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Kings of Leon – Mechanical Bull

Plötzlich kam er, der ersehnte Erfolg. Aufmerksamkeit, größere Konzerte und massenhaft neue Fans waren die Folge. Dann machten Kings of Leon unerwartet negative Schlagzeilen. Fast hätte man geglaubt, das wäre es mit der Band gewesen. Doch manchmal kommt es anders, als man denkt…

Gefüllte Stadien und breites mediales Interesse waren die Folge, als Kings of Leon 2008 das Album Only By The Night veröffentlichten. Plötzlich wurde aus der kleinen Familienband, die zuerst in der heimischen Kirche in Nashville musizierte und sich danach von der Garage, in kleinere Hallen spielte, eine erfolgreiche Rock Band. Fans schrien hysterisch zu den Charthits Sex on Fire und Use Somebody mit. Die Familie Followill wechselte von ihre Hippie-Outfits, in enge Röhrenjeans und Lederjacken und den bluesigen Rock’n’Roll Sound von Youth And Young Manhood (2003), Aha Shake Heartbreak (2004) und Because Of The Times (2007) in Stadien- und massentauglichen Rock. Fans der ersten Stunden murrten auf und waren sich nach der letzten Veröffentlichung Come Around Sundown (2010) fast sicher, dass es das mit den Kings of Leon der ersten Stunde war.

Kings-of-Leon-©--Ross-Halfin

Mit dem Erfolg kam für die Musiker dann noch reichlich Sex und Drugs zum Rock’n’Roll. Nachdem Sänger Caleb im Juli 2008 bei einem Konzert in Texas unerwartet die Bühne verließ und nicht mehr zurück kam, war zuerst von Stimmproblemen und danach vom internen Bruch die Rede. Die Band entschied sich für Rückzug, Familienplanung und Freizeit. Viele hätten nicht mehr mit einem Album gerechnet.

Nun musiziert Familie Followill aber doch wieder gemeinsam. Auf Mechanical Bull zeigt die Band, dass sie die Pause dringend gebraucht hat, um wieder an den Punkt zu kommen, an dem die Freude an der eigenen Musik wieder im Mittelpunkt zu stehen scheint.


Gleich vorweg: Wer auf Mechanical Bull nach einem Taper Jean Girl oder nach Molly’s Chambers Ausschau hält, wird enttäuscht werden. Von der Ausgelassenheit der ersten Stunde ist wenig übrig. Vielmehr zeigt das neue Album, dass Kings of Leon ihr Handwerk verstehen. So geht es auf dem ersten Song und zugleich der ersten Single Supersoaker gewohnt rockig und fast schon nostalgisch zu. Mit Don’t Matter zeigt die Band, dass sie nicht nur schmachtende Balladen schreiben können. Die Nummer überzeugt mit starken Drum-Parts von Nathan Followill, der auch auf Coming Back Again, zeigen kann, dass er mehr in ihm steckt, als in den Background Vocals unterzugehen.

Doch es gibt auch Störelemente auf der neuen Platte: So wirkt Calebs Gesang an manchen Stellen nicht nur zu leise, sondern auch zu glatt. Außerdem bedient sich die Band eindeutig an zu vielen „Uuuh’s“ und „Aaaaahhh’s“. Doch am Ende des Albums stellt man fest, dass Mechanical Bull funktioniert. Die Mischung aus leisen und rauen Tönen geht harmonisch ineinander über. Es wirkt nichts gekünstelt und vor allem nichts überproduziert. Vielmehr zeigen Kings of Leon ihre Leidenschaft zur Musik.

Zwischen Youth And Young Manhood und Mechanical Bull liegen 13 Jahre und reichlich Erfahrungen. Verständlich, dass die Band nicht mehr wie zu Beginn ihrer Karriere klingt. Kings of Leon ist es gelungen sich vom Druck – erfolgreich zu sein – zu befreien und mit Mechanical Bull ein reifes Southern-Rock Album zu veröffentlichen, das zeigt, dass Totgeglaubte meist doch etwas länger leben.

Kings of Leon – Mechanical Bull, RCA/Sony Music, www.kingsofleon.com