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Black Rebel Motorcycle Club – Specter at the Feast

Shakespeare’s Specter at the Feast ist der Geist von Hamlets Vater und schenkt dem sechsten Werk des Black Rebel Motorcycle Club sowohl Name als auch Bedeutung…

Es ist eine Widmung mehr noch eine Trauerfeier für den 2010 auf Tour verstorbenen Musical Engineer, inoffiziellem Mitglied und Vater von Bassist und Frontmann Robert Levon Been, Michael Been. Seit dem selbst betitetelm Debut 2001 sind 12 äußerst produktive Jahre vergangen, in denen das Trio durchwegs für hoch qualitativen Progressive Rock stand. Mit Specter at the Feast wird das Rad nicht neu erfunden und doch gelingt es ihnen, auch bei ihrem Sechstling zu keiner Zeit altbekannt und ausgelutscht zu klingen. Vielmehr scheint es eine Hommage ihrer bisherigen Etappen zu sein, was sich in der Rückkehr der wabernden Orgel aus Howl Zeiten in Some Kind of Ghost niederschlägt oder mit Teenage Disease an die revoltierenden Anfänge erinnert („I rather die than be living like you„).


Specter at the Feast
ist gänzlich dem Abschied gewidmet, jedoch nicht in andächtiger Ruhe, sondern ekstatisch laut und mit dem Finger auf der Wunde, gleich einer Gipsy Beerdigung, oder zumindest dem Bild das Guy Richtie davon geprägt hat. Eingeleitet durch das getragene, melancholische Intro Fire Walker wird ohne Umschweife Michael Beens früherem Schaffen mit der Single Let the day begin der verdiente Tribut entrichtet. Gemäß dem zeremoniell folgen düstere Balladen, getragen von Erinnerungen und durchzogen von Gedanken an Verlust. Wer sich dabei etwas an The Colour and the Shape der frühen Foo Fighters erinnert fühlt, liegt nicht gänzlich daneben, kehrte das Trio erstmals auf Einladung Dave Grohls in das Studio 606 zurück. Die anfängliche Melancholie und drückende Zurückhaltung wird zu Mitte der Feierlichkeiten abgelöst von trunkener Raserei und Rock n’ Roll wie zu den revoluzerisch Anfängen. Marschtrommeln, bis zur schieren Unkenntlichkeit verzerrte Vocals, pregnante Basslines und meditativ anmutende Repetition bilden die Kehrseite der Trauermedaille und gipfeln in ekstatischem Gitarren-Wirrwarr. Erschöpft endet das Toben mit Teenage Disease und macht Platz für die ernüchternden bluesigen Töne von Some Kind of Ghost, bevor man von dem achteinhalb Minuten langen Lose Yourself sanft in den Schlaf des Vergessens gewiegt wird.

Black Rebel Motorcycle Club öffnen sich und gewähren dem Hörer Einblick in die Intimität ihrer Trauer. Die Medizin, mit der sie sich selbst therapieren ist mehr Hommage, als Essenz ihres bisherigen Schaffens. Die Authentizität und Ehrlichkeit von Specter at the Feast ist zwar gern gesehenes Neuland, aber bleibt doch im Schatten der Vergangenheit.

Black Rebel Motorcycle Club – Specter at the Feas, Universal Music, www.blackrebelmotorcycleclub.com