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The Grandmaster

The Grandmaster zeigt die Chronik von Yip Man, einem der begnadetsten Kung-Fu-Meister Chinas und schlägt den Bogen ab den 1930ern, über seine Zeit in Hongkong nach dem zweiten China-Japan-Krieg und die Zeit bis zu seinem Tod…

Der Norden und Süden Chinas stehen sich feindselig gegenüber, auch die Kung-Fu-Gemeinde ist gespalten durch verschiedene Ausprägungen der Kampfkunst. Yip gilt als der beste Kung-Fu Kämpfer Südchinas und muss daher gegen den Großmeister aus dem Norden antreten. Yip gewinnt den Kampf, doch Gong Er, die Tochter des Großmeisters, möchte die Familienehre wiederherstellen und fordert nun zum Kampf. Da es im Kung-Fu um Präzision gehe, so Yip, habe derjenige verloren, der beim Kampf Schaden an der Einrichtung anrichtet. Es folgt ein schier magischer Kampf: rasant stürzen und stoßen sich die beiden durch Räume, schweben durch Treppenhäuser – bis Yip verliert, weil er eine hölzerne Treppenstufe zerbröselt. Einen derartigen Kampf hat man selten (oder noch nie) auf der Leinwand gesehen. Doch am Ende geht es nicht mehr allein um den Sieg, sondern um das zauberhafte Entstehen einer Liebe.


Die Geschichte wird von Wong nicht linear erzählt, sondern in zeitlichen Sprüngen und Flashbacks. Zwischen 1936 und Anfang der 1950er-Jahre wird die Lebensgeschichte des Meisters in die zeitgeschichtlichen Umstände eingebettet: China ist von den Japanern besetzt, Yip verliert seinen Wohlstand und seine Familie, er verarmt und fängt im Hongkonger Exil von vorne an, wo er unter anderem Bruce Lee die Kunst des Kämpfens beibringt. Und es ist eine wahre Kunst, die Wong auf die Leinwand bringt.

Er zeigt, dass Kung-Fu viel mehr ist als Kämpfen, eine Philosophie, die von der Einheit von Geist und Körper ausgeht, wobei die innere Welt die äußere in Gleichgewicht bringen soll. Der Regisseur dokumentiert verschiedene Kampfstile und zeigt  diese in sensiblen und häufig langen Einstellungen – mal schnell, mal in Zeitlupe, im Regen, in Schwarz-Weiß in prunken Interieurs. Die präzisen Bewegungen werden als Choreografie ins Bild gesetzt, die auch nicht Kung-Fu versierten Zuschauern Spaß machen, weil, anders als bei vielen anderen Action-Filmen, Ästhetik und Schönheit der Körperbeherrschung im Vordergrund stehen.

Das Genre von The Grandmaster ist schwer einzuordnen, es ist eine Mischung aus Geschichtsepos, Actionkino, Melodram und Martial-Arts-Spektakel. Die Sprünge durch die verschiedenen Episoden und die Erzählung der Hauptfiguren aus dem Off, machen es dem Zuschauer allerdings an einigen Stellen schwer dem Werk zu folgen und zwischen Realität und Traum zu unterscheiden. Auch die Fülle an Symbolen und Andeutungen sind für den westlichen Zuseher oft nicht leicht zu verstehen.

Wong hat mit diesem Epos auf jeden Fall einen poetischen und melancholischen Actionfim, gewürzt mit einer romantischen Liebesgeschichte geschaffen, der die Zuseher im Kino in seinen Bann ziehen wird.

Regie: Wong Kar-wai, Drehbuch: Xu Hao-Feng, Zou Jing-Zhi, Wong Kar-wai, Darsteller: Tony Leung Chiu-Wai, Zhang Ziyi, Chang Chen, Song Hye-Kyo, Wang Qing-Xiang, Laufzeit: 130 Minuten, Kinostart: 28.06.2013, www.the-grandmaster.de




  • spinnwebwald

    Ein unabdingbares Muss. Und ein schöner Grund für mich wieder einmal ins Kino zu schaun…

    • Marco

      Dem kann ich nur zustimmen. Will ihn mir auch unbedingt im Kino anschauen. Mag Wong Kar-wai sehr, hab aber noch einen ziemlichen aufholbedarf bei ihm. Leider noch immer nich In the Mood for Love gesehen … gilt ja als eines seiner großen Meisterwerke.
      Kennst du den?

    • spinnwebwald

      Ja, kenne ich. Muss ihn mir wieder einmal ansehen – vor allem weil ich mir in letzter Zeit immer wieder den Soundtrack dazu (Michael Galasso) angehört habe. Der ist nämlich auch sehr wunderbar!

    • Marco

      Soundtrack kenn ich leider auch nicht.

      Aber ich fand bei The Grandmaster (besonders bei den Kampfszenen) die Rhytmik des Sounds sehr packend. Das hat den Kämpfen noch extra was dazu verliehen.

      Ich mag von ihm ja auch 2046 sehr gerne, ich weiß, vielen gefällt er nicht so besonders, aber mir hat der sehr zugesagt, trotz einiger Längen.

    • Martina Z

      ja, für mich auch. der trailer wirkt zwar etwas irritierend und untypisch, aber endlich wieder ein wong kar-wai!

    • Marco

      Untypisch find ich aber gut 😉 ist doch spannend, wenn er versucht was anderes zu machen. Ich bin sehr gespannt, wie der ist.

    • Martina Z

      Ja, ich auch, eigentlich, aber ich habe mich unklar ausgedrückt, denn ich meinte das Gegenteil, nämlich, dass der Trailer nicht nach einem Wong Kar-wai-Film ausschaut, irgendwie eher moderne Martial Arts à la Zhang Yimou oder so. Der Kritik zufolge, also die Einordnungsproblematik zum Genre, lässt dann doch wieder die gewohnte Komplexität von Wong Kar-wais Erzählstil erhoffen. Ich bin jedenfalls auch schon sehr gespannt drauf.

    • Marco

      Aso, okay. Ja, das stimmt, vom Trailer her könnte man nicht darauf schließen, dass es sich um einen Wong Kar-wai-Film handelt.
      Aber ich finde es eben sehr gut, dass er sich in ein etwas anderes Genre wagt, auch wenn es sicher kein „simpler“ Genre-Film, also Martial Arts Film sein wird. Gerade das finde ich sehr spannend daran. Zumindest hoffe ich, dass er daraus mehr macht, als einen Martial Arts Film (eigentlich bin ich ziemlich zuversichtlich, dass er mehr daraus macht 😉
      Ich bin auch schon sehr gespannt auf den Film.