Gears-of-War-Judgment-©-2013-Microsoft,-Epic-Games,-People-can-fly.jpg2

Gears of War: Judgment

Die aktuelle Konsolengeneration geht langsam aber sicher zu Ende – mit Gears of War: Judgment geht einer der letzten großen Xbox 360-exklusiven Titel an den Start und versucht an den Erfolg des Vorgängers (zur Kritik) anzuknüpfen.

Das ist keine leichte Aufgabe: Immerhin zählt Gears of War 3 zu den erfolgreichsten Spielen des Jahres 2011, und seither hat sich auch einiges bei Entwickler Epic Games geändert. Nicht nur, dass einige wichtige Köpfe dem Studio den Rücken kehrten, ist für den vierten Teil erstmals auch das von Epic akquirierte Team People Can Fly aus Polen für die Entwicklung zuständig, das mit Bulletstorm (zur Kritik) schon Eindruck hinterlassen konnte. Statt einer weiteren Fortsetzung, die sowieso nur schwer an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen könnte, entschied man sich für ein paar Neuerungen, die Judgment recht deutlich vom Rest der Gears of War-Reihe abhebt.


Die Story, die 15 Jahre vor dem ersten Teil spielt, hält sich dezent im Hintergrund – definitiv eine der besseren Entscheidungen, sind Prequels doch ein ganz brauchbarer Indikator dafür, dass eine Serie den Zenit womöglich überschritten hat. Stattdessen wird auf viel Arcade-lastige Action gesetzt: Das zeigt sich bereits an den diversen Levels, die hier wirklich als Abschnitte fungieren. Am Anfang gibt es die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, zusammenfassend wird am Schluss eine Kill-Statistik präsentiert und während man kämpft motiviert die dauernde Bewertung in Form von Sternen zum neuen High-Score. Hat man einmal nicht das gewünschte Ziel erreicht, bekommt man sofort die Möglichkeit, den Abschnitt zu wiederholen – wer erst einmal bejaht, wird den Controller so schnell nicht mehr ablegen können.

Neben dem wahlweise höheren Schwierigkeitsgrad mittels „Declassified“-Option, die die einzelnen Missionen nicht nur erschwert, sondern gleich ganz neue Elemente hinzufügt, die für zusätzliche Herausforderung sorgen, ist vor allem das neue Spawn-System ein Highlight, das nicht übersehen werden sollte. Statt Auswendiglernen von Levels können Gegner-Art und -Ort von Mal zu Mal variieren und fordern ständige Anpassungsfähigkeit – eine willkommene Abwechslung, vor allem bei mehreren Durchgängen, zu denen das Star-System stets animieren kann. Das garantiert selbst im Single-Player Modus lange anhaltenden Spielspaß. Weniger gelungen ist hingegen die von vielen erwartete „Aftermath“-Bonuskampagne, die mehr an eine Sammlung von Deleted Scenes aus dem Vorgänger erinnert und sich insgesamt nicht in das restliche Spielerlebnis einfügen kann.

Auf der Multiplayer-Seite hinterlässt „Overrun“ noch am ehesten Eindruck: mehrere Klassen stehen zur Auswahl, zu fünft versucht man Locust-Wellen abzuwehren, gewinnen die Locust fällt das menschliche Team zurück – wird ihre letzte Basis zerstört, ist die Runde vorbei und die Teams wechseln. Die Klassen und Spezialfähigkeiten, die zur Auswahl stehen, können zwar überzeugen, der Multiplayer-Modus bietet aber keine bahnbrechenden Features, die man so zuvor noch nie in einem Spiel gesehen hat.

Auch wenn Gears of War: Judgment nicht an den Erfolg des dritten Teils anschließen kann, ist es als eigenständiges Spiel gesehen ein guter Shooter, der vor allem im Single-Player Modus auch länger Spaß machen kann, selbst wenn die Kampagne insgesamt recht kurz ausfällt. Die neue Arcade-Lastigkeit kann als durchwegs gelungenes Experiment gewertet werden, das als Teaser für die kommenden Gears of War-Teile dienen soll – dann aber hoffentlich schon auf der neuen Konsolen-Generation.

Plattform: Xbox 360 (Version getestet), Spieler: 1, 2-10 (online), Altersfreigabe (PEGI): 18, Release: 22.03.2013, http://gearsofwar.xbox.com/