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The Walking Dead: Survival Instinct

Es gibt sie also doch noch: die gefürchteten Spieleumsetzungen von Filmen und Serien, die im Eiltempo auf den Markt geschmissen werden und aufgrund der damit einhergehenden Qualität sofort in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Aber wieso ausgerechnet The Walking Dead?

Immerhin hat Telltale Games bereits vergangenes Jahr gezeigt, wie eine Versoftung des Serienhits auszusehen hat – und damit ganz nebenbei eines der besten Adventures der vergangenen Jahre veröffentlicht. Vielleicht liegt es ja daran, dass Telltale sich die Comics von Robert Kirkman zum Vorbild genommen hat und die Entwickler aus dem Hause Terminal Reality eine Lizenz von AMC für die Fernsehserie erhielten. Das so knapp aufeinander folgende Releases überhaupt möglich sind – der Zeitpunkt scheint auf jeden Fall unglücklich gewählt, muss sich The Walking Dead: Survival Instinct doch jetzt den (unfairen) Vergleich mit dem Adventure-Spektakel gefallen lassen.

Survival Instinct ist ein Shooter, der ein Prequel zur Serie darstellen soll: Man schlüpft dabei in die Rolle von Daryl Dixon, der sich nach dem Eintritt der Zombie-Apokalypse auf den Weg zu seinem Bruder Merle macht. Die beiden haben ihre Original-Stimmen aus der Serie verpasst bekommen und die ersten paar Minuten – inklusive vertrauter Titelmusik und entsprechendem Intro – lassen kurzzeitig die etwas altbackene Optik vergessen und die Hoffnung aufleben, dass sich hinter Survival Instinct nicht einfach nur ein weiterer Durchschnitts-Shooter verbirgt.


 

Allerdings wird man schon bald wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt: Das fängt beim Level-Design an, das ziemlich lieblos wirkt und noch dazu wenig Freiheiten bietet, wo doch gerade das Zombie-Survival-Genre von verschiedensten Wegen zum Ziel profitieren würde. Stattdessen versperren LKWs den Weg – steht genau eine einzige Tür offen, wird man letztendlich durch nichts anderes als Korridore gejagt. Schade, denn ein interessantes Feature, das genau diese Vielfalt verspricht, kann nicht überzeugen: Gleich mehrere Wege führen zu Merle, diese können frei gewählt werden und bieten so ein wenig Abwechslung. Zusätzlich muss man sich dafür entscheiden, ob man lieber über Highways oder kleine Straßen fahren will – das schlägt sich auf den Treibstoffverbrauch nieder und birgt das Risiko, ungeplante Stopps einlegen zu müssen. Die Karten, auf denen dann nach Benzin gesucht werden muss, die per Zufall ausgewählt werden, wiederholen sich leider oft und passen auch sonst zum restlichen Level-Design.

Eine andere Idee, die nicht wirklich aufgeht, ist der Umgang mit den verschiedenen Überlebenden, die den Protagonisten auf dem Weg begleiten. Bevor ein Kapitel der recht kurz gehaltenen Story beginnt, kann man sie nach Proviant suchen lassen und sie sogar mit einer Waffe ausrüsten, um ihre Überlebenschance zu steigern. Diese ist aber sowieso begrenzt, da man oft Überlebende zurücklassen muss – angesichts der vielen leer stehenden Autos durchaus brutal. Vielleicht ist es aber auch einfach die Rache dafür, dass man selbst in den Levels um ein Vielfaches mehr an Versorgung gefunden hat, als die Weggefährten von ihrem Auftrag mitbringen.

Dass Munition knapp ist, ist wohl Teil jedes Zombie-Spiels. Dass die Nahkampf-Waffen aber sowieso für jeden Angriff von Untoten besser geeignet sind, verbessert den Eindruck von Survival Instinct nicht unbedingt. Solange man die unterschiedlich reagierenden Zombies einzeln erledigt, ist man auch nie überfordert – sollte es trotzdem dazu kommen, dass man von einer Horde überrascht wird, sollte man aber nicht gleich panisch werden: die Zombies warten einzeln darauf, bis sie Begegnung mit dem Messer machen. Das wirkt die ersten Male vielleicht noch lustig, aber letztendlich ist das Gift für den Spielspaß. Ebenfalls ärgerlich: Sollte es doch einmal dazu kommen, dass man erwischt wird, müssen gleich große Teile der Karte wiederholt werden, da Checkpoints spärlich gesät sind.

Man könnte über einiges hinwegsehen – über die veraltet wirkende Optik, die einfallslosen Karten, die Tatsache dass ein Großteil der Spielzeit dadurch entsteht, dass man Levels zur Hälfte wiederholen muss, weil man kurz unachtsam war. Aber dass man in einem Zombie-Survival-Spiel am besten möglichst viele Zombies um sich versammelt, um sie dann in aller Ruhe einzeln aus dem Weg zu räumen, ist die wirkliche Schwäche in The Walking Dead: Survival Instinct. Der Titel ist eine schmerzhafte Erinnerung an die Zeit, in der man um Spiele mit Film- oder Fernsehlizenz präventiv einen großen Bogen gemacht hat. Rocksteadys Batman: Arkham Asylum und Arkham City (zur Kritik) und nicht zuletzt Telltales Walking Dead (zu den Kritiken) haben gezeigt, dass es – zum Glück! – auch anders geht.

Plattform: PC (Version getestet), Xbox 360, PS3, Wii U, Spieler: 1, Altersfreigabe (PEGI): 18, Release: 19.03.2012, www.thewalkingdeadsurvivalinstinct.com