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Metal Gear Rising: Revengeance

6
Action

Alles fing mit Metal Gear Solid 2 an: Ein unerfahrener Jüngling namens Raiden übernahm statt dem erwarteten Spionage-Veteranen Solid Snake völlig überraschend das Ruder und versetzte Fans der Serie in Empörung. Sein inkompetenter Auftritt war damals durch den ganzen Spielverlauf eine Einladung zum Fremdschämen – etwa wenn Raiden, statt als entschlossener Protagonist die Handlung zu übernehmen, nackt und hilflos durch die Gegend tapste; statt der unmittelbaren Bedrohung auf den Grund zu gehen mit seiner Exfreundin über vergangene Zeiten lamentierte oder überhaupt die wichtigsten Story-Entwicklungen bewusstlos verbrachte. Nichtsdestotrotz steht Hideo Kojima, geistiger Vater der Metal Gear Solid-Reihe, zu seiner Kreation und so überraschte es wenig, als er Raiden in Metal Gear Solid 4 frei nach Metal-Gear-esquer Ausschweifung als unbezwingbaren Kampf-Ninja-Cyborg wieder auferstehen ließ. Mit Leichtigkeit schnitt sich dieser neue Charakter durch riesige Kampfdrohnen – warum nur konnte man nicht diesen Raiden als Protagonisten steuern?

Aus diesem ewigen Spiel mit Erwartungen entstand die fixe Idee, ein Spin-Off zu kreieren, in dem der Spieler genau diese beeindruckenden Kampf-Einlagen selbst kontrolliert. Die Entwicklungsgeschichte von Metal Gear Rising war dann aber turbulent – nachdem Kojima mit dem neuen Action-Fokus über Jahre gekämpft hatte, wurde der Titel wieder gestrichen. Trotzdem folgte ein Neustart unter der Leitung von Platinum Games: Jenes Studio, welches das Action-Genre in dieser Konsolengeneration mit dem Titel Bayonetta (zur Kritik) entscheidend definiert hat. So tritt Metal Gear Rising nun doch noch als kompetenter Action-Verschnitt mit dem Untertitel „Revengeance“ an, eine überzeichnete Wortkreation, die die Eskalation der Absurdität, für die die Metal Gear Reihe nun einmal steht, perfekt auf den Punkt bringt.


Die Handlung spielt einige Jahre nach Metal Gear Solid 4, hat aber, zum Guten oder zum Schlechten, mit der MGS-Mythologie nicht mehr viel zu tun. Raiden wird zum austauschbaren Action-Held, Charaktere aus den Vorgängern gibt es nicht, selbst der Hintergrund des Protagonisten ist völlig vergessen. Für eine paramilitärische Organisation hat der Protagonist den Auftrag übernommen, eine gefährliche Gruppe von Söldnern zu stoppen. Damit ist im Grunde auch schon alles gesagt, denn die Story bleibt, trotz zahlreicher effektgewaltiger Zwischensequenzen, für MGS Verhältnisse dezent im Hintergrund.

Die Action steht im Mittelpunkt – genau genommen der Slow-Motion Schwertmodus, in dem es Raiden ermöglicht wird, mit gezielten Schnitten seine Gegner in kleine Stücke zu zerlegen. Rund um dieses Gimmick wirkt ein ausgeklügeltes Kampfsystem, das neben der Präzision dieser Einlagen genaues Verständnis des Gegnerverhaltens und präzises Blocken voraussetzt, etabliert. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei erstaunlich passend entwickelt: Während man auf „Normal“ die Mechaniken vertieft, gibt es auf anderen Schwierigkeitseinstellungen ohne solide Beherrschung des Systems kein Vorankommen. Eine Identität findet der Titel durch die immer wieder aufkommenden DNA-Stücke der MGS-Reihe: So hat Raiden, wenn er will, Zugriff auf Codec-Konversationen und hat trotz des definierenden Action-Fokus immer wieder Gelegenheit, sich im Stealth-Gameplay zu üben.

Grafisch ist das Spektakel eindruckvoll in Szene gesetzt, den Spieler erwartet ein bombastisches Effektfeuerwerk mit einer Dynamik und Leichtigkeit, die im Genre nicht oft erreicht wird. Zurückgehalten wird Metal Gear Rising: Revengeance aber trotzdem von zwei Elementen: Einerseits ist die Länge der Kampagne ein Schlag ins Gesicht, denn nach wenigen Stunden ist man auch schon wieder fertig. Das Spiel lädt mit zahlreichen Unlockables und einem motivierenden Kampfsystem zum Wiederspielen ein, trotzdem haben vergleichbare Titel schon deutlich mehr Speck an den Hüften. Auf der anderen Seite sind die Charaktere und die Handlung unglaublich blass, was vor allem als Teil der Metal Gear Reihe eine herbe Enttäuschung darstellt. Gerade das kürzlich erschienene DMC-Remake (die Kritik dazu hier), das sich als aktuelle Genre-Referenz sehen darf, hat sehr klar gezeigt, dass hirnlose Action nicht gleichzeitig seelenlos sein muss.

Und so ist Metal Gear Rising: Revengance ein austauschbarer Action-Titel geworden, der sich aber vor allem durch das Feingefühl von Platinum Games für ausgeklügelte Action-Systeme über Wasser hält. Genauso schnell durchgespielt wie er wieder vergessen ist, fehlt es dem MGS Spin-Off einfach an der Bandbreite, die man sonst von Kojima-Titeln gewohnt ist.

Plattform: PS3, Xbox 360, Spieler: 1, Altersfreigabe (Pegi): 18, Release: 22.02.2013, www.konami.jp/mgr