The Bay © 2012 Koch Media, Lionsgate (1)

The Bay

Eines gleich vorweg: Wer noch einen ungetrübten Badeurlaub in maritimer Umgebung verbringen möchte, sollte sich die vorherige Sichtung von The Bay lieber zweimal überlegen. Der Öko-Horrorstreifen im Found Footage-Stil hat es nämlich in sich und lässt einen unter Umständen nur mehr sehr zögerlich den kleinen Zeh ins kühle Nass halten.

Die Feierlichkeiten zum 4. Juli 2009 werden im kleinen Küstenort Chesapeake Bay in Maryland vom Ausbruch einer rätselhaften Seuche überschattet, welcher hunderte Menschen zum Opfer fallen. Die scheinbar durch das Wasser übertragene Krankheit breitet sich rasant aus und stellt Mediziner und Behörden gleichermaßen vor ein Rätsel. Als die Ursache für das Massensterben gefunden ist, wird von der Regierung ein Mantel des Schweigens über die Vorfälle gebreitet. Erst die junge Reporterin Donna Thompson (Kether Donohue), die Augenzeugin der Geschehnisse im kleinen Küstenort wurde, deckt die Verschwörung auf und kommentiert diese anhand von bisher unter Verschluss gehaltenem Videomaterial aus verschiedensten Quellen. Der dadurch entstandene Film setzt sich als Puzzle privater und behördlicher Aufnahmen zusammen, welches das Ausmaß der menschlichen und ökologischen Katastrophe begreifen lässt.

Zugegeben: die schwindelerregende Wackelkameratechnik und der pseudo-dokumentarische Stil des Found Footage-Genres haben über die Jahre schon sehr an Reiz verloren. Die mittlerweile inflationär bemühte „Genrekuh“ wurde schon ausgiebig in Filmen wie The Blair Witch Project, Cloverfield oder in den REC– sowie Paranormal Activity-Reihen gemolken – nicht nur, weil sich diese Streifen vor allem beim jugendlichen Publikum großer Beliebtheit erfreuen, sondern weil sie zudem auch billig und dementsprechend gewinnbringend zu produzieren sind.

The Bay hebt sich allerdings wohltuend vom Großteil dieser Pseudo-Dokumentationen ab, indem er sich weniger auf billige Schock- und Ekeleffekte stützt (obwohl besonders von letzterem genügend vorhanden sind), sondern stattdessen den Fokus auf plausible Handlungsverläufe, glaubhafte Charaktere und eindringliche Atmosphäre legt. Es ist auch spürbar, dass mit Barry Levinson (Rain Man, Sleepers) hier kein junger, unerfahrener Regisseur zu Gange war, sondern jemand, der etwas von seinem Fach versteht. Angesichts realer ökologischer Katastrophen und den sie begleitenden Verschwörungen und Vertuschungen erscheint die Thematik von The Bay zudem nicht als sehr weit hergeholt und die hergestellte Realitätsnähe beziehungsweise Denkbarkeit der dargestellten Ereignisse sorgen noch für zusätzliche Gänsehaut.

Lediglich die schauspielerischen Leistungen reichen nicht immer an den vorgegebenen Anspruch auf Authentizität heran und manche Charaktere bleiben durch die Vielzahl an angebotenen Perspektiven leider etwas zu blass.  Auch schafft der Film es nicht ganz, den anfangs sehr hoch angesetzten Spannungsbogen bis zuletzt zu halten und legt diesbezüglich am Ende eine kleine Bruchlandung hin. Alles in allem bietet The Bay aber mitreißende, stellenweise schockierende und ekelerregende Unterhaltung mit einem guten Schuss Ökokritik.

Regie: Barry Levinson, Drehbuch: Michael Wallach, Darsteller: Kristen Connolly, Kether Donohue,
Will Rogers, Laufzeit: 84 Minuten, DVD-Release: 26.07.2013, thebay-movie.com