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White House Down

Möchte man Hollywood Glauben schenken, dann hat das Weiße Haus 2013 gute Chancen zum unsichersten Arbeitsplatz der Welt gewählt zu werden. Nach Olympus Has Fallen (zur Kritik) kommt mit White House Down nämlich heuer schon der zweite Actionfilm in die Kinos, der als Kampfschauplatz den amerikanischen Präsidentensitz hat.

Diesmal nahm kein Geringerer als Roland Emmerich auf dem Regiestuhl Platz und mit dem Oeuvre des Wahlamerikaners Vertraute dürften schon ahnen, was dabei zu erwarten ist, nämlich eine Materialschlacht der Superlative und ein Höchstmaß an (zivilen) Opfern.

Die Handlung ist dementsprechend nebensächlich und deshalb auch schnell erzählt. Der junge Kriegsveteran Cale (Channing Tatum) möchte unbedingt beim Secret Service anheuern, um den Präsidenten (Jamie Foxx) zu schützen. Die gewünschte Beförderung springt zwar nicht heraus, immerhin darf er jedoch mit seiner ihm entfremdeten elfjährigen Tochter Emily (Joey King) eine Führung durchs Weiße Haus machen und hofft dadurch Vaterschafts-Bonuspunkte zu ergattern. Dummerweise findet die Führung just an jenem Tag statt, an dem das Weiße Haus von einer internationalen Verbrecherorganisation gestürmt wird und Cale muss in weiterer Folge nicht nur seine Tochter aus der Geiselhaft befreien, sondern auch den Präsidenten retten und nebenbei im Prinzip die ganze Welt.


Aus dem Westen nichts Neues, kann man folgerichtig schließen. Tatsächlich ist White House Down von Anfang bis zum Ende dermaßen mit Plattitüden, Klischees und abgeschmacktem Einzelkämpfer-Heroismus vollgestopft, dass kaum noch Raum für Anderes bleibt. Der amerikanische Patriotismus quillt aus allen Ritzen und die Sprüche der Protagonisten sind dermaßen hohl, dass sie einen sehr schalen Nachgeschmack hinterlassen.

Ein tragfähiges Konstrukt ergibt das freilich nicht, zumal die Charaktere eindimensional bleiben und hauptsächlich als One-Liner-Lieferanten dienen. Channing Tatum bemüht sich redlich, will als Retter der Nation aber nicht so richtig zünden, Jamie Foxx fühlt sich eindeutig in Cowboystiefeln wohler und ist als Präsident fehlbesetzt und dass James Woods hier im falschen Film ist, lässt sich stellenweise deutlich an seinem Gesicht ablesen. Einzig Maggie Gyllenhaal schafft es, so etwas wie Glaubwürdigkeit und Seriosität mitzubringen, bleibt mit ihrer Rolle aber eher im Hintergrund.

Dass White House Down kein Totalausfall ist, dafür sorgt immerhin die Action, denn Weltuntergangs-Spezialist Emmerich weiß, wie man es gewaltig krachen lässt und das macht – neben einigem an unfreiwilliger Komik – auch den Unterhaltunsgwert des Films aus. Marmorsäulen, antike Einrichtungsgegenstände und ganze Gebäudekomplexe werden genussvoll zerstört, Hubschrauber vom Himmel geschossen und Bösewichte reihenweise umgenietet. Außerdem macht es durch den Mangel an sinnvoller Handlung auch gar nichts, wenn man eine halbe Stunde zu spät ins Kino kommt, zwischendurch mal aufs Klo muss oder einschläft – solange man pünktlich zur Materialschlacht anwesend und wach ist, versäumt man nichts und kann dem Geschehen problemlos weiterhin folgen.

Es gilt also: Wo Emmerich draufsteht, ist auch Emmerich drin. Das heißt die amerikanische Flagge wird bei jeder Gelegenheit geschwenkt, Heldenmut und Pathos halten einander im Würgegriff und Klischees begegnen einem auf Schritt und Tritt. Die Frage ist nur: Braucht das heute noch jemand, in Zeiten, in denen Heldenfiguren dreidimensional – mitunter auch zweifelhaft – sein dürfen, Action und Anspruch einander nicht ausschließen müssen und eine bloße Aneinanderreihung von abgeklopften Sprüchen als Drehbuch eigentlich nicht mehr ausreicht?

Regie: Roland Emmerich, Drehbuch: James Vanderbilt
Darsteller: Channing Tatum, Jamie Foxx, Maggie Gyllenhaal, James Woods, Joey King
Laufzeit: 131 Minuten, Kinostart: 06.09.2013, www.whitehousedown.de




  • Chris
    • Marco

      Drei absolut berechtigte Fragen, die dieses Plakat stellt 😉

  • Karin

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht so ganz, warum sich Emmerich immer dermaßen auf den amerikanischen Nationalstolz berufen muss.

    Für mich sind seine Filme nicht als satirische Überhöhung zu sehen, weil am Schluss, wenn man alles andere wegrechnet, immer die Message bleibt: Wir als Nation sind stark und können durch die Kraft von Einzelnen jeder Bedrohung von außen Herr werden. Da steckt keine Spur Kritik oder Selbstironie drin.
    Am Deutlichsten wird das, wenn man „Independence Day“ beispielsweise mit „Mars Attacks!“ vergleicht.

    • Marco

      das versteh ich auch nicht, aber es ist komisch, dass zwei der „patriotischten“ Filmemacher eigentlich Deutsche sind (Emmerich und Peterson).

      Für mich sind sie auch keine Satiren oder ironische Kritik am Patriotismus, seh das genau so wie du.
      Wobei ich zugeben muss, Independence Day zählt für mich zu jenen „guilty pleasures“, die ich mir trotz aller schwächen und mängel immer wieder gern anschaue 😉

    • Karin

      Vielleicht ist das ja die Greencard-Auflage für die Beiden.. ;)Und
      bezüglich „guilty pleasures“ gibts Schlimmeres. Ich kenne zum Beispiel
      jemanden, der an keinem Syfy-Monsterschrottfilm vorbeikommt – eine
      entfernte Bekannte natürlich, ähem…

    • Marco

      stimmt, das könnte durchaus sein.

      eine entfernte Bekannte also? 😉
      aber ja, ich hab auch schlimmere guilty pleasures als Independence Day, gehört ja auch dazu, das man sowas hat.

  • Marco

    Hatte mal vor einer Weile eine Diskussion mit einem Kumpel, der meint, dass Emmerichs Filme stets deshalb so übertrieben patriotisch sind, weil er sich insgeheim lustig darüber macht, indem er es ins lächerliche steigert.
    Ob der Film unter solch einem Gesichtspunkt besser wird?
    Ich weiß nicht, ich seh das nicht so wie mein Kumpel, dafür halte ich seine Filme für zu ernst gestaltet.