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The Call – Leg nicht auf!

Ein spannungsgeladener Thriller über eine Notrufzentrale und Klaustrophobie schwebte dem Drehbuchautor Richard D’Ovidio mit The Call – Leg nicht auf! vor. Der Inszenierung von Brad Anderson (The Machinist, Transsiberian) ist es zu verdanken, dass das Geschehen über weite Strecken tatsächlich elektrisiert – bis zu einem bitter enttäuschenden Showdown.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die 911-Notrufzentrale von Los Angeles, der „Bienenstock“, in dem die Telefonistin Jordan (Halle Berry) arbeitet. Sie begeht bei einem Anruf einen folgenschweren Fehler, durch den das Opfer stirbt, woraufhin sie sich aus dem aktiven Dienst zurückzieht. Doch eines Tages kommt sie in die Situation, erneut eine Anruferin übernehmen zu müssen. Es handelt sich um Casey (Abigail Breslin), die aus einem Kaufhaus entführt wurde und aus einem Kofferraum anruft. Da sie mit einem Prepaid-Handy telefoniert, kann sie nicht geortet werden. Damit beginnt ein Kampf gegen Zeit und Verzweiflung. Die Telefonverbindung wird zur Entscheidung über Leben und Tod.


 

Brad Andersons Inszenierung zielt auf größtmögliche Authentizität. Das zeigt sich zum einen an den Sets und zum anderen an der Kamera. Beide bemühen sich darum, einen dokumentarischen Eindruck zu erzeugen. Der kontinuierliche Schnitt zwischen den Schauplätzen erzeugt einen Kontrast zwischen Weite und Enge und erhöht die beklemmende Stimmung. Darüber hinaus kommt Anderson mit Hilfe von Handkameras ganz nah an die Situation heran. Die Kamera nimmt keine sichere Beobachterposition ein, sondern den Ort, wo die Bedrohung fühlbar ist, und überträgt das Unbehagen auf die Zuschauer. Sie zeigt bewegungsunfähige Gliedmaßen im Kofferraum, die Angst im Rücken oder tränenüberströmte Gesichter aus einem Blickwinkel, der beinahe taktlos wirkt.

Besonders Abigail Breslins Darstellung trägt mit ihrem Auf und Ab der Emotionen zu einer wiederkehrenden Anspannung bei, ohne dabei die Nerven überzustrapazieren. Am stärksten ist die Leistung von Michael Eklund, der den Entführer bemerkenswert unstrapaziös zwischen Psychopath und Jedermann ansiedelt. Halle Berry allerdings wirkt befremdlich, ihr Glamour-Status nimmt ihr schon beim ersten Auftritt die Glaubwürdigkeit einer Call-Center-Angestellten, die sie sich den Film über nur mit mäßigem Erfolg erarbeitet – was zu einem guten Teil aber auch dem Drehbuch anzulasten ist. So spannend Ausgangsidee und Konzeption auch sind, Figurencharakteristik und Dialoge sind konventionell. Das Geschehen wirkt zugeschnitten, oft fragwürdig oder gar zu einfach. Spätestens der Schluss des Filmes macht das schmerzlich spürbar und setzt mit einem erzwungen progressiven Ende dann noch eines drauf.

The Call – Leg nicht auf! bietet somit spannende Unterhaltung aus ungewöhnlicher Perspektive und in einer sehenswerten Inszenierung, die aber die Schwächen des Drehbuchs auf Dauer nicht auszugleichen vermag. Und das enttäuschende Ende ist schließlich durch nichts und niemanden wettzumachen.

Regie: Brad Anderson, Drehbuch: Richard D’Ovidio
Darsteller: Halle Berry, Abigail Breslin, Morris Chestnut, Michael Eklund, Michael Imperioli
Laufzeit: 94 Minuten, Kinostart: 12.07.2013, www.thecall-film.de




  • Marco

    Schade eigentlich. Film klingt schon recht interessant und Brad Anderson hat bisher recht gute Sachen gemacht. Aber das liegt hier glaub ich wirklich viel an der Besetzung. Halle Berry passt absolut nicht in die Rolle, schon im Trailer nicht. Unbekanntere Gesichter hätten da Wunder gewirkt 😉 oder zumindest besser zur Geschichte gepasst.

  • Chris

    Der von mir (auch noch auf deutsch) gesehene Trailer war ja ne Mischung aus Fremdschämen und Innovations- bzw. Belanglosigkeit, bin überrascht das das Ganze doch einigermaßen passabel bewertet wurde..

    • Martina Z

      Ja, da bin ich wohl großzügig zugunsten Anderson ;-). ich glaube, der englische Trailer ist auch nicht besser, und dabei betonen sie gerade das Innovative, wovon niemand so recht weiß, was es sein soll – ist so ein Film, der einigermaßen okay ist und sogar was Interessantes hat, wenn man ihn zufällig zu sehen bekommt. Und wenn man ihn nicht sieht, macht’s auch nix, gar nichts.