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Stoker

Schon zu Beginn des Films wird klar, India Stoker hat ein Geheimnis. Als sich der „verlorene“ Onkel im Haus breit macht, passieren seltsame Dinge und India entdeckt neue Seiten an sich.

Der Vater von India Stoker (Mia Wasikowska) stirbt bei einem Autounfall. Beim Begräbnis taucht plötzlich dessen Bruder (Matthew Goode) auf, den niemand zuvor gesehen hat. Um der Witwe (Nicole Kidman) und der 18-jährigen India nach dem Verlust beizustehen, beschließt er eine Weile bei ihnen zu bleiben. Der attraktive Mann kokettiert mit Indias Mutter, einer hochneurotischen Upper-Class Frau, die zu ihrer Tochter kein gutes Verhältnis pflegt, da die beiden zu unterschiedlich sind. India ist eine ernste, sensible junge Frau, die unter dem Verlust des Vaters mehr zu leiden scheint als ihre Mutter. Doch India trägt in ihr ein Geheimnis, das langsam ans Tageslicht kommt, als sie mehr und mehr Zeit mit ihrem ebenfalls geheimnisvollen Onkel verbringt, mit dem sie letztendlich eine tiefe Seelenverwandtschaft verbindet.


Park Chan-wook hat mit Stoker zum ersten mal einen „Hollywood-nahen“ Film vorgelegt, der sich mit gewaltigen und gewaltsamen Bildern von anderen Hollywood Streifen abhebt. Der Film spielt in einem riesigen entlegenen Anwesen neben einem Wald. Die Natur nimmt in dem Werk einen hohen Stellenwert ein. India, anfangs ein unschuldiges, ernstes Mädchen, das mit den Jugendlichen in ihrem Alter nicht zurechtkommt, da sie offensichtlich anders zu sein scheint und lieber auf die Jagd geht mit ihrem Vater, als eine Disco zu besuchen, gleitet vor allem am Anfang von Stoker wie eine Fee durch den Wald. Sie kann Insekten hören und spürt die Anwesenheit von Dingen, die dem Auge oft verborgen bleiben – sie trägt dabei etwas Magisches an sich.

Neben dem „Verführer“ Charles, ihrem Onkel, erwacht sie schließlich zum Leben, sie beginnt Seiten an sich zu entdecken, die bisher im Verborgenen blieben und verliert langsam ihre kindliche Unschuld. Nicole Kidman, die ihre Mutter darstellt, wirkt wie eine Porzellanpuppe, gefühlskalt und oberflächlich, künstlich und unnahbar. Mit ihrer Tochter scheint sie nichts zu verbinden, doch neben Charles entfacht eine Erotik, die schon nach ein paar wenigen Blicken spürbar wird. Nicole Kidman stellt die unglückliche, neurotische und gleichzeitig verlorene Witwe großartig dar.

Spannung ist in Stoker an den meisten Stellen nur von kurzer Dauer, da Verdachtsmomente relativ rasch aufgelöst werden und die Geschichte vorhersehbar wird. Es sind die großartigen Bildkompositionen in kräftigen Farben, die den Film dennoch auszeichnen und sehenswert machen. Durch die Bilder verschwimmen an einigen Stellen die Grenzen zwischen Realität und Traum, und als Zuschauer wird man in Indias Fantasie gezogen.

Regie: Park Chan-wook, Drehbuch: Wentworth Miller, Darsteller: Mia Wasikowska, Nicole Kidman, Matthew Goode, Laufzeit: 99 Minuten, Kinostart: 09.05.2013, www.foxsearchlight.com/stoker




  • spinnwebwald

    Äußerst empfehlenswert!!!
    Von Unterdrückung. Und letztendlich. Von Selbstbefreiung.

    • Marco

      Der Aspekt mit der Befreiung ist wirklich sehr stark und kommt gut rüber. Gerade auf die Art und Weise, wie das im Film geschieht auch noch mit einem verstörendem Zusatz …

  • Martina Z

    und was ist mit dem spiel mit der vampir-metaphorik? so etwas sublimes ist äußerst selten zu sehen. großartig!!!

    • Marco

      stimmt, muss aber zugeben, ist mir während dem schauen gar nicht so bewusst gewesen, sondern erst nachher klar geworden (auch durchs drüber reden). Gerade deswegen auch wirklich beeindruckend subtil gemacht.

  • Chris

    Also ich war begeistert: Tolle Darsteller, unglaublich faszinierende Bildsprache und eine nette, wenn auch im Nachhinein gesehen nicht sonderlich überwältigende, Handlung mit Twist. Am Besten einfach gar nichts dazu lesen und einfach komplett ohne Vorwissen in den Film gehen, dann wirkt er (vermutlich) am besten!

    • Marco

      Ja, die Handlung mag jetzt nicht so prickelnd sein, aber es stehen halt auch die Figuren viel stärker im Vordergrund und tragen das geschehen, erinnert mich ein wenig an The Master … hatte ja eigentlich auch keine allzu überwältigende Handlung, dafür komplexe Figuren, die alles vorantreiben.