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Yeah Yeah Yeahs – Mosquito

Mittlerweile erwartet man ja von den Yeah Yeah Yeahs nicht mehr viel. Denn man gibt sich gut und gerne mit dem zufrieden, was jedes Album für die Fan-base bis jetzt bereit gestellt hat…

Treu geblieben sind sie sich. Verspielte Experimente in diverse musikalische Richtungen haben letztendlich nie soweit geführt, dass sich das Trio aus New York vom Arthaus-Bereich gänzlich verabschiedet hätte. Kunst, Trash-kultur, Emotionen und Konzepte, die zu einem stacheligen Außenseiter zusammenwachsen, bilden die Charaktereigenschaften der Band. Momente in denen das letzte Album It’s Blitz Disco-beat-lastig und wenig sperrig war, werden bei der aktuellen Langspielplatte von zerfahrenen, schrägen und aggressiven Klängen abgelöst. Geräusche und Klänge aus dem Keller werden hier nach oben befördert. Dumpf, düster, drohend, aber nie wirklich dazu führend, mit kompletter Sound-Wall über einen hereinzubrechen.

Mit der Single Sacrilege und dem dazugehörigen Video positionieren sich die Yeah Yeah Yeahs nach dem letzten Album wieder in eine programmatische Richtung. Sozialkritik, die mit einer konzeptionellen Montage und einem provozierenden Inhalt aufwartet, entfernt das Trio etwas von der Trash-Richtung, lässt aber trotzdem die frühere Art-Punk Ära bestehen. Zum darüber streuen findet sich im Musikvideo auch eine wunderbar grenzwertig und lasziv inszenierte Lily Cole, die der eine oder die andere möglicherweise aus Kino und Fernsehen kennen könnte. Vom Aufbau und von den Arrangements sticht die Single zwar etwas vom Rest heraus, was aber dadurch entschärft wird, dass sich der Titel am Anfang des Albums befindet und so einen guten Einstieg liefert.

Fortgesetzt wird das ganze auf dem Album mit einem kleinen netten Detail in Subway, wo ein regelmäßiger, stoisch-rhythmischer Schienen-Beat hörbar wird. Mit den Textpassagen „It was metal on the mental“ wird wortwörtlich der Schienenklang ins Hirn geblasen. Nach den bis jetzt wenig zerfahrenen Elementen, wird mit dem gleichnamigen Track zum Album Mosquito rechtzeitig eingelenkt und die ursprünglichen Fever to Tell-Yeah Yeah Yeahs melden sich aus dem Jahr 2003 zurück. Auch die simple, aber dennoch einhämmernde Art und Weise Textpassagen zu intensivieren, findet wieder zurück zur ursprünglichen Fan-Base.

Die folgenden Passagen liefern persönlich für den Schreiber dieser Zeilen interessante Momente. Trotz Studio-Mischung kommt da sogar ein starkes Festivalgefühl auf, das im Kopf sogleich ein vollständig geformtes Phantasiebild entstehen lässt. Vor Augen eine leicht staubige Open-Air Ebene, bewölktes Wetter, später Nachmittag. Die folgenden Tracks Under The Earth, Slave und These Paths unterstreichen dieses Gefühl und machen Lust darauf, die Band wieder einmal live zu erleben. Und zwar unter Tags im Rahmen eines Open Air Festivals und nicht bei Nacht in einer Halle. Eine leicht düstere, ruhige aber bedrohliche Stimmung und die auf dem Album hall-artig abgemischte Stimme von Karen O tragen zu einem Live-Feeling bei. Gerade dieser Sound ist womöglich auch der Grund, warum dieses Album weniger klinisch als der Disco-Beat Vorgänger klingt. Es lässt sich allgemein auch schwer sagen, ob die Yeah Yeah Yeahs auf einem abgemischten Album, das über die Sound-Anlage zu hören ist, oder doch eher auf einer Bühne zu Hause sind. Denn gerade Karen O’s übermütige und inszenierte Performance, die in Kombination mit einem meditativen, Gitarre spielenden Nick Zinner zusammenwirkt, setzten dem musikalischen artifiziellen Aufbau ein Häubchen auf.

Hier das Video zu Sacrilege auf Universal Music 

Den wenig innovativen Track Area 52, der an einen mit lederner Haut überzogenen Iggy Pop erinnert, verzeiht man dem Trio dann auch noch. Selbst wenn sich der Track brachial und wunderbar aggressiv gestaltet, plätschert er etwas zu beliebig dahin. Andererseits sollte einem auch klar sein, dass sich die Yeah Yeah Yeahs in diesem Leben sicher nicht mehr neu erfinden werden. Wozu auch? Die Stimme von Karen O, die mittlerweile eine Form von Kunstfigur darstellt, und das auf der Bühne auch offen zeigt, oder das Songwriting des Trios liefert in der Regel ausreichend Substanz um die Musik dahinter interessant zu machen. Das Dr. Octagon aka Keith Matthew Thornton aka Kool Keith beim Track Buried Alive einen textorientierten Gastauftritt bekommt, ist ganz nett aber nicht notwendig, da es dem Song selbst keinerlei Besonderheit oder Verbesserung zukommen lässt. Momente, in denen das ewige Rätsel erneut unbeantwortet bleibt und bei dem meist der Zufall eine große Rolle spielt, warum Künstler sich auf manchen Platten gegenseitig Gastauftritte zuschanzen.

Anhand des Covers der neuen LP, die sowohl als Vinyl und als CD zu haben ist, wird wieder einmal deutlich gemacht, dass der downloadbare Musiksektor nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Denn das Art-Concept der Platte ist mit einem trashig illustrierten Psychodelic-80er Jahre Plakat-Stil eines, das man sich gerne in Form einer Vinyl-Scheibe in seine offensichtliche und sichtbare Plattensammlung stellt. Auch der obligatorische ruhige Track darf auf dem Album nicht fehlen. Was damals mit Turn Into auf Show your Bones als funktionierende Auskopplung gelungen ist, wird hier vermutlich mit Wedding Song nicht gelingen. Dennoch ist es ein passender Abschluss des aggressiven Albums, das damit ein ruhiges entspannendes Ende findet.

Yeah Yeah Yeahs – Mosquito, Universal Music, www.yeahyeahyeahs.com