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Slender: The Arrival

Das Spiel mit der Angst scheint sich in den letzten Jahren beinahe zur Königsdisziplin des Game-Designs entwickelt zu haben. Nur noch selten versuchen Entwickler sich an der heiklen Materie, noch seltener wird aus dem psychologischen Balance-Akt ein Erfolg.

2012 sorgte Slender: The Eight Pages für Aufsehen: Basierend auf dem populären Internet-Meme „Slender Man“ heimste das Spiel für seinen minimalistischen Zugang zur Thematik jede Menge Kritikerlob ein. Mit einem Level war das gratis Beta zwar noch kein vollständiges Erlebnis, nun reicht der Entwickler Blue Isle Studios aber mit Slender: The Arrival einen vollwertigen Titel nach.

Das Spielprinzip ist einfach gestrickt: Der Spieler muss ein umfangreiches Areal auf der Suche nach Objekten durchkämmen. Das Original, bei dem das Aufsammeln von Papierblättern auf dem Programm stand, ist dabei einer der fünf Level. Je näher der Spieler seinem Ziel kommt, desto mehr offenbart sich der Horror: Slender Man beginnt den Spieler unaufhaltsam zu verfolgen. Wer ihm zu lange entgegen blickt, den erwartet ein Freitod und so entwickelt sich schnell eine paranoide Hetzjagd durch die unterschiedlichen Umgebungen.


 

Das Problem mit dem Genre ist ja nicht trivial: Anders als bei Filmen, bei denen sich ein Zuseher lediglich zurücklehnt und in die Akteure versetzt, steht bei einem Spiel die Interaktion im Vordergrund. Und wenn ein Erlebnis stundenlange Interaktion abverlangt, dann muss diese auch in irgendeiner Form unterhaltsam sein. Dies ist auch ein Grund, warum sich so viele Horror-Erfolge in eine Action-lastige Richtung entwickelt haben die von der faszinierenden Atmosphäre nichts mehr übrig lässt.

Auch Slender: The Arrival findet für diese Problematik keine Antwort. Der Spielablauf gestaltet sich zunehmend irritierend, schnell wird aus Angst Frustration: Auf der einen Seite ist es die primäre Aufgabe die Umgebung zu untersuchen, auf der anderen Seite wird das Erkunden aber unentwegt bestraft. Da spricht der geringe Umfang des Spiels ausnahmsweise für den Titel – die Areale sind schnell durchgespielt, warten dafür mit dynamischen Objektiven auf. Der Spieler ist gezwungen bei jedem Durchspielen tatsächlich alles erneut abzusuchen, denn die Orte der Objekte ändern sich jedes Mal.

Die vorhandenen Level sind bemüht, Variation in den Ablauf zu bringen und glänzen vor allem durch solides Sounddesign und grafische Verspieltheit – beides Faktoren die erheblich dazu beitragen, dass Slender: The Arrival eine dichte Atmosphäre vermittelt. Dem Ganzen scheint es aber irgendwie an Richtung zu fehlen, denn sowohl die Story als auch der psychologische Horror dümpeln neben klaren Höhepunkten im Belanglosen umher.

Slender: The Arrival ist kein umfangreiches, vielschichtiges Projekt, sondern ein kleiner atmosphärischer Happen. Wer sich noch nicht mit dem Slender Man Phänomen beschäftigt hat findet hier eine gute Gelegenheit – wirklich Pflicht ist das Erlebnis in seiner momentanen Form noch nicht. Immerhin kommt der Titel ganz ohne Action aus, mal sehen wie sich das in den vier in Aussicht gestellten Sequels entwickelt.

PC (Version getestet), Spieler: 1, Altersfreigabe (PEGI): KA, Release: 26.03.2013, http://slenderarrival.com/