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Lost Place (3D)

Die Knickerbocker-Bande ist groß geworden und kommt beim Schatzsuchen im Pfälzer Wald in üble Schwierigkeiten. So könnte man Lost Place lakonisch zusammenfassen. Thomas Brezinas Jugendbuchreihe erweist man mit diesem Vergleich allerdings keine Ehre.

Daniel (François Goeske) verabredet sich mit seiner Internetbekanntschaft Elli (Jyte-Merle Böhrnsen) zum Geocaching, der modernen GPS-Schnitzeljagd, im Pfälzer Wald. Im Schlepptau haben beide ihre jeweils besten Freunde Thomas (Pit Bukowski) und Jessica (Josefine Preuß). Als die vier Jugendlichen ihren Zielort erreichen, finden sie einen verlassenen Campingplatz vor und werden vom leisen Gefühl beschlichen, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Untermauert wird dies vom ansässigen Verschwörungstheoretiker im Schutzanzug, der mysteriöse Wolkenformationen in der Gegend dokumentiert und sie vor gefährlichen Strahlen warnt, die von einer US-Militärstation im Wald ausgesendet werden. Die Jugendlichen sehen sich nun mit einer unsichtbaren Gefahr konfrontiert, vor der es scheinbar kein Entkommen gibt.

Es ist wirklich ziemlich schwer, Lost Place etwas Positives abzugewinnen. Die Handlung läuft nach Schema F ab: Ein paar Freunde fahren in den Wald und entdecken dort Unheimliches. Der einzige Unterschied zum klassischen Backwood-Slasher ist, dass hier nur sehr wenig Blut fließt und dass die paar Spannungsmomente, die der Film sich mühsam abringt, dermaßen konstruiert und vorhersehbar sind, dass sie im Grunde schon im Keim ersticken. Das Potential, das rein dramaturgisch im Umgang mit einer unsichtbaren Bedrohung möglich ist, verschenkt der Streifen gänzlich. Beklemmung und Hilflosigkeit sind höchstens flüchtig in der Figurenzeichnung zu sehen und dementsprechend auch kaum nachzufühlen. Ansatzweise erschreckend ist Lost Place so allerhöchstens für Menschen, die mit ihrem Mobiltelefon symbiotisch verwachsen sind.

Dass die ganze Geschichte von vorne bis hinten vorhersehbar ist, macht Lost Place zusätzlich zur Schnarchnummer. Überraschend ist lediglich, wie dermaßen unlogisch ein Film gestaltet werden kann, der sich auf wissenschaftliche Theorien stützt und mit welchen Blödsinnigkeiten sich die Filmemacher erdreisten, das Publikum zu beleidigen.

Fakt ist, dass man aus dem Grundkonzept des Films, aus der Verschwörungstheorie (auch wenn als Sündenböcke mal wieder die armen Amis herhalten müssen) und den unsichtbaren Strahlen, mit etwas Intelligenz und ein wenig Mut zur Abweichung vom Mainstream, viel mehr machen hätte können. Leider war wohl einmal mehr die Konzentration auf die technischen Aspekte (und das unnötige 3D) viel zu sehr im Vordergrund, wo eine ausgefeilte Story und sympathische Charaktere stehen sollten. Deshalb ist Lost Place fast als Totalausfall zu bezeichnen.

Einen halben Punkt gibt es dennoch für das realistische Kotzen eines der Darsteller (ein Reflex, dem man sich angesichts der vielen Stumpfsinnigkeiten auch als Zuschauer manchmal erwehren muss) und einen halben für die Sound- und Bildeffekte. Der Rest des Films verflüchtigt sich so schnell in den Äther, dass ganz bestimmt keine schädlichen Belastungen beim Konsumenten zurückbleiben – außer vielleicht das ungute Gefühl, für Lost Place Geld und Lebenszeit verschwendet zu haben.

Regie: Thorsten Klein, Drehbuch: Thorsten Klein, Lena Vurma
Darsteller: François Goeske, Jyte-Merle Böhrnsen, Pit Bukowski, Josefine Preuß, Falk Geisinger
Laufzeit: 101 Minuten, Kinostart: 20.09.2013