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Kate Nash – Girl Talk

Kate Nash ist bereits mit 25 Jahren an einen Punkt angelangt, an dem sie sich musikalisch neu erfinden möchte – oder muss. Mit ihrem dritten Album Girl Talk schlägt die junge Engländerin eine völlig neue Richtung ein und erntet dafür gleichermaßen Lob und Kritik…

Bekannt wurde Nash 2007 mit ihrer Single Foundations, ein Mainstream-freundlicher und harmloser Popsong, eingängig und irgendwie niedlich. Ein Song, der nicht nur ihren Musikstil und ihr erstes Album, sondern auch ihr Image prägte; beides schien für sie zu funktionieren. Allerdings ist die Mädchen von nebenan – Masche genauso schnell wieder uninteressant und ausgelutscht, das wissen auch Kate Nash und ihre PR-Berater. Ein neues Image muss her, das zeichnet sich bereits in ihrem zweiten Album ab. Die Wahl fällt auf das rebellische Punk-Rock-Girlie. Interessant – ja. Glaubwürdig – weniger.

Girl Talk wird zwar so präsentiert, als würde die Plötzlich-Rock-Röhre nun ausschließlich die Musik machen, auf die sie gerade Lust hat, völlig unbeeindruckt davon, was ihre bisherige Fangemeinde davon hält, ob das allerdings wirklich so ist, sei dahin gestellt.

Die Vorab-Single 3AM ist wohl noch der poppigste Song auf Girl Talk (was in vergleichsweise schon fast ein etwas Positives ist, obwohl der die Nummer selbst eher unaufregend klingt), abseits davon gestaltet sich das Zuhören schon etwas schwieriger. Denn selbst die Nummern, die an und für sich Potenzial hätten (z. B. Cherry Pickin) und ganz fetzig sind, funktionieren mit Nashs Stimme leider nicht wirklich. Das zu offensichtlich zu aufgesetzte Punk-Girlie Gekreische bewegt sich auf einer Skala zwischen nervig und schmerzhaft so hektisch auf und ab, wie das gesamte Album klingt. Dabei ist gegen den Musikstil freilich nichts einzuwenden. Wer diesen jedoch gerne hört, wird dabei wohl kaum auf Kate Nash zurückgreifen, vermutlich genauso wenig wie ihr ihrer bisherigen Fans aus der Pop-Ära folgen, und sich plötzlich alle in aufmüpfigen Riot Grrrls verwandeln werden.

In seinen besten Moment kann man Girl Talk lediglich ein paar kleine Pluspunkte hier und da für den Versuch etwas aus der Reihe zu tanzen, zusprechen und sagen: „Wow, die traut sich ja etwas!“. Anders ist aber doch nicht immer automatisch gut. Songs wie beispielsweise Death Proof wären an sich wohl gar nicht so übel und doch will der Funke nicht so wirklich überspringen, denn für jede Nummer wie diese gibt es im Gegenzug eine wie All Talk, die einfach nur schwer auszuhalten sind.


Girl Talk
hat keine Hits, keine Ohrwürmer, kaum positiv hervorstechende Lieder und wird so auch wohl kein immens großer Erfolg werden. Bleibt nur die Frage, ob das tatsächlich schlicht und einfach die Musikrichtung ist, die Kate Nash einschlagen möchte oder eine gezielte Marketingstrategie dahinter steckt. Aber auch wenn diese vorerst unbeantwortet bleibt, das Resultat wird wohl das gleiche sein; die Strategie wird nicht aufgehen und auch die Karriere wird so keine allzu lange mehr sein.

Kate Nash – Girl Talk, Fontana/Universal, www.myignorantyouth.com