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Bientôt l’été

Tale of Tales hat sich im Laufe der Jahre einen Namen gemacht. Abstrakte Titel wie The Graveyard oder The Path haben mit ernsten den Thematiken Tod und Missbrauch, wenn auch nicht viel mehr, für Aussehen gesorgt.

Mit Bientôt l’été gesellt sich nun ein weiterer abstrakter Release in das ungewöhnliche Portfolio des belgischen Developers. Als reisender Austronaut im Kälteschlaf darf der Spieler eine virtuelle Umgebung erforschen, mit dem Ziel, in der endlosen Isolation Kontakt mit seinem/seiner Geliebten aufzunehmen. Alle Bestrebungen laufen darauf hinaus ein Gespräch mit seinem Partner auszuspielen. Sehr symbolisch geschieht dies bei einer Art Partie Schach, die Spielfiguren werden auf dem Brett platziert und ergeben dadurch Zug um Zug den Dialogverlauf, der sich aus Sätzen frei nach dem französischen Autoren Marguerite Duras zusammensetzen.


 

Das Gesprächs-Repertoire muss zuvor allerdings erst einmal aufgebaut werden. Beim Spaziergang über einen Strand sammelt ein Spieler seinen Wortschatz, um ihn später gezielt mit seinem Partner einsetzen zu können. Ebenfalls müssen die Spielfiguren für das Schachbrett erst einmal gefunden werden. Die französische Atmosphäre bietet eine perfekte Unterlage für das ganze Geschehen. Idealerweise findet das Spiel einen realen Partner, der über das Internet von einem Menschen gesteuert wird, alternativ nimmt der Computer den Platz gegenüber ein. Eine Bewertung fällt naturgemäß schwierig.

Als Unterhaltungsprodukt hat es Bientôt l’été nicht leicht: Das Spiel stellt unverschämt hohe Systemanforderungen, gerät zudem technisch des öfteren ins Wanken und hat auch auf der Design-Ebene einige Engpässe zu bewältigen. Strahlend weiße Schrift auf weißem Untergrund ist bei aller Liebe zum Minimalismus dem Spielverlauf wirklich nicht förderlich. Nachdem es sich wohl kaum um einen Titel mit breitgefächertem Zielpublikum handelt bringt man den Online-Partner am besten auch selbst mit.

Und so dient Bientôt l’été in erster Linie dem künstlerischen Diskurs. Wer gerne eine völlig ungewohnte Atmosphäre einatmen will und sich nicht daran stört dass es keinerlei greifbare Objektiven gibt, der findet hier eventuell ein nachdenklich stimmendes Erlebnis. Am Ende ist der Ablauf aber dermaßen minimalistisch und abstrakt, dass sich der Titel unmöglich einem breiten Publikum empfehlen lässt.

Plattform: PC (Version getestet), Spieler: 1-2, Altersfreigabe (Pegi): KA, Release: 06.02.2013,
http://tale-of-tales.com/bientotlete, Steam-Link