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Metro: Last Light

Metro 2033, der überraschend mitreißende, wenn auch nicht überwiegend vor neuen Ideen strotzende Roman des Russen Dimitri Glukhovski konnte seit seiner Veröffentlichung 2007 Leser rund um den Globus begeistern.

Der Reiz der überaus beklemmenden, größtenteils im weitreichenden U-Bahn Netz von Moskau spielenden und von einem Atomkrieg zerstörten Post-Apokalypse ergab sich vor allem aus der gleichermaßen nachvollziehbaren wie auch düsteren Atmosphäre, die die Erzählung konsequent aufbaute. Während das ukrainische Entwicklerstudio 4A Games bereits 2010 eine Ego-Shooter Umsetzung des Romans auf den Markt brachte, konnte sich der Erfolg trotz generell guter Kritiken nicht so richtig einstellen. Nun, drei Jahre später, erscheint Metro: Last Light (endlich auch auf der PS3) und versucht, die vereinzelten, vorwiegend technischen Unstimmigkeiten des Vorgängers rund um schwächelnde Gegner-KI, unbarmherzigen Schwierigkeitsgrad und die etwas umständliche Waffenhandhabung auszumerzen.

Die Erzählung schließt direkt an den Ereignissen von Metro 2033 an, bewegt sich nun allerdings nicht mehr auf den Pfaden der Romanvorlage (und auch nicht auf dessen Nachfolger, Metro 2034): Protagonist Artyom, seines Zeichens einer der Erstgeborenen in der Dunkelheit der U-Bahntunnel, wird erneut in den Konflikt mit den mysteriösen Oberflächenbewohner der verseuchten Erde namens “The Dark Ones” verwoben. Während der erste Teil noch damit endete, das die junge Hauptfigur den entscheidenden (Raketen-)Schlag gegen die telephatisch veranlagenten Dark Ones und damit deren vermeintliche Auslöschung verantwortete, gilt für Artyom nun, den vermeintlich letzten Überlebenden jener Rasse in einem chaotischen Katz- und Maus Spiel aus den Fängen zwielichtiger Gestalten zu retten.


In einer überaus involvierenden, durchaus spannenden Rahmenhandlung wird der Spieler erneut durch die dystopische Welt von Metro 2033 geführt; abermals wechseln die Schauplätze zwischen den kunstvoll in Dunkelheit gehüllten Tunneln unter Moskau und der wohl am glaubhaftesten dargestellten, zerstörten Metropole darüber seit Washington D.C. in Fallout 3 (oder Manhattan in einem unserer All-Time-Favoriten, Enslaved). Verzweiflung, der ständige Kampf ums Überleben sowie das Zurechtfinden in einer unwirtlichen Umgebung bestimmt den Alltag der Überlebenden in der Metro und auch den des Spielers: Die Filter von Gasmasken müssen etwa beim Aufenthalt an der Oberfläche regelmäßig gewechselt werden, Taschenlampen gilt es bei nachlassender Strahlkraft auch in hitzigen Momenten wieder aufzuladen, um nicht im Dunkeln die Orientierung zu verlieren und Munition kann sowohl für die vielfältig modifizierbaren Waffen als auch als Währungsmittel verwendet werden.

Gepaart mit einem zweigeteilten Fokus auf Action-reiche Schusswechsel und sehr gut funktionierendem Stealth-Gameplay ergibt sich dadurch eine abwechslungsreiche Atmosphäre, die durch vielschichtige Charaktere und den einen oder anderen Überraschungsmoment noch unterstrichen wird. Erstaunlich ist vor allem die Stealth-Mechanik: Bewegt man sich vorsichtig im Schatten, deaktiviert zusätzlich noch störende Lichtquellen wie Gaslampen, Glühbirnen oder Stromaggregate, so ist die Möglichkeit, kampflos an seinen Gegner vorbeizuschleichen, eine Leichtigkeit. Offene Feuergefechte sind zwar überaus involvierend dank toller Soundkulisse und ebensolchem Waffendesign in Szene gesetzt worden, sollte aber in vielen Momenten angesichts einer sich schnell zu einer aggressiven Übermacht entwickelnden Gegnerschaar vermieden werden.

Trotz der vermeintlich abwechslungsarmen Umgebung – wie interessant kann ein Tunnelsystem schon sein – überrascht Metro: Last Light auch optisch mit einer Vielzahl an ansprechenden Locations: So verweilt man in einem ruhigeren Moment etwa in einer halb-überfluteten Station und findet sich dabei an eine russische Version eines heruntergekommenen Venedigs erinnert oder taucht in einem überaus packenden Moment in das Unterbewusstsein Artyoms ab, das von einer dunklen Bedrohung heimgesucht wird. Gemeinsam mit kleinen Details wie einem enorm abgespeckten HUDs, das, ähnlich wie in Dead Space, die wichtigsten Informationen direkt am Körper des Spielers (eine Uhr am Handgelenk zeigt etwa die verbleibende Zeit bis zum Filterwechsel an) sichtbar macht, wird das Eintauchen die Welt von Metro: Last Light ungemein intensiviert. Sich langsam bildendes Kondeswasser auf der Sichtscheibe der Gasmaske, das mit einer Handwegung weggewischt werden kann, während die Spielfigur langsam aber immer hektischer nach Luft ringt und in den Trümmern des zerstörten Moskaus nach Filternachschub sucht, ist dabei nur ein weiteres Element, das begeistert.

Lediglich einige etwas unschöne Texturen sowie teils hölzerne Animationen von NPCs können das Auge etwas beleidigen, und auch die Tatsache, das es einige uninspirierte Bosskämpfe zu absolvieren gilt, die dem sonst geschmeidigem Spielablauf diametral entgegen stehen, kann betrüblich, teilweise auch nervig wirken – letzteres auch abhängig vom Schwierigkeitsgrad.

Doch kleine Makel werden ohne große Mühe durch das insgesamt als großartig zu bezeichnende Spielerlebnis weggefegt: Im großen Genre-Umfeld der First Person Shooter sticht Metro: Last Light als überzeugend umgesetztes, mit erwachsener Story sowie dichter Atmosphäre ausgestattetes Erlebnis heraus und besticht zudem mit einer hervorragenden (auch audiovisuellen) Präsentation, die ihresgleichen sucht.

Plattform: PS3 (Version getestet), Xbox 360, PC, Spieler: 1, Altersfreigabe (PEGI): 18,
Release: 17.05.2013, http://enterthemetro.com