Durchschnittstouristen. Trotz guter Bilder und stimmiger Momente ist das meiste schon bekannt und droht Klischees zu bestätigen. In Summe bleibt der Film zu vorhersehbar und bezieht zu wenig Stellung um die angedeuteten Konflikte relevant zu gestalten.

Regie & Drehbuch: Caroline Link
Darsteller: Ulrich Tukur, Samuel Schneider, Hafsia Herzi, Josef Bierbichler
Laufzeit: 122 Minuten, Kinostart: 25.10.2013, exitmarrakech.de