Pain-&-Gain-©-2013-Universal-Pictures

Pain & Gain

7
Satire

„Unfortunately this is a true story“ heißt es gleich am Anfang von Pain & Gain, wo es um drei Bodybuilder geht, die Mitte der 90er-Jahre in Miami ihr Unwesen treiben. Michael Bay beweist, dass er tatsächlich mehr kann, als unübersichtliche Materialschlachten.

Sie sind muskulös, tätowiert, eingeölt. Sie tragen enge Shirts, daten heiße Chicks und sie brauchen Geld. So entführen die drei Bodybuiler Daniel (Mark Wahlberg), Paul (Dwayne Johnson) und Adrian (Anthony Mackie) einen reichen Kunden aus ihrem Fitnesscenter, um sein Vermögen zu erpressen. Als es dem Trio gelingt, die nötigen Papiere unterschrieben in Händen zu halten, versuchen sie ihr Opfer Victor Kershaw (Tony Shalhoub) zu töten, was sich als schwieriger herausstellt als angenommen und misslingt. Sie verprassen in der Zwischenzeit das erpresste Geld und müssen schnell einsehen, dass der nächste Millionär her muss. Durch einen blöden Zufall mit der Hantelbank kommen die drei in Schwierigkeiten, die sie schwer zu meistern im Stande sind, vor allem deshalb, weil sie immer wieder unter Beweis stellen, dass sie auf dem Gebiet des Verbrechens hoffnungslose Stümper sind. 


Die (wahre) Geschichte basiert auf einer Artikelserie, die der Reporter Pete Collins über die sogenannte „Sun-Gym“-Gang geschrieben hat. Dem Regisseur Michael Bay ist mit Pain & Gain eine wahnwitzige Chaos-Komödie über drei (anfangs Hobby)-Gangster gelungen, die vor allem aufgrund ihrer Absurdität großen Spaß macht. Turbulente Szenen wechseln mit Zeitlupeneinstellungen und Rückblenden. Die vermeintlichen Helden des Filmes werden bloßgestellt, ihre Dummheit und Ungeschicktheit werden zur Schau gestellt. Nicht nur, dass die geplante Entführung mehrmals schief geht, auch das Gefängnis, in dem sie ihr Opfer festhalten, ist eine Lagerhalle voller Sexspielzeuge. Kershaw entpuppt sich als hartnäckiger als vorerst gedacht, die Entführer wirken ein wenig überfordert und so wird auch die Folterung zu einem grotesken Katz- und Mausspiel.

Die Darsteller, allen voran Mark Wahlberg, schaffen es aus dem eigentlich ernsten Stoff eine satirische Komödie zu machen, die durch ihre tollpatschigen Protagonisten stellenweise zum Brüllen ist. Der Regisseur arbeitet mit, für einen Actionfilm ungewöhnlich häufigen, Zeitlupeneinstellungen. Die Momente werden gedehnt, die Mimik der Personen wird groß in Szene gesetzt. Was anfangs noch witzig wirken mag, wirkt ab der zweiten Hälfte eher zerdehnt und der Spannungsbogen kann nur schwer gehalten werden.

Zusätzlich wechselt Pain & Gain häufig zwischen haarsträubend skurrilen Momenten und beinahe schockierend brutalen Szenen, was zwar einen, zugegebenermaßen interessanten, aber manchmal auch etwas inkonsistenten Handlungsverlauf ergibt. Trotzdem muss man zugeben, dass Bay eine durchaus unterhaltsame, lustige, vielleicht ein wenig infantile Komödie gelungen ist, die auf jeden Fall Spaß macht und auch mit den ein oder anderen originellen Einfällen aufwarten kann. Michael Bay ist mit Pain & Gain ein überraschendes Highlight seiner Filmografie gelungen. 

Regie: Michael Bay, Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely
Darsteller: Mark Wahlberg, Dwayne Johnson, Anthony Mackie, Tony Shalhoub, Rob Corddry, Ed Harris
Laufzeit: 129 Minuten, Kinostart: 23.08.2013, www.painandgain.at




  • Marco

    Ich war sehr überrascht von diesem Film. Hätte mir nicht gedacht, dass Michael Bay mal tatsächlich einen guten Film macht (und ich das auch zugeben würde 😉
    Aber Pain & Gain war wirklich gut, zwar auch sehr eigenwillig, gerade in der Mischung aus Humor und Brutalität. Einige sehr originelle Idee. Wahlberg passt gut, aber es ist vor allem Dwayne Johnson, der hier allen die Show stiehlt. Aja und Ed Harris ist allerdings total unnötig.
    Sehr empfehlenswerter Film, der sich auch selbst nicht zu ernst nimmt, aber durchaus gut erzählt ist.

    • Chris

      Ja, wenn man bedenkt, das der Film laut Bay ein Herzensprojekt war, das er seit langer Zeit machen wollte (Vergleich zu Nolans Inception?), so kann man Pain & Gain durchaus was abgewinnen. War amüsiert, zeitweise.

    • Marco

      Ist natürlich kein Meisterwerk (ebenso wie Nolans Inception keines ist), aber vor allem angesichts der Filme, die man sonst von ihm kennt, würde ich schon sagen, dass der hier einer seiner besten seit langem ist.

      Nett und unterhaltsam. Mehr brauch ich vom Bay auch nicht bzw. erwart ich mir nicht.